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Leiharbeit kommt aus der Mode

In Sachsen gibt es immer mehr zu tun, aber die Personaldienstleister schrumpfen. Nachdem die Branche 2011 ihre Hochphase hatte, nimmt die Zahl der Berufstätigen mit Leiharbeitsverträgen deutlich ab.

© dpa

Von Georg Moeritz

Dresden. Jahrelang waren sie Wachstumsbringer und Buhmann zugleich: Leiharbeitsfirmen haben nach der Hartz-Reform vor allem in Sachsen und Thüringen kräftig zugelegt. Doch nun bröckelt die Branche: Seit dem Höchststand im Herbst 2011 ist die Zahl der Leiharbeiter in Sachsen um mehr als 5.000 geschrumpft, obwohl von Jahr zu Jahr mehr Menschen Arbeit fanden.

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Nach jüngsten Zahlen vom November 2013 sind 46.800 Menschen in Sachsen Leiharbeiter. Auch die Zahl der Verleihfirmen ist kleiner geworden: Von 700 blieben 672. Den Rückgang spürt auch der Sachse Uwe Schickor, Vorstandsmitglied im Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister. Seine Dresdner Firma Schickor Personaldienstleistungs GmbH hat fünf Niederlassungen und 160 Mitarbeiter – es waren mal 250, und seine Berliner Filiale hat Schickor geschlossen. Die Nachfrage sei „nicht mehr ganz so groß“, sagt Schickor, und Personal sei schwer zu finden. Die besten Mitarbeiter würden irgendwann von den Entleihfirmen fest übernommen.

Sachsens Autofabriken haben in den vergangenen Jahren nach Kritik Hunderte Leiharbeiter fest eingestellt, zur Freude des Leipziger IG-Metall-Chefs Bernd Kruppa. VW Sachsen hat angekündigt, bis Mai 64 bisherige Leiharbeiter einzustellen, bundesweit übernimmt VW 1.100. Kruppa erwartet allerdings, dass die Zuliefer-Betriebe weiter auf flexible Leiharbeit setzen.

In den Metallbetrieben haben die Leiharbeiter vor einem Jahr mehr Rechte bekommen: Nach neun Monaten im Werk erhalten sie 50 Prozent Zuschlag zum Tariflohn, in der Papierindustrie sind es 20 Prozent. Der Mindestlohn beträgt 7,86 Euro pro Stunde. In Westdeutschland sind es jetzt schon 8,50 Euro, im Osten steht dieser Betrag für 2016 im Tarifvertrag. Jeder zweite Leiharbeiter gilt lediglich als „Helfer“.

Nach Ansicht der sächsischen Arbeitsagentur-Chefin Jutta Cordt bietet Leiharbeit „gute Jobchancen“ für Geringqualifizierte – allerdings auch hohe Entlassungsrisiken. In der ersten Hälfte vorigen Jahres fanden in Deutschland 449.000 Menschen eine Leiharbeitsstelle – und 484.000 verloren eine. Fast die Hälfte aller Verträge für Leiharbeiter hält keine drei Monate.

Dass die Branche nun schrumpft, trifft vor allem kleinere Firmen, heißt es beim Marktführer: Der Sachsen-Chef der Leiharbeitsfirma Randstad, Ralph Hahnel, spricht von „stabilem“ Geschäftsverlauf, nennt aber keine Zahlen. Hahnel arbeitet in einer Hochburg der Branche: In Sachsen sind 3,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Leiharbeiter. Es waren mal 3,6 Prozent. In Thüringen allerdings sind es noch etwas mehr, und den höchsten Anteil an Leiharbeitern haben nicht ostdeutsche Länder – sondern Bremen und Hamburg.