merken
PLUS Löbau

Wenn bei "Wasser Marsch!" nichts kommt

Weil die Sowag Leitungen erneuert, bekommt Kottmar ein ernstes Löschwasserproblem. Und auch in Löbau gibt's kritische Punkte.

Die Versorgung mit Löschwasser wird für die Feuerwehren zunehmend schwierig.
Die Versorgung mit Löschwasser wird für die Feuerwehren zunehmend schwierig. © Matthias Weber Archiv

Es wäre der schlimmste anzunehmende Fall: Eine Feuerwehr, die auf dem Trockenen sitzt, wenn's brennt. Der Gemeinde Kottmar aber droht ein akuter Löschwassermangel - und ohne erhebliche Fördermittel kann die Gemeinde das Problem nicht stemmen. Schuld daran ist nicht ein Wassermangel an sich, sondern ausgerechnet technische Neuerungen. Und auch Löbau hat an einigen Stellen in der Stadt gewisse Probleme.

Kottmars Bürgermeister Michael Görke (parteilos) sprach das drängende Problem bei der jüngsten Gemeinderatssitzung an: Schritt um Schritt verkleinert der Wasserversorger Sowag bei Bauarbeiten den Querschnitt der Trinkwasserleitungen - etwa entlang der B96 im Ortsteil Eibau sei das bereits geschehen. Das Ganze hat hygienische Gründe. In früheren Jahren war der Wasserbedarf etwa durch ansässige Industriebetriebe höher, die Wasserrohre dementsprechend ausgelegt. Weil der Wasserbedarf seitdem erheblich gesunken ist, droht das Trinkwasser in den nun zu groß dimensionierten Rohren zu lange zu stehen und zu verkeimen. Die für den Brandschutz unerwünschte Nebenwirkung dieser Maßnahmen: Die Hydranten für die Feuerwehr geben unter Umständen schlicht zu wenig Wasser für einen wirksamen Löschangriff her. Auch natürliche Wasserläufe bilden oft keine ausreichende Ressource für Löschwasser mehr, weil sie - ebenfalls wegen der nicht mehr vorhandenen Industriebetriebe - weniger (Ab-)Wasser führen.

Anzeige
Hier werden Azubis gesucht!
Hier werden Azubis gesucht!

Die Schule neigt sich dem Ende und ihr habt keine Ahnung was ihr beruflich machen wollt? Diese Firmen haben freie Ausbildungsplätze.

Zisternen-Bau ist extrem teuer

"Mir nutzt das schönste Feuerwehrauto nichts, wenn ich kein Wasser habe", sagt Kottmars Gemeindewehrleiter Ralf Röhle. Die Feuerwehren der sieben Ortsteile verfügen zwar über Tanklöschfahrzeuge mit bis zu 4.000 Litern Fassungsvermögen - aber wirklich weit kommt man im Ernstfall damit nicht. "Bei einem Hausbrand rechnen wir im Durchschnitt mit einem Bedarf von 48.000 Litern Löschwasser über einen Zeitraum von zwei Stunden", erklärt der Wehrleiter - im Falle solcher Einsätze müssen eben ergiebigere Quellen herhalten als ein Tanklöschfahrzeug. Nach den Vorgaben des Brandschutzbedarfplans muss im Radius von 300 Metern von der Einsatzstelle eine Wasserquelle verfügbar sein. Längere Schlauchleitungen sind zwar machbar, aber aufwendig.

Lösen lässt sich das Löschwasserproblem in Kottmar nur durch einen im Brandschutzbedarfsplan empfohlenen Neubau von insgesamt 26 unterirdischen Zisternen mit einem Fassungsvermögen von je 100.000 Litern Wasser. Bis 2027 soll das passieren - das ist die Theorie. "Die Maßnahme kostet pro Zisterne mindestens 65.000 Euro", sagt Gemeindewehrleiter Ralf Röhle. Und das ist noch optimistisch geschätzt. "Nach Erfahrungen aus anderen Kommunen rechnen wir eher mit 100.000 Euro pro Zisterne. Ohne Fördermittel ist das nicht machbar", so Röhle.

Eine günstigere Möglichkeit, aber nicht ganz unproblematisch: Löschteiche. Davon gibt's in den Kottmarer Ortsteilen etwa 40, mit Wassermengen zwischen 100.000 und 800.000 Litern. "Wo die Situation mit der Löschwasserversorgung prekär ist, haben wir auch immer versucht, die Löschteiche zu pflegen", sagt Röhle. Viele dieser Teiche allerdings sind in Privatbesitz. Und die Eigentümer gestatten der Feuerwehr zwar im Ernstfall die Nutzung - unternehmen aber keine kostspieligen Aufwendungen, um solche Teiche für Löscheinsätze nutzbar zu halten. Verschlammung kann etwa zum Problem werden.

Auch Löbauer Teiche sanierungsbedürftig

Der Zustand von Löschteichen bildet auch in Löbau einen teils kritischen Punkt der Löschwasserversorgung - besonders in den dünner besiedelten und weit verstreuten Ortsteilen. "Grundsätzlich ist die Lage bei uns in Löbau und den Ortsteilen so, dass genug Hydranten zur Verfügung stehen, um im Ernstfall die Erstversorgung in Sachen Löschwasser sicherzustellen", informiert Stadtsprecher Marcus Scholz. Allerdings seien diese Hydranten keine klassischen "Feuerwehr-Hydranten", sondern „Spülwasser-Hydranten“ der Stadtwerke. "Je dünner ein Stadtteil besiedelt beziehungsweise bebaut ist, desto schwieriger wird die Sicherstellung der Löschwasserversorgung über das Trinkwassernetz. Daher sind anderweitige Reserven in Form von Teichen oder Zisternen unabdingbar", so Scholz weiter.

Der Löbauer Brandschutzbedarfsplan führt 53 solcher Teiche auf, viele davon in Privatbesitz - und manche davon sind mit der Bemerkung "extrem hoher Sanierungsaufwand" oder "Komplettsanierung erforderlich" versehen. "Die Beschaffenheit einzelner Teiche ist allerdings nicht optimal, sodass diese durch Zisternen ersetzt werden könnten", erklärt Stadtsprecher Scholz. Das gestalte sich aktuell schwierig, da die finanziellen Möglichkeiten eingeschränkt seien und "dazugehörige Förderprogramme eher schleppend verlaufen", so Scholz. Auf eine Schwierigkeit bei solchen Sanierungen machte der Löbauer Bauamtsleiter Albrecht Gubsch in der jüngsten Stadtratssitzung aufmerksam. So wären manche Teiche mit der Zeit zu Biotopen geworden - Schilfgürtel hätten sich gebildet oder geschützte Tierarten angesiedelt. In solchen Fällen müsse man bei einer Sanierung auch Belange des Naturschutzes beachten - was zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Löbau