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Händler zieht sich zurück

Mit Läden in Pulsen und Wülknitz erhält Familie Markant seit Jahren die Nahversorgung aufrecht. Aber nicht mehr lange.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Elbe-Röder-Region. Christine Markant wollte gar nicht viel Aufhebens machen. Aber wenn der einzige Einkaufsmarkt im Dorf seine Schließung ankündigt, dann entsteht Aufregung ganz von selbst. So geschehen in Pulsen, wo die Markants seit 2009 den Einkaufsladen an der Langen Straße betreiben.

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In den Markant-Einkaufsmärkten Wülknitz ... © Eric Weser
... und Pulsen besorgen sich vor allem ältere Anwohner Waren für den täglichen Bedarf. © Eric Weser
Im Glaubitzer Getränkemarkt gibt es vor allem Erfrischendes. © Eric Weser

Zum Jahresende 2017 hatte Christine Markant das Geschäft eigentlich schließen wollen. Weil es einfach zu viel geworden war, wie sie sagt. Ihr Mann sei voriges Jahr schwer erkrankt, erzählt die Geschäftsfrau. Nachdem Christine Markant und ihr Mann seit der Wende zusammen ihr Familienunternehmen geführt hatten, stand sie plötzlich allein da. Mit Verantwortung für eine Handvoll Mitarbeiter, zwei Lebensmittelläden in Pulsen und Wülknitz, den Getränkeladen in Glaubitz und den Getränkegroßhandel.

Wie viele andere war das Ehepaar zur Wendezeit ins Unternehmerdasein gestartet. „Ich wollte aus meinem Beruf eigentlich gar nicht raus“, sagt Christine Markant, die im Riesaer Stahlwerk als EDV-Fachkraft ausgebildet wurde und dann im Rohrwerk Zeithain gearbeitet hatte. „Aber mein Mann wollte selbstständig sein.“ Um ihn bei seinem Getränkehandel zu unterstützen, zog sie mit. Später kamen Lebensmittelläden dazu, zuerst in Koselitz.

Dieses Geschäft gibt es schon ein paar Jahre nicht mehr, nur noch das Schild an der Hausfassade. Was hingegen nach wie vor existiert, sind die Markant-Lebensmittelläden in Wülknitz und Pulsen. Eigentlich einer zu viel, sagt Christine Markant, die viel selbst im Geschäft steht. „Um Lohnkosten zu sparen.“ Der 2015 eingeführte Mindestlohn sei für sie eine enorme Belastung. Christine Markant würde auch noch Stunden im Pulsener Geschäft machen. „Aber zerteilen kann ich mich nicht.“

Ihr Vorhaben, Pulsen schon Ende 2017 zu schließen, hat Christine Markant aufgegeben. Weil sie aus dem Mietvertrag nicht so einfach rausgekommen sei. Mit Hilfe ihrer dortigen Angestellten – beide im Rentenalter – läuft alles noch eine Weile. Ende 2018 soll aber Schluss sein. Für viele, gerade Ältere in Pulsen, war die Verlängerung des Angebots eine gute Nachricht. „Es haben Leute geweint vor Freude.“

Den Laden übers Jahresende hinaus vielleicht doch noch weiter zu betreiben, schließt die Unternehmerin aber aus. Die Anfang-Sechzigjährige steht selbst kurz vorm Renteneintritt. Sie hat 45 Arbeitsjahre hinter sich – und will zur Ruhe kommen. „Mein Körper fängt auch langsam an zu streiken.“ Für den Getränkeladen und Großhandel gebe es einen möglichen Nachfolger. Es sei aber keins ihrer Kinder. Die 40 und 36 Jahre alten Söhne gehen andere berufliche Wege. „Unser Großer hat schon früh gesagt, er hilft uns gern, aber übernehmen will er es nicht.“

Für Pulsen hätte die Unternehmerin gerne einen Nachfolger gefunden, hatte auch danach gesucht. Aber es fand sich niemand. Was Christine Markant durchaus versteht. Viel Arbeit, kaum Zeit fürs Privatleben, wenig Urlaub – darauf muss sich gefasst machen, wer so ein Geschäft übernimmt, das weiß sie aus eigenem Erleben. Auf der anderen Seite mache es aber auch Spaß, im Laden zu stehen, so die Unternehmerin, die wie ihre Mitarbeiter sichtlich gern mit den Leuten umgeht, einen Schwatz mit Kunden macht und auch mal unter die Arme greift, wenn’s nötig ist.

Wie es mit dem Wülknitzer Geschäft weitergeht, das die Markants 2005 gekauft haben, weiß die Chefin noch nicht genau. „Natürlich kommt die Frage nach Pulsen auf.“ Sie werde versuchen, sich rauszuziehen, sagt Christine Markant. Bis es so weit ist, dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.