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Agrarbetrieb investiert

In Putzkau sollen zwei neue Getreidesilos entstehen. Die Vorbereitungen laufen.

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© Steffen Unger

Ingolf Reinsch

Putzkau. Der Preis für Roggen ist für Marco Birnstengel eine Größe, die zeigt, wie es den Bauern in der Feldwirtschaft geht. Aktuell wird die Tonne auf den Märkten mit 100 Euro gehandelt. Im Herbst waren es noch 135 Euro. Bei den Böden rund um Putzkau müssten es 150 Euro sein, damit sich die Sache für den Agrarbetrieb lohnt. Trotzdem will Marco Birnstengel, Geschäftsführer der beiden Schwestergesellschaften Landbewirtschaftung Wesenitztal und der Putzkauer Milch GmbH, investieren. Er plant den Bau von zwei Getreidesilos. „Wirtschaftlich ist die Investition sinnvoll“, sagt er. Doch ob er sie im richtigen Moment realisiert, ist eine Frage, die er sich selbst stellt. Er kennt die Lage der Landwirtschaft – und die Bauern-Proteste gegen die Agrarpolitik. Auch der Putzkauer Betrieb wird an diesem Donnerstag einen Traktor zur Demo zum Dresdner Landtag schicken.

Jedes der beiden geplanten Silos wird elf Meter hoch sein und jeweils 1 000 Tonnen Getreide fassen. Ehe die Anlagen voraussichtlich im nächsten Jahr montiert werden, muss auf dem Betriebsgelände das Umfeld vorbereitet werden. Dazu gehört, das Gelände zu profilieren, Entwässerungssysteme fürs Niederschlagswasser zu bauen und die Wege so herzustellen, dass große Laster problemlos die Silos erreichen und dort auch wenden können. Die Putzkauer Landwirte verkaufen ihr Getreide an Großhändler. Die vermarkten es weltweit. Aus dem Lager wird das Getreide entweder zu einer Mühle oder zum Rostocker Überseehafen gefahren. Rund 500 000 Euro wird der Betrieb für die neuen Anlagen ausgeben. Ein Teil der Ernte 2017 könnte dort schon eingelagert werden, so das „optimistische Ziel“. Fallen die Getreidepreise weiter, müsste der Landwirt die Investition hingegen verschieben.

Anlage hat sich amortisiert

Der Putzkauer Betrieb besitzt bereits ein Getreidelager in Schmölln. Eine große Lagerhalle wurde dafür schon vor über 20 Jahren umgebaut, Trocknungsanlage inklusive. Inzwischen hat sich die Anlage amortisiert. Aufgrund der besseren Verkehrslage fiel die Entscheidung über den Neubau zugunsten des Standortes Putzkau. Der hat durch die Bischofswerdaer Umgehungsstraße gewonnen, sagt Marco Birnstengel. Hinzu kommen die Lage am Ortsrand und relativ breite Straßen. In Schmölln sind die Straßen schmaler und teilweise zugeparkt. Mit Landtechnik durchzukommen, sei da mitunter schwer. Trotzdem schreibt der Betrieb den Standtort Schmölln nicht ab. Die Lagerflächen dort werden weiter genutzt, auch aufgrund der Trocknungsanlage für nasses Getreide. Nur: Künftig werden die Landbewirtschaftung Wesenitztal und der Putzkauer Milch GmbH in Schmölln weniger Getreide einlagern. Ein Teil der Flächen könnte künftig auch zur Lagerung von Düngemitteln genutzt werden, stellt der Geschäftsführer in Aussicht.

Noch rationeller arbeiten

In schlechten Zeiten zu investieren, erfordert von einem Unternehmer Mut. Es gab Zeiten, da ging es den Landwirten wirtschaftlich noch schlechter als jetzt. „Auch damals haben wir investiert“, sagt Marco Birnstengel. Im Grunde hat er keine Wahl, um „im Hochlohnland Deutschland“ bestehen zu können. Nicht der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde sei das Problem, sagt der Landwirt. Sondern die Vorschriften zur Arbeitszeit, die seit Einführung des Mindestlohnes streng kontrolliert werden. Will der Betrieb, der außer dem Chef vier feste Mitarbeiter und zwei Saisonkräfte beschäftigt, eine Zukunft haben, muss er noch rationeller als bisher arbeiten. Auf dem Feld sieht Marco Birnstengel die Möglichkeiten ausgereizt. Also muss die Lagerwirtschaft effizienter werden. Etwa eine Stunde dauert es in Schmölln, einen Lkw mit Getreide zu beladen. In den künftigen Putzkauer Silos wird das nur noch 20 Minuten dauern.

Neu auf dem Putzkauer Betriebsgelände ist seit einigen Wochen eine Grüngutkompostierung für die Bürger. Auch dafür musste der Betrieb investieren und aufwendige Genehmigungsverfahren durchlaufen. Bisher nahm er nur organischen Dünger von Landeigentümern an, die ihre Flächen an den Betrieb verpachten. Nun darf jeder kommen. Für den angefangenen Kubikmeter zahlt man zwei Euro. Angenommen werden Abfälle, wie zum Beispiel Grasmahd, Pflanzenreste, Laub und Sägespäne, jedoch nicht Äste, Baum- und Heckenverschnitt.

Grüngutannahme in Putzkau, Schmöllner Straße 13: Mo./So. 15-18 Uhr; Sa. 9-12 Uhr