merken
PLUS Dresden

Im Gefängnis beim Buddeln gestört

Ein 26-jähriger Inhaftierter soll versucht haben, sich unter einem Zaun der Dresdner JVA durchzugraben. Dann eskalierte die Lage.

Im Dresdner Gefängnis wurde ein Gefangener beim Graben an einem Zaun gestört. Danach eskalierte die Situation. Nun steht er daher wieder vor Gericht.
Im Dresdner Gefängnis wurde ein Gefangener beim Graben an einem Zaun gestört. Danach eskalierte die Situation. Nun steht er daher wieder vor Gericht. © Symbolfoto: Robert Michael

Dresden. Khalid O. saß schon drei Monate in Untersuchungshaft, als ihn die Justizbediensteten im Dresdner Gefängnis bei einer seltsamen Betätigung erspähten. Beim Einzelhofgang im Juni vergangenen Jahres hat sich der Mann aus Eritrea vor einen Zaun gekniet und angefangen mit den Händen zu buddeln. Die ungewöhnliche Aktion wurde von der Videoüberwachung gut dokumentiert. Sofort eilten die Bediensteten herbei. Nein, ein Fluchtversuch war das offensichtlich nicht. Khalid O. hat versucht, an abgerauchte Zigarettenkippen jenseits des Zauns zu gelangen, um sie selbst aufzurauchen. Natürlich hielten die Wachmänner den Gefangenen von weiteren Ausgrabungen ab. Ihnen wird es wohl weniger um seine Gesundheit als um die Unversehrtheit der Grünanlage gegangen sein. Doch der 26-Jährige war damit nicht einverstanden, als er nun von mehreren Männern zurück in seine Zelle geführt wurde.

Anzeige
Allzeit gut beraten
Allzeit gut beraten

Kompetente Unterstützung zu Gesundheit und den passenden Produkten findet man in Riesa in der Domos-Apotheke in der Elbgalerie sowie in der Galeria-Apotheke.

O. schlug um sich, verteilte Kopfstöße, versuchte einen Bediensteten zu beißen. Die Beamten rangen ihn nieder und brachten den Mann aufgrund seines Zustands in den sogenannten BGH, einen besonders gesicherten Haftraum. Dort soll er dann nachmittags einen Bediensteten durch die geöffnete Kostklappe angespuckt haben.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Urteil wegen Messerangriffen

Seit dieser Woche muss sich O. für diesen Übergriff vor dem Landgericht Dresden verantworten. Schon zwei Tage vor der Tat soll er nachts Bedienstete in seinem Haftraum angespuckt und beleidigt haben. Darüber hinaus habe er versucht, sich durch eine Luke zu zwängen, die genutzt wird, um Gefangenen die Fesseln anzulegen, bevor sie die Tür zum Haftraum öffnen. Dabei soll die Tür sogar offen gestanden haben. Dem gelernten Bäcker wird daher nun unter anderem tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Körperverletzung vorgeworfen.

Khalid O. ist offenbar psychisch nicht gesund. Angeblich hört er seit seines Drogenkonsums Stimmen. Der Grund seiner Haft waren Messerangriffe auf drei Landsleute in Gorbitz. Für diese Übergriffe wurde der Mann im März dieses Jahres zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt und außerdem seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Warum nicht schon da auch die jetzt angeklagten Taten mitverhandelt wurden, ist unklar.

Doch weil es für den 26-Jährigen um eine Unterbringung geht, muss sich jetzt wieder eine Kammer des Landgerichts mit dem Angeklagten befassen. Zum Prozess wurde er von vier Betreuern aus dem Sächsischen Krankenhaus Großschweidnitz gebracht – und durfte seine Fußfesseln auch im Gerichtssaal nicht ablegen.

Der Angeklagte bestreitet einen Teil der Vorwürfe. Er habe die Beamten nicht absichtlich schlagen wollen, sagte er. Er habe gewusst, dass er gefilmt wurde. Die Männer hätten ihn am Zaun „ohne zu fragen“ festgenommen und bedroht. Er habe keine Luft mehr bekommen. Ja, er habe gespuckt, weil er vorher von einem Beamten mit Zucker beworfen worden sei. Der Prozess wird fortgesetzt.

Mehr zum Thema Dresden