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Leisnigs Alter Bahnhof ist leer gefegt

Das 150 Jahre alte Gebäude  wurde am Wochenende von Unrat befreit. Wie es nun weitergeht, ist weiter offen.

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Architektin Anne Rose Tisje hat mit einer Gruppe junger Leute den leerstehenden ehemaligen Bahnhof in Leisnig beräumt.
Architektin Anne Rose Tisje hat mit einer Gruppe junger Leute den leerstehenden ehemaligen Bahnhof in Leisnig beräumt. © Foto: Christian Kluge

Von Christian Kluge

Leisnig. Sechs junge Leute aus der Region und Architektin Anne Rose Tisje hatten sich am Sonnabend am denkmalgeschützten Bahnhof Leisnig getroffen, um das Gebäude von Unrat und kaputten Möbeln zu säubern. Die wenigen Stücke, die noch nicht von diversen Vandalen zerstört worden waren, landeten im Transporter vor dem Eingang, der Rest auf einem großen Haufen an einer Ecke der riesengroßen Immobilie, die seit einigen Jahren dem Schweizer Erwin Feurer gehört.

Doch warum hat Tisje, die aus Trier stammt und sich auch mit Denkmalpflege beschäftigt, nun diese Aktion in Leisnig gestartet? „Ich selbst habe hier eine Immobilie gekauft“, erzählt die Architektin, die in der alten Musikschule der Muldestadt Büroräume einrichten möchte. „Ich kenne Erwin Feurer schon lange sehr gut. Ich bin ja auch seine Architektin und wollte den Dreck hier im Bahnhof einfach mal wegmachen“, erklärte sie.

Tisje ist schon viel in Deutschland herumgekommen und hat dabei überall viel Leerstand gesehen. So auch in Leisnig und den umliegenden Dörfern. „Für die meisten alten Gebäude auf dem Land sehe ich allerdings schwarz“, sagt Tisje. „Aber hier in Leisnig kann man perspektivisch sicher einiges zum Positiven verändern“, ergänzt sie noch. Genau daran glaubt auch der Schweizer Erwin Feurer, der in den vergangenen Jahren mehrfach zutiefst enttäuscht davon war, wie mit seinem unbewohnten Besitz umgegangen wird.

Während die Architektin im Erdgeschoss nun also den Dreck zusammenfegt, sind ihre jungen Helfer im ersten Stock des 1 000 Quadratmeter großen Gebäudes mit der Zerlegung der Schrott-Möbel beschäftigt. Regelmäßig kracht dort der Vorschlaghammer in alte und kaputte Schränke oder Sofas, die anschließend aus dem Fenster geworfen werden.

Mit dabei ist auch die 19-jährige Viktoria Rennert, die sichebenfalls schon seit ein paar Jahren mit dem Leisniger Bahnhof beschäftigt. „Früher hatten wir mal die Idee, dort ein Jugendcafe einzurichten. Aber das wollte der Eigentümer nicht. Dann haben sich hier Jugendliche eingenistet und viel kaputt gemacht,“ berichtet sie.

Doch wer einmal durch das ganze Riesengebäude wandelt, dem wird schnell klar, dass die Renovierung dieser Immobilie mindestens einen siebenstelligen Eurobetrag kosten könnte. „Das Geld hat der Eigentümer nicht“, weiß Anne Rose Tisje. Was nicht unbedingt verwunderlich ist, denn Erwin Feurer gehört nicht nur der über 150 Jahre alte Bahnhof in Leisnig, sondern beispielsweise auch das Schloss Radibor bei Bautzen.

Wie es mit dem leerstehenden Gebäude nun weitergehen soll, ist unklar.