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Kulturmeile statt Ballermann-Party

Der Stadtrat diskutiert über die Zukunft des Windbergfestes. Es soll umziehen und zur Bühne für lokale Künstler werden.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Zum Höhepunkt spielte Tim Toupet. Der Sänger, der vor allem auf dem Ballermann seine Fans begeistert, war der Stargast des Windbergfestes im vergangenen September. „Du hast die Haare schön“, „Ich bin ein Döner“ und „Fliegerlied“ – so heißen seine Hits. Für Uwe Jonas, der für die Freien Wählen im Stadtrat sitzt, ist das ein Beispiel für den Verfall des größten Festes in Freital. „Das ist 5. Klasse Ballermann“, sagt Jonas. „Wir kennen leider viele, die unter anderem deswegen nicht mehr auf das Fest gehen.“ Zusammen mit seinen drei Fraktionskollegen will er eine Diskussion über die Zukunft des Windbergfestes starten. Das Ziel: Bis zum kommenden Jahr soll das Fest völlig umgestaltet werden. Jonas, der selbst für eine Veranstaltungsfirma arbeitet und als Selbstständiger Gastronomie- und Eventkonzepte erstellt, will das Fest wieder zu einem echten Stadtfest machen. Er und seine Fraktionskollegen bemängeln, dass zu wenige Freitaler Händler, Gastronomen und Künstler an dem Windbergfest beteiligt sind. Das liegt nach Ansicht der Stadträte zum einen am Veranstaltungsort und zum anderen an der Organisation des Festes.

Die Stadt Freital kümmert sich als offizieller Veranstalter der Party um das Programm im Festzelt, also zum Beispiel um die Buchung von Künstlern wie Tim Toupet, um die Werbung für das Fest und um die Sicherheit und Ordnung. Die Organisation des Rummels hat die Stadt an den Schausteller Armand Müller-Milano vergeben. Um die Getränke kümmert sich die Stadttochter Technische Werke Freital, die unter anderem das Hains betreibt. Dafür hat die Stadt Verträge abgeschlossen.

Festmeile geplant

Ausgaben von 81 000 Euro plant die Stadt für das Windbergfest in diesem Jahr. Dem gegenüber stehen Einnahmen von voraussichtlich 31 150 Euro. „Die Verträge müssen angepasst werden“, sagt nun Jonas. Die Freien Wähler wollen das Windbergfest von dem Platz des Friedens an der Burgker Straße auf die Dresdner Straße verlegen. Laut Jonas sei der Platz des Friedens für die Veranstaltung sowieso nur schlecht geeignet. Garderoben und Toiletten müssten vom Veranstalter immer erst aufgebaut werden. „Dann kann man doch mit dem Windbergfest auch gleich auf die Dresdner Straße gehen.“

Geplant ist eine Festmeile von der Ecke Dresdner Straße/Poisentalstraße bis zum Restaurant Goldener Löwe. Der Autoverkehr könnte an dem Festwochenende über die Umgehungsstraße umgeleitet werden. Entlang der Dresdner Straße soll es, so der Vorschlag der Freien Wähler, mehrere Bühnen geben. Die Restaurants und Kneipen an der Strecke könnten sich mit eigenen Angeboten an dem Fest beteiligen.Einen Rummel soll es auch künftig geben, aber nicht mehr auf dem Platz des Friedens, sondern zum Beispiel auf dem Neumarkt. Auf den Bühnen spielen sollen künftig mehr regionale Künstler, aber auch Spitzenmusiker.

Jonas hat auch schon eine Idee, wie diese nach Freital gelockt und vor allem bezahlt werden können. Aus der Schweiz kennt er ein System, bei dem an Festivalbesucher Anstecker verkauft werden. Nur wer einen solchen Anstecker hat, kann an den Getränke- und Essensständen etwas kaufen. „Das hätte den Vorteil, dass der Veranstalter immer ungefähr weiß, wie viele Menschen unterwegs sind“, so Jonas. „Man müsste das Festgelände aber nicht umständlich und teuer absperren, um an einzelnen Toren Eintritt verlangen zu können.“ Zum anderen könnte man dadurch zusätzliche Einnahmen generieren, etwa 10 000 Euro. „Mit dem Geld könnte man das Windbergfest aufwerten“, so Jonas.

Laufende Verträge noch strittig

Ob sich die Ideen so umsetzen lassen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Um das Konzept des Windbergfestes zu ändern, braucht es eine Mehrheit im Stadtrat. Fraglich ist außerdem noch, ob sich die laufenden Verträge mit dem Schausteller Müller-Milano einfach verändern lassen. Nach Recherchen der Freien Wähler wurden sie erst im vergangenen Jahr für fünf weitere Jahre verlängert. Noch in diesem Jahr, so die Hoffnung der Fraktion, könnte man das Anstecker-System testen. Für das Windbergfest 2017 sollen die Veränderungen dann umgesetzt werden.

Die Chancen für ein neues Windbergfest stehen aber nicht schlecht. Zuletzt hat bereits die CDU angekündigt, über die Organisation der Veranstaltung diskutieren zu wollen. Der stärksten Fraktion im Stadtrat geht es vor allem um die Kosten, die für die Stadt dabei um ein Vielfaches höher sind als zum Beispiel beim ähnlich beliebten Pesterwitzer Herbst- und Weinfest. Die CDU will deshalb auch über eine Privatisierung des Windbergfestes nachdenken. Das zumindest können sich aber die Freien Wähler nicht vorstellen. „Das sollte ein Fest von Freitalern für Freitaler sein“, sagt Jonas. „An einer Privatisierung haben wir kein Interesse.