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Wie Holzabfall ein Verkaufsschlager wird

Gerd Offermanns aus Neueibau verarbeitet eine duftende Kiefernart. Die Reste werden nicht verfeuert, sondern weiterverarbeitet. Wie, das verrät der Rentner hier.

Gerd Offermanns Hobby ist die Herstellung von Dekoration, vorwiegend aus dem Holz der Zirbelkiefer.
Die übrig gebliebenen Späne verarbeitet er jetzt weiter.
Gerd Offermanns Hobby ist die Herstellung von Dekoration, vorwiegend aus dem Holz der Zirbelkiefer. Die übrig gebliebenen Späne verarbeitet er jetzt weiter. © Matthias Weber

Ein Duft nach Wald, frisch geschlagenem Holz und Nadeln. Natur pur. Gerd Offermanns fängt diesen Geruch auf ungewöhnliche Weise ein. Der Neueibauer arbeitet mit Zirbenholz. Die Zirbel ist eine Kiefernart, die vor allem im Alpenraum heimisch ist. Ein Baum-Methusalem: Bis zu 1.000 Jahre alt sollen manche Exemplare sein. 

Und Zirbenholz verströmt jahrelang einen besonderen Geruch. Den „konserviert“ der Rentner jetzt in Kissen für's Bett. Diese ungewöhnliche Idee kam so zustande: Offermanns hat sich im Ruhestand der Holzwerkelei verschrieben. Viele schöne Dinge stellt er in seiner Neueibauer Werkstatt her. Jetzt in der Vorweihnachtszeit unter anderem Kerzenleuchter, Sterne und Weihnachtsbäumchen. Während der 74-Jährige vor einigen Jahren eher drechselte, hat er sich neuerdings der Arbeit an der Dekupiersäge verschrieben. Das ist eine Art mechanische Laubsäge. Das Zirbenholz zu verarbeiten, macht ihm viel Freude. Übrig bleiben die duftenden Späne als Abfall. „Die habe ich erst immer in den Ofen geschmissen“, sagt Gerd Offermanns. Bis ihn irgendwann die Kundschaft fragte, was er mit den wohlriechenden Holzspänen mache. „Mir wurde erzählt, dass die in Österreich in Kissen eingenäht werden“, erinnert er sich. 

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Der Neueibauer machte sich schlau und fand bestätigt, dass das so gehandhabt wird. Tatsächlich findet man im Internet mittlerweile zahlreiche Anbieter, die solche Kissen verkaufen. Schnell stand fest: Die duftenden Späne sind für den Ofen viel zu schade. Nun hebt der Vater von drei erwachsenen Kindern die Holzreste auf. In Kissen werden sie eingenäht oder auch unverarbeitet verkauft. Die Nachfrage sei groß. „Zirbenholzkissen entwickeln sich zum Renner“, ist seine Erfahrung.

Weil aufgrund der Corona-Situation keine Weihnachtsmärkte stattfinden können, wo er in den Jahren zuvor seine Werke verkaufte, will er nun am 4. und 5. Dezember zu zwei "Tagen der offenen Holzwerkstatt" zu sich einladen. Geschenke und Ideen zur Weihnachtszeit können da erworben werden. Und selbstverständlich darf auch geschnuppert werden.

Die gute Seele auf dem Fußballplatz

Auch Pokale aus Holz hat er schon gestaltet. Der Fußball ist sein zweites großes Hobby neben der Holzgestaltung. 
Auch Pokale aus Holz hat er schon gestaltet. Der Fußball ist sein zweites großes Hobby neben der Holzgestaltung.  © Matthias Weber
In Offermanns Werkstatt in Neueibau entsteht derzeit vorrangig Weihnachtsdeko. 
In Offermanns Werkstatt in Neueibau entsteht derzeit vorrangig Weihnachtsdeko.  © Matthias Weber

Auch im Flur seines Eigenheims riecht es nach der Kiefernart. Dort hat Gerd Offermanns ein „Verkaufslädchen“ eingerichtet. In den Regalen stehen Tierfiguren, Dekorationen, Mitbringsel für Hochzeiten und Geburtstage – alle aus Holz und in liebevoller Handarbeit hergestellt. Täglich steht der Rentner – der nach zwei Herzoperationen in anderen Bereichen nun kürzer treten musste – in seiner geliebten Werkstatt. 

Zuvor hatte sich der langjährige Fußball-Nachwuchstrainer um den Rasen der Neueibauer Kicker in der Berglandarena gekümmert, vor jedem Spiel und das oft zweimal in der Woche. Aufgrund seiner Erkrankung ist das nicht mehr möglich, was Offermanns sehr bedauert. Umso glücklicher ist der Senior, in seiner Holzwerkstatt ganz in Ruhe noch weiter werkeln zu können. „Da freue ich mich jeden Tag drauf“, schmunzelt er. Wie viele Objekte aus seinen Händen im Laufe der Zeit entstanden sind, kann er gar nicht sagen. Nur so viel: Eulen gingen immer gut, ebenso das Unendlichkeitszeichen als Symbol für eine ewig haltende Ehe, individuelle Dekorationen nach Kundenwunsch. Die Zirbelkissen sind nun der neueste Verkaufsschlager. 

„Zum Holzpfosten“, Tag der offenen Tür, 4. Dezember von 12 bis 19 Uhr und 5. Dezember von 10 bis 19 Uhr, in Neueibau am Turnhallenweg 8.

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