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Grüne: Herrnhuter Bahn soll wieder fahren

Die Partei hat dafür jetzt einen Beschluss gefasst und hat eine Forderung an den Verkehrsminister. Über das Geld für die Strecke müssen aber andere entscheiden.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (ganz links) besichtigte im Sommer gemeinsam mit Bahnverfechtern die Strecke. Inzwischen hat der Grünen-Politiker einen anderen Job.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (ganz links) besichtigte im Sommer gemeinsam mit Bahnverfechtern die Strecke. Inzwischen hat der Grünen-Politiker einen anderen Job. © Matthias Weber/photoweber.de

Bis zu 90 Prozent Förderung gibt es jetzt vom Bund für die Reaktivierung von Bahnstrecken. Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz - kurz GVFG - macht es möglich. Davon soll auch die sogenannte Herrnhuter Bahn profitieren, also die stillgelegte Strecke die von Oderwitz über Obercunnersdorf nach Herrnhut führt. Das zumindest wollen die sächsischen Grünen vorantreiben. Wie die Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen für den Landkreis Görlitz, Annett Jagiela mitteilt, hat der Landesbeirat der sächsischen Bündnisgrünen einen entsprechenden Beschluss verabschiedet. Darin spricht sich das zweithöchste Gremium der sächsischen Grünen ganz klar für die Wiederbelebung der Herrnhuter Bahn aus. 

"Wir möchten die Schienenverbindung zwischen Löbau und Zittau wieder in eine leistungsfähige Nahverkehrsstrecke instand setzen und so einen schnellen Bahnverkehr zwischen Dresden und Zittau schaffen", erklärt Annett Jagiela. So werde der südliche Teil des Landkreises Görlitz besser an die Region Dresden angebunden. Gerade für Pendler sei das eine attraktive Alternative zum Straßenverkehr. "Die heutige Strecke zwischen Dresden und Zittau würde weiterhin zur Feinerschließung des Oberlands zur Verfügung stehen", so Jagiela weiter. 

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Forderung an den Verkehrsminister

Mit der hohen Förderung, die der Bund jetzt erstmals mit dem GVFG zur Verfügung stellt, könnte das möglich sein, so die Grünen-Sprecherin. Zudem habe der Bund die Mittel für Bahnstrecken von 333 auf 665 Milionen Euro jährlich erhöht. Und bis 2025 seien weitere deutliche Erhöhungen geplant.

Annett Jagiela verweist außerdem auf das Strukturstärkungsgesetz. Damit habe der Landkreis Görlitz gute Möglichkeiten, alte Bahnstrecken wieder ans Schienennetz anzubinden. "Wir wollen als Regierungskoalition in Sachsen die Inbetriebnahme stillgelegter Bahnstrecken prüfen und zügig umsetzen." Die Grünen fordern von Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig, dass im kommenden Doppelhaushalt für den Freistaat auch ein Vorschlag für die Herrnhuter Bahn enthalten sein soll. 

Die Trasse führt durch malerische Landschaft - auch über das Viadukt in Obercunnersdorf. Das ist ein beliebtes Fotomotiv.
Die Trasse führt durch malerische Landschaft - auch über das Viadukt in Obercunnersdorf. Das ist ein beliebtes Fotomotiv. © Rafael Sampedro

Um wieder Zugverkehr aufnehmen zu können, muss die Strecke technisch überprüft werden und auch verkehrsplanerische Untersuchungen sind nötig, das ist den Grünen klar. Das alles kostet Geld, die notwendigen Investitionen müssten eingeplant werden. Denn auch baulich sei einiges zu tun und rechtliche Fragen müssten geklärt werden. 

Bahnverfechter arbeiten an Projekten

Erst im Sommer dieses Jahres hatte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn die Region besucht und sich mit verschiedenen Bahnstrecken beschäftigt, die außer Betrieb sind. Auch er machte den Bahnverfechtern aus der Oberlausitz Mut, dass der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden könnte. "Die Chancen standen noch nie so gut, wie jetzt", sagte Kühn damals. Inzwischen hat der Grünen-Politiker einen anderen Job, er ist Baubürgermeister bei der Stadt Dresden. 

Der Landkreis Görlitz hatte sich bereits dafür ausgesprochen, auf der Trasse einen Radweg zu errichten. Das würde für den Zugbetrieb das endgültige Aus bedeuten. Nach bisheriger Beschluss- und Verhandlungslage soll die Strecke entwidmet und zu einem Radweg umgebaut werden. Bahnverfechter wollen das aber nicht akzeptieren. So hat sich der Verein Pro Herrnhuter Bahn gegründet und arbeitet an Projekten, um die Strecke wieder zu beleben. 

In den Anrainer-Kommunen ist man geteilter Meinung. Kottmar-Bürgermeister Michael Görke (parteilos) will keinen Radweg - solange nicht geklärt ist, wer die Folgekosten, etwa für die Instandhaltung, bezahlt. In Oderwitz haben die Gemeinderäte für einen Radwegbau gestimmt. Auch Herrnhut erklärte per Beschluss, mit dem Landkreis dahingehend zusammenarbeiten zu wollen. 

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