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Schule verbietet Marke Thor Steinar

Seit Donnerstag sind Klamotten mit Thor-Steinar-Schriftzug in der Kupferbergschule Großenhain verboten. Das wirft Fragen auf.

© picture alliance / dpa

Von B. Ulbricht und K.-D. Brühl

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Großenhain. Am Mittwoch laufen uns die Jungs zufällig über den Weg. Sie sprechen uns an: „Sie sind doch von der Zeitung? Wissen Sie, bei uns an der Kupferbergschule sind ab morgen Thor-Steinar-Klamotten verboten, und wir finden das ungerecht. Wenn andere mit linken Klamotten kommen, stört das niemanden.“ Wir sind verblüfft.

Zwar gibt es bereits Schulen und Universitäten, die solch ein Verbot ausgesprochen haben, und sogar im Deutschen Bundestag ist es Besuchern, Mitarbeitern und Abgeordneten verboten, mit dem Schriftzug Thor-Steinar herumzulaufen – doch nun ist die Frage des sanktionierten Dresscode tatsächlich in der Provinz angekommen. Die Kupferbergschule macht ernst und will in den nächsten Tagen eine Liste mit verbotenen Kleidungsmarken aushängen. Das Verbot werde in die Schulordnung aufgenommen, wurden die Jugendlichen belehrt. Die Jugendlichen wollen es darauf ankommen lassen. Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Es gälten nicht für alle Gruppierungen gleiche Maßstäbe.

Lehrer beurteilen Marken

Ob die Schulleitung sie wirklich nach Hause schickt? Die Schulleitung hat darauf verzichtet, erfahren wir am Donnerstag. Einige haben einfach einen anderen Pullover über den Schriftzug drübergezogen, andere nicht einmal das. Wieder wurde belehrt und mit Sanktionen gedroht.

Tatsächlich kann eine Schule in der Hausordnung solche Verbote festlegen, allerdings muss dem die Schulkonferenz – bestehend aus Lehrern, Eltern und Schülern – zustimmen. Geschieht das einvernehmlich, ist die Angelegenheit klar. Wenn nicht, liegt die Sache anders, denn nur wenige Marken wie „Consdaple“– wegen des Kürzels NSDAP, sind als verfassungsfeindlich eingestuft und verboten. Aber Thor Steinar, Lonsdale oder Fred Perry sind es nicht. Ein Großenhainer, der selbst mit Szeneklamotten handelt, rät deshalb, sich eingängig mit solchen Marken zu befassen. Sonst könne man sich schnell unglaubwürdig machen. Die Marke Thor Steinar zum Beispiel wurde vor gut vier Jahren von ihrem rechten Gründer an eine Consulting-Firma verkauft – in Dubai. „Echte Nazis tragen das deshalb auch nicht mehr“, erzählt der Großenhainer. Auch mit der Marke „Londsdale“, ursprünglich von einem boxsportbegeisterten britischen Adligen auf den Markt gebracht, dürfte man in harten rechten Kreisen wohl anecken – der deutsche Lizenznehmer, die Punch GmbH aus Neuss, arbeitet seit dem Ende der 1990er Jahre gegen das Image als „Nazimarke“ und gegen unerwünschte Kunden an: In Werbekampagnen wurde unter dem Motto „Londsdale Loves All Colours“ bewusst mit Models unterschiedlicher ethnischer Herkunft geworben und rechtsextremistische Händler nicht mehr beliefert. Nach Unternehmensangaben sank hierdurch der Umsatz in Sachsen um 75 Prozent. Und Fred Perry? Die Firma gehört einem bekannten jüdischen Tennisspieler! Ob Wikinger-Kult oder irgendeine Szeneband – für Lehrer wie Eltern ist es schwer, zwischen modisch und nicht mehr tragbar zu entscheiden.

Da macht die linke Szene eine Ausnahme. Auch deren Anhänger geben sich zunehmend mit Band-Marken aus der linken Szene oder entsprechenden Schriftzügen zu erkennen – Nazi-Hunter oder Antifa-Streetware zum Beispiel. Die SZ versuchte mehrfach, auch Schulleiterin Manuela Fuchs zu erreichen und in Erfahrung zu bringen, welche Kleidermarken noch auf der Verbotsliste stehen. Leider hat die Schule nur den Anrufbeantworter eingeschaltet.

Hausordnung wird diskutiert

Die neue Hausordnung wird so oder so für einige Diskussionen sorgen. Das ist vielleicht das einzige Ergebnis dieses Verbots. Denn wie jemand denkt, lässt sich eben doch nicht so einfach stigmatisieren und schon gar nicht verbieten.

Schulleiter Axel Hackenberg von der Schachtschule ist mit Verboten deshalb auch äußerst vorsichtig. „Bei uns gibt es derzeit keinen Grund zu solch einem Schritt“, sagte er gestern am Telefon. Allerdings rede er schon mal mit dem ein oder anderen Schüler, notfalls auch mit den Eltern, zum Beispiel auch, wenn Mädchen zu freizügig angezogen sind. Im persönlichen Gespräch erreiche man mehr als mit Verboten, ist er überzeugt.