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OB Kandidat: Finanzen prüfen und weiter sanieren

Am 26. September wählen die Löbauer einen neuen OB. SZ stellt die Kandidaten und ihre Ziele vor. Albrecht Gubsch will, dass das Stadion instand gesetzt wird.

Albrecht Gubsch möchte neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er ist parteiloser Einzelkandidat.
Albrecht Gubsch möchte neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er ist parteiloser Einzelkandidat. © Matthias Weber/photoweber.de

Wenn Albrecht Gubsch in seinem Büro aus dem Fenster schaut, blickt er direkt auf das Wahrzeichen der Stadt: den Löbauer Berg mit dem Gusseisernen Turm. Im Technischen Rathaus an der Johannisstraße geht er seit Jahren täglich ein und aus, seit 2014 ist Gubsch als Bauamtsleiter in der Stadtverwaltung beschäftigt. Nun möchte er in den Chefsessel wechseln und Löbaus neuer Oberbürgermeister werden. Gubsch ist parteiloser Einzelkandidat.

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In der Politik ist er schon seit der Wende unterwegs. Seit 1990 ist Gubsch Bürgermeister in seinem Heimatort Dürrhennersdorf, in den ersten Jahren hauptberuflich, seit 1994 im Ehrenamt.

Einer Partei gehörte er aber nie an. "In der Kommunalpolitik geht es doch um die Sache", sagt er. Darum, für die Menschen vor Ort das Beste herauszuholen. Eine Parteizugehörigkeit sei da eher hinderlich.

Bürgermeister der "ersten Stunde"

Über den OB-Posten hat er schon länger nachgedacht, gesteht Albrecht Gubsch. Bei der letzten Wahl im Jahr 2015 war er allerdings erst ein Jahr im Rathaus beschäftigt. "Das war zu früh, da muss man sich erst einmal einarbeiten und einen Überblick verschaffen." Als der ehemalige Oberbürgermeister Dietmar Buchholz jetzt überraschend ausschied, hätten ihn etliche Löbauer angesprochen, ob er sich das nicht zutrauen würde.

Er traut es sich zu. Und sieht es als Vorteil, dass er bereits in der Verwaltung arbeitet. "Ich weiß, worauf ich mich einlasse", sagt er kurz und knapp. Denn nicht nur in der Verwaltungsarbeit, sondern auch als Bürgermeister hat er jahrzehntelange Erfahrung. Gubsch gehört zu den Bürgermeistern "der ersten Stunde", ist seit 1990 Ortschef in Dürrhennersdorf. In dem Dorf lebt der 55-Jährige seit seiner Kindheit. "Sicher kann man den OB-Posten in einer Stadt wie Löbau nicht unbedingt mit dem ehrenamtlichen Dorfbürgermeister vergleichen", räumt er ein. "Aber ich arbeite ja auch in vielen Gremien in der Region mit."

Kassensturz und Personalkonzept

Eine der ersten Aufgaben als Oberbürgermeister sieht er darin, dass Personalkonzept zu überarbeiten. In der nächsten Zeit werden etliche Kollegen altersbedingt ausscheiden, weiß Gubsch. Auch ein neuer Hauptamtsleiter muss gefunden werden, denn der aktuelle Hauptamtsleiter Guido Storch hat gekündigt. Neue, geeignete Leute zu finden mit den entsprechenden Qualifikationen ist ein echtes Problem geworden. "Das wird eine Herausforderung werden", sagt Gubsch.

Was er außerdem gern vorantreiben möchte, ist die Stadtsanierung. Derzeit hat Löbau ein festgelegtes Stadtsanierungsgebiet. Dort können auch Privatleute und Unternehmen Fördermittel für Sanierungen erhalten. Das wird im Areal um die Äußere Bautzner Straße gut genutzt, so Gubsch. "Das ist ja das Schöne an den Programmen. Man kann auch private Investoren ermutigen." Um die Äußere Bautzner sei ein tolles Viertel entstanden. "Das wünsche ich mir auch zum Beispiel für die Innere Zittauer Straße." Wenn mehr Häuser saniert sind, belebe das die Stadt automatisch. Der Bereich um den Wettiner Platz und die Blumenstraße sind weitere Areale, wo Gubsch da noch Nachholbedarf sieht.

Dazu muss die Stadt aber ein Sanierungsgebiet ausweisen und Fördermittel akquirieren. Das zu schaffen ist laut Gubsch eine Aufgabe für die Zukunft.

Insgesamt sieht Albrecht Gubsch viele Aufgaben, die nicht kurzfristig zu erledigen sind, sondern viele Jahre in Anspruch nehmen werden. Die Nudelfabrik nennt er als Beispiel. Über allem steht aber die große Frage, so Gubsch: Was kann Löbau sich leisten? Die Finanzen auf den Prüfstand zu stellen, sieht er deshalb als wichtige Aufgabe. Es sei eine schwierige Zeit, wegen der Pandemie brechen Einnahmen weg, zum Beispiel aus Gewerbesteuern. "Da werden wir sicher an der einen oder anderen Stelle auch den Rotstift ansetzen müssen."

Insgesamt stehe Löbau auch vor der Aufgabe, das Geschaffene zu erhalten. Das betreffe zum Beispiel auch große Anschaffungen bei den Feuerwehren, die gut ausgestattet seien. "Das zieht aber auch einen Erhaltungsaufwand nach sich. Und die Eigenmittel sind knapp", sagt Gubsch zur Haushaltslage.

Löbau als Zentrum

Dennoch blickt Gubsch positiv in die Zukunft. Denn es gibt auch gute Aussichten. Löbau sei gut aufgestellt, alle Kitas in Schuss. Ein konkretes Projekt, das zügig vorangebracht werden muss, sei auch das neue Gewerbegebiet an der B178. Die Zeit drängt, denn: "Da gibt es schon Interessenten, die bauen wollen", berichtet er.

"Löbau hat eine zentrale Lage zwischen den größeren Städten. Deshalb sind wir auch als Mittelzentrum eingestuft, zur Versorgung der umliegenden Gemeinde." Mit dieser Zentrumsfunktion und den verschiedenen Schulen - Gymnasium, Oberschule, Berufsschulzentrum zählt Gubsch auf - habe Löbau eine gute Ausgangsposition. "Wenn wir jetzt das Gewerbe noch mehr stärken können, sind wir auf einem guten Weg." Ziel sei es, das Schrumpfen zumindest zu verlangsamen.

Stadion muss saniert werden

Sich nur auf Wirtschaft oder Handel oder Wohnen zu konzentrieren, hält er nicht für richtig. "Es muss eine gute Mischung geben."

Ein weiteres Ziel für Gubsch ist es, das Löbauer Stadion über ein Stadtsanierungsprogramm wieder in Ordnung zu bringen. Das liegt Gubsch - selbst ehemaliger Fußballer - sehr am Herzen. Und auch das ist eine teure und schwierige Aufgabe, denn es steht unter Denkmalschutz. Zunächst müsse die Mauer instand gesetzt werden. Und ein neues Gebäude für Sanitär- und Umkleidebereich müsse errichtet, sowie das Spielfeld selbst erneuert werden.

Fünf Fragen an den Kandidaten:

Was möchten Sie als Erstes tun, wenn Sie Oberbürgermeister werden?

Einen Kassensturz. Aber nicht, weil ich der Meinung bin, dass bisher schlecht gewirtschaftet wurde. Aber ein neuer Doppelhaushalt steht an und wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen Corona darauf hat, Gewerbe- und Steuereinnahmen brechen weg. Der Freistaat knapst den Gemeinden ab, wo es geht.

In der Verwaltung liegt offenbar einiges im Argen, das Arbeitsklima ist schlecht, wie jetzt bekannt wurde. Was ist Ihre Strategie das zu ändern? Wie kann man wieder mehr Teamgeist und Miteinander erreichen?

Ich möchte erst einmal der Darstellung entschieden widersprechen, die Personalstruktur im Rathaus sei zerrüttet. Dem ist nicht so. Sicher gibt es hier und da Unstimmigkeiten - wie in jedem Unternehmen. Aber die Verwaltung läuft gut und funktioniert. Ich will da nichts wegreden, sicher muss man schauen, wo Probleme liegen. Und wer etwas zu sagen hat, der muss es auch ansprechen.

Welche Investitionen sind in Löbau am dringendsten nötig?

Ich will die Stadtsanierung weiter vorantreiben. Leider haben wir im Moment nur ein Sanierungsgebiet, um die Äußere Bautzner Straße. Aber was dort entstanden ist, das ist enorm. Und die sanierten Wohnungen sind ruckzuck weg. Das wünsche ich mir auch zum Beispiel für den Bereich um die Innere Zittauer Straße.

Die Kottmarbaude, die der Stadt gehört, ist immer wieder Thema. Was ist Ihre Idee für die Baude?

Der Verkauf ist das einzig richtige. Das darf man aber nicht an den Preis koppeln, sondern an ein vernünftiges Konzept. Und es muss mit einem Käufer eine Frist vereinbart werden, bis wann hier investiert werden muss. Das große Problem ist die Erschließung. Der Zustand der Baude ist natürlich schlecht, aber sie fällt jetzt nicht ein. Wer also Ideen hat, ist willkommen.

Wie kann das Armeegelände entwickelt werden?

Ein ganz schwieriges Thema, denn es gibt zig verschiedene Eigentümer und das Gelände steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Als Wohnstandort wäre das hier ideal, aber das ist eine große Herausforderung.

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Biografisches:

Albrecht Gubsch ist 55 Jahre alt und lebt in Dürrhennersdorf. Er ist verheiratet und hat ein Kind. Gubsch arbeitet seit 2014 als Bauamtsleiter in der Löbauer Stadtverwaltung.

Folgende OB-Kandidaten sind bisher vorgestellt worden:

Heiko Neumann (Bürgerliste) am 5. August.

Hajo Exner (AfD) am 11. August.

Ringo Hensel (CDU) am 15. August.

Dirk Rocho (parteilos) am 18. August.

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