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Liebe, Lust und Katastrophen

© Steffen Unger

Die Burg Stolpen zeigt ihre erste Karikaturausstellung. Im Coseljahr geht es um Frau, Macht und Mann.

Von Anja Weber

Stolpen. Vor 300 Jahren wurde die Gräfin Cosel auf Burg Stolpen eingekerkert. Sie war Mätresse und vor allem eine starke Frau. Um starke Frauen, aber nicht nur um sie, geht es auch in der neuen Ausstellung auf Burg Stolpen. Es ist die erste Karikaturausstellung auf der Feste überhaupt. Diese Schau umfasst etwa 150 Werke von den namhaftesten deutschen Zeichnern des Genres. Organisiert und kuratiert wird die Schau von der Galerie Komische Meister Dresden, vertreten durch Mario Süßenguth und den Autoren und Journalisten Peter Ufer. „Das ewige Missverständnis zwischen starken Frauen und mächtigen Männern wird endlich mit viel Schärfe und Witz ins Bild gesetzt“, sagt dieser. Ob junge Liebe oder alte Ehe, Affäre oder Lebensabschnittspunkt, kaum etwas würde Cartoonisten und Karikaturisten von heute mehr Anlass für Schabernack und Satire bieten. Im Hintergrund schwingt das legendäre Schicksal der Gräfin Cosel. August der Starke schwamm nicht auf der Humorwelle der Cosel, auch ein Grund um sie nach Stolpen zu verbannen. Es sind insgesamt über 150 Karikaturen von 16 Künstlern aus ganz Deutschland zu sehen. Prominenteste Karikaturisten sind Til Mette und Beck, die unter anderem für den Stern zeichnen. Rudi Hurzmeier aus Bayern ist dabei, einer der bekanntesten und teuersten deutschen Karikaturisten. Außerdem mit dabei Mario Lars, inzwischen einer der Stammkarikaturisten der SZ.

Darunter auch bekannte Karikaturen wie die mit dem Titel „Ringe“ des Karikaturisten Beck … © Repro
… oder die „Domina“ von Barbara Henniger. © Steffen Unger

Regionale Künstler am Werk

Aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und dem Raum Dresden sind insgesamt vier Karikaturisten vertreten. So zum Beispiel Axel Bierwolf aus Pirna. Er zeichnet für Wettbewerbe, wie den Deutschen Karikaturenpreis und stellt nur gelegentlich aus. Nun gibt es auf Burg Stolpen die Chance, einige Werke von Axel Bierwolf zu betrachten. Sehenswert sind auch die Arbeiten von Lutz Richter. Er ging 1970 an die Porzellan-Manufaktur Meißen, lernte Porzellanmaler und studierte dann an der Bergakademie Freiberg. 1980 war er zurück in der Manufaktur und kletterte die Karriereleiter hinauf bis 2013 als Geschäftsführer. 2015 machte er sein Hobby zum Beruf und startet als freier Karikaturist neu. Alex Neumeister, ein weiterer regionaler Künstler, stammt aus Dresden. Seine Zeichnungen hängen längst in Wohnungen in Deutschland, England, Frankreich, der Schweiz, Japan und woanders. Seine Werke und Zeichnungen erschienen auch regelmäßig in Taschenbüchern. Einen Teil davon zeigt er auf Burg Stolpen.

Ähnlich wie Uwe Krumbiegel aus Hetzdorf im Tharandter Wald. Seit 2005 nimmt er regelmäßig an Ausstellung teil und stellt sich Wettbewerben. Im Jahr 2009 gewann er den zweiten Preis beim Internationalen Karikaturenwettbewerb „Stuttgart Award“, 2010 den dritten Platz im Deutschen Cartoonpreis und 2012 den zweiten Platz im Deutschen Karikaturenpreis in Dresden. Und wer sich im Karikaturengenre auskennt, kann sich auf ein Wiedersehen mit Werken von Reiner Schwalme und Barbara Henniger freuen. Und wer dann so viel Gefallen findet und eine solche Karikatur auch gern im heimischen Wohnzimmer hätte, der hat die Möglichkeit die eine oder andere auch zu kaufen.

Die Ausstellung selbst ist noch bis zum 7. August täglich von 10 bis 18 Uhr im Kornboden der Burg Stolpen zu sehen. Für alle, die nicht in den Urlaub fahren wollen, sondern hier bleiben, ist das damit auch ein Superferientipp. Im Coseljahr bietet die Burg Stolpen aber noch mehr. Der 300. Jahrestag ihrer Einkerkerung ist zwar eher ein trauriges Ereignis. Doch ohne dieses wäre die Burg Stolpen wohl nie so berühmt geworden, wie sie jetzt ist.

Im Sommerkino auf der Burg Stolpen wird es am 13. August 2016 spannend. Am authentischen Ort, im Burghof vor dem berühmten Coselturm der Burg Stolpen, werden die ersten beiden Teile „Gräfin Cosel“ des legendären sechsteiligen Filmepos „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ an das tragische Schicksal der einst so mächtigen Reichsgräfin erinnern. Die Serie aus den 1980er-Jahren war die aufwendigste Geschichtsproduktion des DDR-Fernsehens überhaupt und wurde größtenteils an Originalschauplätzen wie auch der Burg Stolpen aufgenommen. Besonders pikant im Film ist der Ausspruch der Cosel, als sie in der Stadt eintraf: „Dieses grausige Stolpen!“ Neben Sonderausstellung und Sommerkino gibt es vor allem im Juli thematische Sonderführungen zum Stolpener Coseljahr.