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Döbeln
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Lesen liegt im Trend

Die Buchhandlungen verschenken rund 1200 Bücher. Nicht nur damit sollen Kinder für das Lesen begeistert werden.

Von Cathrin Reichelt
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Bei der Schnitzeljagd in der Döbelner Buch-Oase gibt Klassenlehrerin Fleur Nöbel (rechts) Julie und Leon einen kleinen Tipp, der die Schüler zur richtigen Lösung führt.
Bei der Schnitzeljagd in der Döbelner Buch-Oase gibt Klassenlehrerin Fleur Nöbel (rechts) Julie und Leon einen kleinen Tipp, der die Schüler zur richtigen Lösung führt. © Lars Halbauer

Region Döbeln. Lisa Panke-Deutscher ist verblüfft. Zwei Jungs der vierten Klasse der Schlossbergschule haben die Schnitzeljagd in der Döbelner Buch-Oase schneller beendet als die Fünftklässler des Gymnasiums, und alle Aufgaben richtig gelöst.

Zwei Wochen lang haben in der Buchhandlung jeden Morgen Schüler Rätsel gelöst. Sie fanden Fehler in zwei augenscheinlich gleich aussehenden Bildern, ordneten Spuren den richtigen Tieren zu und ergänzten fehlende Buchstaben in einem Brief. Insgesamt gab es fünf Stationen, deren Themen sich alle auf das Buch „Der geheime Kontinent“ bezogen.

Das verschenken die Buchhandlungen in der Region Döbeln zum Welttag des Buches am 23. April an Mädchen und Jungen, die die vierte und fünfte Klasse besuchen. Allein die Buch-Oase hat 598 Bücher für Kinder in Döbelner, Leisniger, Roßweiner, Ostrauer und Mügelner Schulen erworben. Dierbooks in Waldheim stellt 366 Bücher für die Waldheimer und Frankenberger Schüler zur Verfügung. Von der Bücherstube Arnold in Hartha erhalten 175 Zehn- und Elfjährige aus Gersdorf und Hartha die Geschichte und von der Christlichen Buchhandlung Roßwein 50 Kinder der Grundschule der Stadt.

„Ein früher und zwangloser Zugang zum Buch erhöht später die Bildungschancen“, sagt die Döbelner Buchhändlerin Andrea Panke. „Wir beteiligen uns an der Aktion, weil die Abenteuer-Schnitzeljagd ein Riesenspaß für die Kinder ist und wir uns über jeden jungen Leser freuen.“ Entgegen der allgemeinen Meinung, dass andere Medien die Bücher verdrängen, sagt Lisa Panke-Deutscher: „Lesen liegt im Trend.“ Bei Kindern hänge die Begeisterung aber auch von deren Umfeld ab. Lesen die Eltern gern, übertrage sich das auf die Kinder. Allerdings stelle die Buchhändlerin auch bei solchen Aktionen wie zum Welttag des Buches fest, dass manche Kinder zwar die Buchstaben zu Worten zusammenziehen, aber gar nicht verstehen, was sie lesen. „Es ist aber wichtig, einen Kontext zu finden. Denn durch das Lesen verbessert sich auch die Ausdrucksweise“, meint Lisa Panke-Deutscher. Dem stimmt Katja Dierbeck von Dierbooks zu. Sie hat festgestellt, dass Kinder im Teeniealter auf Hörbücher umsteigen. „Aber auch bei denen müssen sie zuhören und sich konzentrieren. Das ist wichtig für die Schule“, meint sie. Viele junge Leute kämen später auf Bücher zurück, Mädchen mehr als Jungs.

Ein Film erzählt den Weg des Buches

Nach den Ferien wird Katja Dierbeck die Waldheimer Grundschüler besuchen und in einer Schulstunde das Geschichtenbuch vorstellen. Bei Stefanie Arnold können sich die Kinder beim Abholen der Bücher in der Harthaer Buchhandlung umschauen und Ute Lomtscher erzählt den Mädchen und Jungen, wie das Buch vom Hochregallager in die Buchhandlung kommt. Ein Film wird den Weg verdeutlichen. Außerdem können die Kinder in Roßwein nach dem Stöbern in den Regalen einen Wunschzettel schreiben. Danach seien in der Vergangenheit auch schon Eltern gekommen und hätten das Buch für ihr Kind gekauft.

Einen Rückgang des Interesses an Büchern können die Händlerinnen nicht erkennen. Im Gegenteil: „Die Leute lesen immer mehr“, sagt Lisa Panke-Deutscher. Für die Kinder würden vor allem vor Feiertagen wie Ostern, Weihnachten und zu Geburtstagen Bücher gekauft. Dabei sind bei den Mädchen nach wie vor Pferdegeschichten beliebt und bei den Jungs Abenteuer. „Und bei den Jungs kommt oft die Bitte, dass das Buch nicht zu dick sein soll“, sagt Lisa Panke-Deutscher schmunzelnd. Die Erwachsenen bevorzugen Krimis und historische Romane. „Bücher über gesunde Ernährung sowie für Körper und Geist sind zurzeit der Renner.“

Ein Sommerloch gibt es in dieser Branche kaum. Denn für den Urlaub gehen viele Taschenbücher über den Ladentisch. Positiv vermerkt die Döbelner Händlerin, dass oft Interessenten für ein Buch mit einem Ausdruck aus dem Internet zu ihr kommen und die Lektüre lieber in der Buchhandlung vor Ort kaufen wollen, „sonst gibt es bald keine kleinen Läden mehr“, so die Begründung. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass die Buchhandlungen die Möglichkeit haben, Bücher, die nicht vorrätig sind, zu bestellen. In der Regel sind sie am nächsten Tag da.

E-Books machen in allen Buchhandlungen einen ganz geringen Teil aus. Die würden vor allem von älteren Lesern genutzt, die sich die Schrift auf die passende Größe einstellen, und für die Urlaubslektüre. „Man kann E-Books nicht fühlen und riechen, man kann keine Eselsohren reinmachen und keine Notizen“, nennt Katja Dierbeck als Grund, weshalb echte Bücher nach wie vor beliebter sind als elektronische.