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Sicherer Reisen - auch auf eigene Faust

Immer mehr Urlauber buchen Flug und Unterkunft selbst. Doch das birgt einige Risiken. Wie Reisefreunde diese minimieren können.

Reisefreund Robert Hutzfeldt aus Leipzig zu coronabedingten Einschränkungen.
Reisefreund Robert Hutzfeldt aus Leipzig zu coronabedingten Einschränkungen. © Sebastian Willnow

Dresden. Robert Hutzfeldts Leidenschaft ist das Reisen. Vor der Pandemie flog der 34-Jährige aus Leipzig im Schnitt zweimal Langstrecke im Jahr und unternahm zwischendurch drei bis vier Kurztrips. Das ist seit Monaten nicht mehr möglich. Denn viele Länder haben ihre Grenzen für Urlauber geschlossen, ein großer Teil der Flüge fällt aus und in Deutschland oder Österreich dürfen Hotels für Touristen nicht öffnen. Trotzdem plant Hutzfeldt schon seine nächste Reise und will auch diesmal wieder alles selbst organisieren.

So wie der junge Mann buchen immer mehr Deutsche ihre Unterkünfte eigenständig. Im vergangenen Jahr waren es laut einer Befragung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen erstmals mehr als Pauschalreisende.

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In Pandemiezeiten ist das allerdings die riskantere Wahl. Denn es ist unsicher, ob, wann und wohin Reisen in diesem Jahr überhaupt möglich sein werden. Dementsprechend hoch ist die Gefahr, dass die geplante Reise am Ende nicht stattfinden kann. „Anbieter von Pauschalreisen informieren sich für ihre Kunden, wie und unter welchen Bedingungen Urlauber in das gewünschte Land ein- und ausreisen können“, sagt Michael Hummel, Justiziar der Verbraucherzentrale Sachsen. Zudem trage der Kunde bei einer Individualreise Risiken wie eine Pleite des Reiseanbieters oder der Fluglinie. Bei Pauschalreisen sei der Preis über den Veranstalter versichert, der das mit einem Sicherungsschein bei der Buchung nachweisen müsse.

Auf kurzfristige Stornierbarkeit achten

Robert Hutzfeldt möchte im Mai trotzdem individuell nach Teneriffa fliegen. „Zwei Hotels habe ich schon gebucht. Bei Anbieter Marriott kann ich bis einen Tag vor der Anreise kostenlos stornieren“, sagt er. Michael Hummel empfiehlt, neben einer kurzfristigen Stornierbarkeit auf eine möglichst geringe Anzahlung zu achten.

Um das Vertrauen der Urlauber wiederzugewinnen, kommen inzwischen viele Hotels und Anbieter von Unterkünften solchen Wünschen entgegen. Die Vermittlungsplattform Booking.com zum Beispiel wirbt mit kostenloser Stornierung. Doch was das konkret heißt, steht meist erst bei der Zimmerauswahl im Kleingedruckten und fällt unterschiedlich aus – kostenlos bis zwei Wochen, eine Woche oder einen Tag vor Reiseantritt. Wird man in der Zwischenzeit krank oder bei der Einreise positiv auf Corona getestet, bleibt man doch auf den Hotelkosten sitzen.

Und je großzügiger die Stornobedingungen, desto teurer die Unterkunft. So beispielsweise kostet bei Booking ein Zimmer vom 1. April bis 7. April auf Mallorca in einem 4-Sterne-Hotel knapp 100 Euro mehr, wenn es bis zum 30. März kostenlos stornierbar sein soll.

Flexibilität hat ihren Preis

Auch andere Anbieter wie Airbnb wollen Kunden durch flexiblere Stornomöglichkeiten locken. „Wir haben Gastgeber dazu ermutigt und einen Suchfilter eingeführt, mit dem Gäste nach Unterkünften mit kostenloser Stornierung bis 24 Stunden vor dem Check-in filtern können“, erklärt Sprecherin Kirstin MacLeod. Die Frage der SZ, wie sich durch die Pandemie Angebote und Preise auf der Plattform entwickelt haben, lässt Airbnb jedoch unbeantwortet. Laut der Nachrichtenagentur Reuters brachen beispielsweise in der Touristenhochburg Prag die Airbnb-Angebote von 14.500 auf weniger als 8.000 ein. Auch Booking.com gab keine Auskunft zu Preisentwicklung, Kundenschutz und den Hygienekonzepten der Hotels.

Der Leipziger Robert Hutzfeldt reist nicht zum ersten Mal unter Corona-Bedingungen. „2020 hat sich meine Familie sowohl auf unserer Reise nach Rom als auch bei unserem Trip mit dem Auto in die Toscana sehr sicher gefühlt“, sagt er. „Es hat uns beeindruckt, wie akribisch in Italien selbst in den kleinen Dörfern die Regeln gelebt wurden. Jeder hat aufeinander Rücksicht genommen.“ Doch angesichts derzeit wieder stark steigender Coronazahlen musste Italien gerade für große Teile des Landes den dritten Lockdown verkünden.

Phasenmodell für schrittweise Öffnung

In Deutschland sind die Hotels für Urlauber zwar noch geschlossen. Allerdings haben sie Konzepte entwickelt, die Kunden und Mitarbeiter vor einer Corona-Infektion schützen sollen. So hat die Dehoga Sachsen für ihre Betriebe detailliert für jeden Bereich Empfehlungen erarbeitet, die individuell angepasst werden können. Dazu gehört zum Beispiel, dass in Toiletten nur noch Einmalhandtücher verwendet und Heißlufttrockner nicht mehr betrieben werden. Türklinken, Lichtschalter und Handläufe an Treppen und in Aufzügen sind mehrfach täglich zu desinfizieren. Auf den Zimmern sollen so wenige Gegenstände wie möglich ausliegen. Menagen, Soßen und Dressings im Essbereich sind zum Einmalgebrauch gedacht. Und alle Mitarbeiter sollten täglich mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie frei von Covid-Symptomen sind.

Der Tourismusverband und die Dehoga Mecklenburg-Vorpommern haben bereits ein gemeinsames Phasenmodell für eine schrittweise Öffnung der Hotels und Gaststätten entwickelt. In den frühen Phasen sollen nur Reisen innerhalb des Bundeslandes möglich sein. Später dürfen dann auch andere deutsche Touristen in den Hotels nächtigen, wenn sie aus einer Region mit einer Inzidenz unter 50 kommen. In der letzen Phase ist eine komplette Öffnung vorgesehen. Genau terminieren freilich lässt sich das noch nicht.

Teller-Frühstück und Hygienekontrollen

Viele Hotels informieren ihre Kunden trotzdem schon auf ihrer Webseite über Hygienemaßnahmen vor Ort. In den B&B Hotels ist beispielsweise ein kontaktloser Check-in möglich. Als sicherere Alternative zum Frühstücksbuffet bieten einige Häuser der Kette ihren Gästen zudem ein Frühstück „to go“ an. Bei der Verpflegung gibt es sehr unterschiedliche Schutzkonzepte, wie sich schon voriges Jahr gezeigt hat. So wird in den a&o Hostels das Frühstück nach den Wünschen der Gäste auf einem Teller zusammengestellt. Die Tische haben mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander. Beide Hotelketten haben ihre Hygienekonzepte in Zusammenarbeit mit Labordiensten entwickeltet und lassen die Einhaltung regelmäßig von diesen überprüfen.

Auch Airbnb hat mittlerweile ein Hygienekonzept. „Alle Gäste und Gastgeber müssen den Covid-19 Sicherheitsbestimmungen von Airbnb zustimmen und diese befolgen. Dazu gehören das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das Einhalten des Mindestabstands sowie die Umsetzung des Reinigungsprotokolls“, so Sprecherin Kirstin MacLeod. Wie die Einhaltung dieser Regeln in den einzelnen Unterkünften überprüft wird, bleibt allerdings offen.

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Kostenfreier Online-Vortrag der Verbraucherzentrale Sachsen zu „Reisen in der Pandemie – Rechte und Pflichten“ am heutigen Dienstag, 17 Uhr. Anmeldung unter: www.verbraucherzentrale-sachsen.de/veranstaltungen

Alle Serienteile online: www.sz-link.de/reiseserie

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