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Herrnhut bekommt ein Labyrinth

Nach dem Pädagogen Comenius sind Straßen und Schulen benannt, sogar eine Buchhandlung gibt es. Nun entsteht mitten im Kirchensaal ein Comenius-Irrgarten.

Pfarrer Peter Vogt zeigt den einzigen Bischof der Herrnhuter, der es auf einen Geldschein geschafft hat: Comenius. Ihm zu Ehren gibt es bald ein Labyrinth.
Pfarrer Peter Vogt zeigt den einzigen Bischof der Herrnhuter, der es auf einen Geldschein geschafft hat: Comenius. Ihm zu Ehren gibt es bald ein Labyrinth. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

In nur wenigen Wochen soll in Herrnhut ein Labyrinth entstehen. Mitten im Kirchensaal. Ein richtig begehbarer Irrgarten soll es werden, in dem sich am Ende aber hoffentlich keiner verläuft, sondern höchstens ein wenig nachdenklicher als zuvor herausfindet. Das wünscht sich zumindest Pfarrer Peter Vogt. Denn das Labyrinth soll an einen Menschen erinnern, dessen Konterfei viele vom Tschechien-Ausflug auf den 200-Kronen-Scheinen kennen und manche als Namensgeber für Schulen und Buchläden: Johann Amos Comenius. Sein Todestag jährt sich dieses Jahr zum 350. Mal. Doch der Pädagoge, Philosoph und Theologe sei so aktuell wie nie, betont Vogt.

Comenius hat zu Zeiten des 30-jährigen Krieges das Buch "Labyrinth der Welt und Paradies des Herzens" geschrieben, in dem er beschreibt, wie ein Pilger sich bei der Suche nach dem Weg zu Gott, nach dem richtigen Leben, ständig verirrt. "Viele Menschen wollen ihm helfen, aber er merkt erst nach und nach, dass er immer wieder von ihnen in die Irre geleitet wird", erzählt Vogt. Die Kritik an den Verfehlungen seiner Zeit lasse sich dabei gut auf heute übertragen, betont der Pfarrer: Dass hinter schönen Fassaden doch Not und Leid wohnten, dass manche nur dem Geld nachjagten und sich Fakten als Fake News herausstellten - das ist Thema damals wie heute. Und genau das soll in dem Labyrinth sichtbar werden.

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Zittauer Bühnenbildnerin entwirft Labyrinth

Gestaltet wird der auf- und abbaubare Irrgarten von Bühnenbildnerin Gretl Kautzsch, die 2016/17 die Ausstattungsleitung am Gerhart-Hauptmann-Theater inne hatte und vor allem in Zittau gewirkt hat. Ihr werden Schüler der Zinzendorf- und der Comenius-Schulen helfen. "Dazu wird es in der ersten Herbstferienwoche einen Workshop geben", erklärt Peter Vogt die Idee. Zu erleben sein wird das Labyrinth dann vom 9. bis 16. November im Kirchensaal. "Dort haben wir aktuell wegen der Bauarbeiten Möglichkeiten zu außergewöhnlichen Aktionen", freut sich der Pfarrer - und denkt dabei unter anderem an das Kirchensaal-Inline-Skaten vor einigen Monaten. 

Dieses Buch von Comenius, in dem er die Suche nach dem richtigen, gottgefälligen Leben schildert, ist der Anstoß für das Projekt.
Dieses Buch von Comenius, in dem er die Suche nach dem richtigen, gottgefälligen Leben schildert, ist der Anstoß für das Projekt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Das Projekt und damit das Gedenken an Comenius und an den Bildhauer und Kirchengestalter Friedrich Press wird von der EKD gefördert. Die Plakette dazu prangt nun am Kirchensaal.
Das Projekt und damit das Gedenken an Comenius und an den Bildhauer und Kirchengestalter Friedrich Press wird von der EKD gefördert. Die Plakette dazu prangt nun am Kirchensaal. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Der Schulleiter der Förderschule Johann Amos Comenius, Holger Böwing (rechts), singt mit Kollegen sein selbst verfasstes Lied über Comenius.
Der Schulleiter der Förderschule Johann Amos Comenius, Holger Böwing (rechts), singt mit Kollegen sein selbst verfasstes Lied über Comenius. © Anja Beutler
Die Bühnenbildnerin Gretl Kautzsch (links) hat schon für das Theater Zittau Welten erschaffen - hier entwirft sie mit Peter Vogt das Labyrinth für den Kirchensaal.
Die Bühnenbildnerin Gretl Kautzsch (links) hat schon für das Theater Zittau Welten erschaffen - hier entwirft sie mit Peter Vogt das Labyrinth für den Kirchensaal. © Brüdergemeine Herrnhut

Dass auch das Comenius-Gedenken nun eine Nummer größer ausfällt - eigentlich war nur geplant, ein Labyrinth auf den Boden zu malen und Gedenktafeln vorübergehend anzubringen - ist einem Zufall zu verdanken: Klaus-Martin Bresgott vom Kulturbüro der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) war von diesem künstlerischen Projekt für den Kirchensaal so begeistert, dass er die Idee unterstützen und mit dem Gedenken an einen anderen Mann kombinieren wird. Denn, obwohl der vor 30 Jahren verstorbene Bildhauer und Kirchenraumgestalter Friedrich Press zu Herrnhut keine so starke Verbindung wie Comenius hat, so ist er doch mit einer außergewöhnlichen Madonnen-Statue hier vertreten. "Sie befindet sich in der katholischen Kirche in Herrnhut", erklärt Bresgott.

Mit Bresgott kommt so nun eine finanzielle Unterstützung von rund 9.000 Euro für das Projekt daher - und eine spiegelblanke Plakette mit der Aufschrift "Land:Gut2020". Damit ist Herrnhut einer von bundesweit 20 Orten, die sich an dem vom Kulturbüro der EKD initiierten Programm mit einem Projekt beteiligen und dafür wesentlich durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert werden. Das Ziel von "Land:Gut2020" ist es, Unterschiede zwischen Stadt und Land durch kreative Teilhabe und eine kulturell inspirierende Gemeinschaft zu überwinden.

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