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Kühlschrank leer, Bauch auch

SZ-Mitarbeiter Manfred Müller lüftet sein Abnehmgeheimnis. Das ist wohl die wirksamste aller Diät-Methoden.

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Fast gähnende Leere herrscht im Kühlschrank von Manfred Müller. Die Versuchung wäre einfach zu groß, wenn leckere Sachen in greifbarer Nähe stehen.
Fast gähnende Leere herrscht im Kühlschrank von Manfred Müller. Die Versuchung wäre einfach zu groß, wenn leckere Sachen in greifbarer Nähe stehen. © Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

Die „Schallmauer“ von vier Kilogramm Gewichtsverlust ist durchbrochen. Dass es bei mir insgesamt richtig gut läuft, liegt nicht nur an strikten Diätmethode und den zusätzlich ins Programm aufgenommenen Radtouren. Ich hatte es bisher noch nicht erwähnt: Meine Frau zieht die Abnehm-Aktion mit mir zusammen durch.

Eigentlich war es sogar ihre Idee, nach Weihnachten mal ordentlich abzuspecken. Die partnerschaftlichen Bemühungen bringen gleich mehrere Vorteile. Zum einen will man sich der Angetrauten gegenüber natürlich nicht blamieren. 

Schummeln geht auch nicht, schließlich ist das Wiegeresultat jeden Morgen Thema beim gemeinsamen kargen Frühstück. Zum zweiten muss ich niemandem dabei zusehen, wie er lauter leckere Sachen verspachtelt, während ich einen großen Teller Blattsalat hineinwürge (ich beginne gerade, Blattsalat zu hassen). 

Und drittens herrscht in unserem Kühlschrank gähnende Leere, so dass ich keinerlei Versuchung ausgesetzt bin. Da hat es mein Mitstreiter Jörg, bei dem morgens und abends die Kinder mit am Tisch sitzen, ungleich schwerer.

Der familiären Diät-Partnerschaft wohnt auch eine tragische Komponente inne: Meine Frau befolgt Regeln noch eine Spur konsequenter, geht zweimal pro Woche ins Fitnessstudio, und trotzdem purzeln die Pfunde bei ihr nicht so wie bei mir. 

Aber wir stehen ja auch nicht im Wettbewerb, und dass es Frauen mit dem Abnehmen schwerer haben als Männer, ist keine ganz neue Erkenntnis. Da schießt einfach die Biologie quer. Was – historisch betrachtet – durchaus sinnvoll war. Hätten unsere Vorfahrinnen in guten Zeiten nicht ein Pölsterchen für spätere Hungerwochen angelegt und festgehalten, gäbe es uns wahrscheinlich gar nicht.

Von Jörg Richter

Aha, ich wusste doch, dass Manfred mit harten Bandagen arbeitet. Unser Kühlschrank zuhause ist alles andere als leer. Schon der Blick hinein erweist sich als tägliche Versuchung. Manchmal habe ich sogar den Verdacht, unser Kühlschrank ist voller als vor meiner Diät. Oder ist es eine Fata Morgana?

Nein, ich bin noch bei vollem Bewusstsein. Und die junge Frau in meiner App schmiert mir mein Versagen noch genüsslich auf die Bemme: „Seit sieben Tagen hat sich dein Gewicht nicht geändert.“ Na, prima. Zum dritten Mal in den zurückliegenden anderthalb Wochen habe ich die 96-Kilo-Marke erreicht. Mein Gewichtsdiagramm sieht aus wie die Dax-Kurve an der Frankfurter Börse: Mal geht’s runter, dann wieder rauf. Wenigstens stimmt der Trend: abwärts.

100 Gramm habe ich am Vortag verloren. Besser als nichts. Dass ich abends die Schnittenreste meiner Kinder esse, versaut mir regelmäßig die gute Bilanz. Da müsste ich konsequenter sein. Aber man soll ja kein Essen wegwerfen. Wegen der Kinder in Afrika, die Hunger leiden, oder so.

Schon verrückt unsere Welt. Womit wir uns im reichen Deutschland so rumschlagen? Wir mühen uns, schlank zu werden, aber bessere Menschen werden wir dadurch auch nicht.