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Zweifacher Mordversuch in der Dresdner Heide

Ein 17-Jähriger hat in der Dresdner Heide zwei Menschen niedergestochen. Nun wurde er unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt.

In der Dresdner Heide wird oft gefeiert - so auch im August letzten Jahres. Die Party endete fast mit zwei Morden.
In der Dresdner Heide wird oft gefeiert - so auch im August letzten Jahres. Die Party endete fast mit zwei Morden. © Marion Doering

Dresden. Knapp ein Jahr nach der blutigen Tat wurde ein heute 17-jähriger Dresdner wegen versuchten Mordes in zwei Fällen verurteilt. Der bereits vorbestrafte Jugendliche mit einer rechtsextremen Gesinnung gilt als Intensivtäter. Die Jugendkammer des Landgerichts Dresden verhängte gegen den Deutschen eine Jugendeinheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten. Er soll nun in einer sozialtherapeutischen Anstalt untergebracht werden, sagte ein Sprecher des Landgerichts Dresden.

Die Kammer habe sich vorbehalten, den Jugendlichen nach Verbüßung der Haft in der Sicherungsverwahrung unterzubringen, sollte er dann noch immer eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Der etwa dreimonatige Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da der Angeklagte minderjährig ist.

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Ohne Not-OP hätten Opfer wohl nicht überlebt

Nach Überzeugung der Richter hat der Jugendliche am Sonntag, 30. August vergangenen Jahres, zwei Menschen von hinten mit einem Messer in den Rücken gestochen. Daher ging das Gericht vom Mordmerkmal Heimtücke aus.

Die beiden Geschädigten, ein Mann und eine Frau, waren Deutsche, zur Tatzeit 21 Jahre alt und ein Paar. Sie hatten an dem Prozess als Nebenkläger teilgenommen. Bei der Waffe des 17-Jährigen handelt es sich um ein Kampfmesser mit einer 19 Zentimeter langen Klinge, wie ein Sprecher des Dresdner Landgerichts auf Anfrage mitteilte. Die Geschädigten erlitten schwere innere Verletzungen im Bauchraum, hatten viel Blut verloren und wurden durch Notoperationen gerettet.

Früheren Angaben der Staatsanwaltschaft wären sie ohne medizinische Versorgung mit hoher Wahrscheinlichkeit gestorben. Beide werden voraussichtlich lebenslang gesundheitlich beeinträchtigt sein, hieß es bei der Anklageerhebung.

Die Angriffe fanden morgens gegen 3 Uhr am Rande einer illegalen Techno-Party in der Nähe des Kannenhenkelweges in der Dresdner Heide statt. Vor dem heimtückischen Angriff soll der Angeklagte Streit mit einem Syrer gehabt haben. Das Motiv habe sich nicht weiter erhellen lassen.

Das Gericht geht davon aus, dass der alkoholisierte Täter „aus Frust“ gehandelt habe und mit seiner „Lebenssituation unzufrieden“ gewesen sei. Ein rechtsextremes Tatmotiv habe die Kammer nicht feststellen können, auch wenn der Täter einen solchen Hintergrund habe. Die Kammer musste auch prüfen, ob der Jugendliche aus reiner Mordlust, aus „Freude an der Vernichtung von Menschenleben“, zugestochen habe.

Mörderischer Angriff aus Frust

Der 17-Jährige sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Er wurde in dem Prozess auch für weitere Straftaten – darunter gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte – verurteilt. Darüber hinaus enthält die Jugendeinheitsstrafe weitere frühere Verurteilungen des Angeklagten.

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Der heimtückische Angriff auf ein Dresdner Paar fand nur fünf Wochen vor einem weiteren Messerangriff eines damals 20-jährigen Syrers auf zwei homosexuelle Männer in der Dresdner Innenstadt statt. Anders als die Tat des Islamisten Abdullah H., der im Mai wegen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, hatte der nächtliche Messerangriff nur wenig öffentliches Entsetzen ausgelöst.

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