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Letze Ruhe unter der Buche

Im Herbst soll es die ersten Beisetzungen im Friedewald geben. Ab 450 Euro gibt es einen Platz unter der Baumwurzel.

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© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

Coswig/Moritzburg. Das Gras steht hoch, Äste liegen auf dem Boden, der teils von den Holzerntemaschinen zerfahren ist, geschotterte Wege und Wassergräben durchziehen den Wald. Wer hier seine letzte Ruhestätte sucht, der mag es rustikaler und naturnah. Es gibt keine geschnittenen Hecken und Blumenbeete, keine Rasenkanten und Grabsteine. Dafür auch keinen Pflegeaufwand und eine Ruhezeit von 99 Jahren.

Zumindest wenn man zu den Ersten gehört. Solange laufen die Verträge zwischen Stadt als Träger, Besitzer des Waldes, Rüdiger von Sachsen, und dem Betreiber, der Naturruhe Friedewald GmbH, deren Geschäftsführer Daniel von Sachsen ist.

Voraussichtlich im Herbst können im Mischwald am Kreyernweg auf Coswiger Gebiet am Rande von Radebeul die ersten Urnen bestattet werden. Rund 1 000 Euro zahlt, wer einen Baum für sich allein haben will, 450 Euro kostet es, wenn man ihn mit anderen teilt. Wer sich seine letzte Ruhestätte aussuchen will, kann bereits eine Runde durch den Wald drehen. In den vergangenen Wochen hat Daniel von Sachsen die ersten drei Hektar für die neue Nutzung vorbereitet, die Wege und Wasserrohre erneuert, Totholz gesammelt und ein bisschen Ordnung gemacht für die Besucher.

Jeder Baum hat eine Nummer bekommen. Die Koordinaten sind auf bis zu fünf Zentimeter genau gespeichert worden. So kann die Grabstelle auch in 100 Jahren noch gefunden werden – selbst wenn der Baum verschwunden sein sollte. Allerdings sollte das nicht passieren. Die Buchen, die die sogenannten Zielbäume sind, schaffen auch 200 Jahre.

Unter einen Baum passen maximal zwölf Urnen, die in einem Abstand von zwei bis drei Metern vom Stamm beigesetzt werden. Diese sind aus Holz und biologisch abbaubar. Kerzen, Grabschmuck oder Erinnerungsstücke sind verboten. Auch Blümchen oder andere Markierungen sind nicht gestattet. Trotzdem werden die Grabstätten nicht anonym bleiben. Abgewandt vom Weg werden auf einer Tafel am Baum Name und Lebensdaten des Verstorbenen angebracht. Auf Wunsch ist auch noch Platz für einen kleinen Spruch, so von Sachsen.

Mitten im Wald, auf einer kleinen Anhöhe entsteht die Andachtsstelle. Der Platz, etwas abseits vom Weg, bekommt Bänke und ein Rednerpult, vielleicht auch noch eine Skulptur. Die Beisetzung der Urne übernimmt zwar die Betreibergesellschaft, aber es können trotzdem Pfarrer oder Redner von Bestattungsunternehmen die Trauerrede halten. „Auch weltliche Redner sind willkommen. Wir sind für alle Konfessionen offen“, sagt von Sachsen, der auch im Namen der Naturruhe Friedewald GmbH Trauerredner anbieten will.

Auch wenn die Urnen unter den Baumwurzeln liegen, werden die Waldflächen weiter bewirtschaftet. Aber nicht mehr so intensiv, so von Sachsen. Das heißt, wenn ein Baum weg muss, kommt ein Forstarbeiter mit der Kettensäge, statt mit dem Harvester. „Die Holzernte steht dann nicht mehr im Vordergrund.“

Der Wald bleibt auch weiterhin für alle frei zugänglich. „Es wird nur einen Hinweis geben, dass es sich um einen Bestattungswald handelt und eine Karte aufgestellt“, erklärt der Forstwirt. Zur Wahrung der Totenruhe darf auf den Flächen jedoch nicht mehr gejagt werden. „Sollte es Probleme mit Schwarzwild geben, wird es rausgetrieben.“

Da sich jeder für den Bestattungswald entscheiden kann, egal, wo er wohnt, und der Coswiger erst der zweite in Sachsen ist, rechnet von Sachsen mit einem großen Einzugsgebiet. Auf bis zu 39 Hektar kann die Fläche noch erweitert werden, sollte der Bedarf bestehen.

Konkurrenz könnte es bald in der Nähe geben. In Oberau soll auf Teilen der Grundstücke der Prinz Lipp’schen Forstverwaltung ebenfalls ein Bestattungswald entstehen. Der Gemeinderat stimmte diesem Antrag zu. Nun muss das Landratsamt noch entscheiden. Da das öffentliche Bedürfnis nach einem Bestattungswald in der Umgebung nun ja aber gestillt sei, glaubt Coswigs Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) nicht, dass es eine Genehmigung dafür geben wird.