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Kuddelmuddel um Schulförderverein

Keine Zeit, kein Interesse, kein Geld – was Eltern an anderen Schulen aufbringen, scheiterte an der Freitaler Lessing-Schule. Und nun?

Von Annett Heyse
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Der Förderverein der Lessing-Grundschule ist aufgelöst. Zuletzt hatte er nur noch knapp 20 Mitglieder. Ein neuer Vorsitzender fand sich nicht. Dennoch gibt es nun eine neue Initiative.
Der Förderverein der Lessing-Grundschule ist aufgelöst. Zuletzt hatte er nur noch knapp 20 Mitglieder. Ein neuer Vorsitzender fand sich nicht. Dennoch gibt es nun eine neue Initiative. © Andreas Weihs

Vor einigen Monaten unternahm Uta Tacke einen letzten Versuch. Sie schrieb einen Rundbrief an alle Eltern, deren Kinder in die Lessing-Grundschule gehen. „Meine eigenen Kinder studieren längst“, formulierte sie. Deshalb wolle sie endlich einen Nachfolger für die Leitung des Schulfördervereins finden. Doch es kamen keine Reaktionen. Als sich Ende November doch noch jemand bei Tacke meldete, war es zu spät: Die langjährige Vereinsvorsitzende hatte die Auflösung des Schulfördervereins in die Wege geleitet. Eine entsprechende Anzeige erfolgte kürzlich im Freitaler Amtsblatt.

In der Lessing-Grundschule herrscht dazu Ratlosigkeit und Schulterzucken. Irgendwie hatte man es wohl geahnt. Denn während in anderen Schulen die Mitgliederzahlen im Förderverein im hohen zweistelligen oder gar dreistelligen Bereich liegen, betrug sie im Falle der Potschappler Schule zuletzt gerade einmal um die zwanzig, darunter etliche Lehrer – und das bei knapp 200 Mädchen und Jungen, die dort lernen. „Die meisten Mitglieder standen nur noch auf dem Papier und zahlten ihren Beitrag von zwölf Euro im Jahr. Aktive Unterstützung bei Projekten und Veranstaltungen gab es kaum“, berichtet Uta Tacke. Letztendlich blieb die Vereinsarbeit meist an ihr und den Lehrern hängen.

Gedacht war das einmal anders, als sich der Verein 2007 gründete. Tacke war damals mit dabei und übernahm einige Zeit später die Vereinsführung. Sie machte weiter, als ihre Kinder längst aus dem Grundschulalter heraus waren. Es ging um personelle und materielle Unterstützung von Sportfesten, Kulturveranstaltungen, Wettbewerben. Der Schulförderverein finanzierte Zusatzmaterial für den Unterricht und erstellte DVDs von Festen. Doch wenn es darum ging, die Eltern neuer Schüler als Mitglieder zu gewinnen, tat man sich schwer. Zwar warben die Lehrer an Elternabenden mit entsprechenden Beitrittsformularen, aber es kam kaum eines zurück. Keine Zeit, kein Interesse, kein Geld – der Verein scheiterte.

Doch nun tut sich doch noch etwas. Dirk Helbig, Vater eines Zweitklässlers und selbst Lehrer von Beruf, will die Situation nicht hinnehmen. „Eltern, Lehrer und Schüler haben doch alle ein gemeinsames Ziel: eine schöne und möglichst erfolgreiche Schulzeit unserer Kinder“, sagt er. Mit einem Förderverein könnten die Eltern die Lehrer über den normalen Unterricht hinaus unterstützen. Dirk Helbig will daher einen Neuanfang initiieren. Gebraucht werden sieben Gründungsmitglieder und etwas Startkapital für die Bürokratie, die mit der Neugründung verbunden ist.

Als Erstes will Helbig mit der Schulleitung ins Gespräch kommen, um auszuloten, welche Vorstellungen die Lehrer mit einem Förderverein verbinden. Sicherlich werde es weiter um Preise zum Lesewettbewerb, Material für Bastelnachmittag und Ähnliches gehen, denkt Dirk Helbig. „Ich meine aber auch, so ein Förderverein kann mehr sein. Ich stelle mir ein aktives Bindeglied zwischen Kindern, Eltern und Lehrern vor.“ Deshalb hoffe er, viele Mitstreiter und Sponsoren zu finden, die nicht nur ihren Jahresbeitrag zahlen, sondern sich bei Projekten und Aktionen mit einbringen. Helbig: „Als im vergangenen Jahr der Projektzirkus gastierte und Väter für den Auf- und Abbau gesucht wurden, waren ganz viele mit dabei. Das zeigt doch, dass es geht. Ich glaube an das Potenzial.“