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Landwirtschaftsbetriebe kämpfen ums Überleben

Die Landwirte rechnen in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Ernte. Dennoch haben sie große Sorgen. Die Preise für ihre Produkte sinken drastisch.

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© Symbolbild/Claudia Hübschmann

Radeburg. Seitens der Erträge erwarten Sachsens Landwirte keine so starke regionale Differenzierung wie im Vorjahr. So werden auf den leichten Standorten mindestens Erträge im langjährigen Mittel erwartet, auf den übrigen Standorten rechnen die Bauern mit 90 Prozent des Vorjahresertrages. Bezogen auf den langjährigen Durchschnitt wird eine durchschnittliche bis gute Ernte erwartet. Dies sagten Wolfgang Vogel, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes e.V. (SLB), und Thomas Schmidt, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), bei einem „Erntefrühstück am Feldrand“ in der Agrargenossenschaft Radeburg.

Das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2015/16 sei von einer regional sehr differenzierten Wetterlage geprägt gewesen. Ein kühles und feuchtes Frühjahr führte insbesondere für das Sommergetreide, wie Sommergerste, Sommerweizen, aber auch bei Kartoffeln und Mais zu schwierigen Bedingungen beim Feldaufgang. Die Monate Mai und Juni waren durch zahlreiche unwetterartige Niederschlagsereignisse gekennzeichnet, vereinzelt trat auch Hagelschlag auf.

Die Qualitäten bei der Wintergerste lassen auf mittlere bis gute Ergebnisse hoffen. Dennoch gab es regional durch die hohen Temperaturen und die meist unwetterartigen Starkniederschläge einen erhöhten Krankheitsdruck und es kam zum Auftreten von Lagergetreide. Beim Raps kann gegenwärtig noch keine klare Aussage getroffen werden, da sich die Bestände sehr unterschiedlich zeigen.

Mit banger Sorge sehen die Landwirte gegenwärtig die Preisentwicklungen an den Agrarmärkten. Das Preisniveau beim Getreide und den Ölsaaten liegt zum Erntestart deutlich unter dem Vorjahresniveau. Politische Ereignisse, wie der „Brexit“, aber auch die weltweiten „Wetterlagen“ haben deutliche Spuren bei den Preisen für Agrarrohstoffe hinterlassen. „Wir brauchen dringend höhere Preise in allen Sparten, um das wirtschaftliche Überleben der Landwirtschaftsbetriebe zu sichern“, so Bauernpräsident Wolfgang Vogel.

Aber wichtiger denn je sei es auch, die Ernte in die Scheune zu bringen, denn erst am Ende werde abgerechnet. „Hier benötigen wir in den kommenden Erntewochen trockenes und warmes Wetter, um eine zügige Abreife des Getreidekorns zu erzielen“, so Vogel.

Die sächsischen Landwirte bearbeiten rund 710 000 Hektar Ackerland. Davon entfallen 385 800 Hektar auf den Getreideanbau, 13 100 Hektar auf Hülsenfrüchte, 17 300 Hektar auf Hackfrüchte sowie 131 200 Hektar auf Winterraps, Rüben und Gräser. (SZ)