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OB Kandidat: Digitale Verwaltung und neue Ideen für den Messepark

Am 26. September wählen die Löbauer einen neuen OB. SZ stellt die Kandidaten und ihre Ziele vor. Dirk Rocho will, dass die Ortsteile wieder mehr Beachtung finden.

Dirk Rocho möchte neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er ist parteiloser Einzelkandidat.
Dirk Rocho möchte neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er ist parteiloser Einzelkandidat. © Matthias Weber/photoweber.de

Wer Dirk Rocho zu Hause besuchen will, braucht kein Navi. Das findet die Zufahrt zu seinem Hof sowieso nicht. Seit einigen Jahren lebt der gebürtige Zittauer in Bischdorf mitten im Grünen, umgeben von Pferdeweiden, Wald und Wiesen. Er wohnt hier mit seiner Familie, mit Katzen, Pferden und Hund.

Die Ruhe hier sei herrlich, um vom beruflichen Trubel abzuschalten, sagt der 50-Jährige. Kraft tanken - das wird der neue Löbauer Oberbürgermeister brauchen. Es gibt vieles anzupacken, ist der Bischdorfer überzeugt. Dirk Rocho bewirbt sich als parteiloser Einzelkandidat für den Posten des Oberbürgermeisters.

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Dass er sich in Löbau engagieren möchte, war ihm schon seit 2012 klar. Da fand in Löbau die Landesgartenschau statt und Dirk Rocho war dort als Gästeführer unterwegs. Dafür hatte er sich zusammen mit Anderen extra ausbilden lassen. Auch heute ist er hin und wieder Gästeführer, begleitet Besucher durch das Haus Schminke.

"Die Führungen auf der Landesgartenschau haben mir riesigen Spaß gemacht. Man präsentiert die Stadt und ihre Besonderheiten." Damals, zur Landesgartenschau entstand der Wunsch, sich mehr einzubringen, erzählt der 50-Jährige. Und da habe er auch erstmals darüber nachgedacht, als Oberbürgermeister in Löbau zu kandidieren. Zur letzten Wahl im Jahr 2015 habe er sich aber noch nicht bereit dafür gefühlt.

Neue Ideen für Messepark nötig

Jetzt möchte er den Schritt aber wagen. "Ich habe gemerkt, dass es in Löbau viele engagierte Leute gibt. Die Stadt hat sich gut entwickelt. Aber man kann sicher noch einiges bewegen." Gerade, was das Landesgartenschaugelände betrifft, mit dem er sich durch die Aufgabe als Gästeführer besonders verbunden fühlt. Hier müsse man überlegen, wie es nach Corona weitergeht. Zwar sei das Gelände für Konzerte etabliert. Aber Dirk Rocho ist sicher: "Die Veranstaltungsbranche hat sich verändert. So wie vor der Pandemie wird es nicht mehr werden, solche Großveranstaltungen mit derart vielen Besuchern wird es nicht mehr geben." Alles werde künftig zwangsläufig etwas kleiner gehalten sein. Und demzufolge werden Einnahmen wegbrechen.

Es gibt ja schon neue Ideen, zum Beispiel mit dem Freiluft-Kino, das jetzt im Messegelände stattgefunden hat, sagt er.

Generell findet Dirk Rocho: "Löbau darf nicht nur auf große Events setzen, wie die Landesgartenschau oder den Tag der Sachsen. Die sind ja schnell vorbei." Man müsse vielmehr eine langfristige Strategie für Löbau entwickeln - um Besucher herzulocken und auch neue Einwohner.

Löbau soll nicht weiter schrumpfen

Neue Einwohner sind ein wichtiges Stichwort für Dirk Rocho. "Es wäre schön, wenn Löbau wieder wachsen würde - oder zumindest erst einmal nicht mehr schrumpfen." Wenn es um die Gunst der Zuzügler gehe, gebe es auch einen Wettbewerb zwischen den Städten in der Region, sagt Dirk Rocho. "Und da sehe ich Löbau im Moment abgehängt, zum Beispiel gegenüber Bautzen." Und auch Einheimische seien ja mobil und würden zum Einkaufen dorthin fahren. Und damit werde auch Kaufkraft abgezogen. Das müsse sich ändern. Die Stadt könne Händler da nur unterstützen.

"Wir dürfen natürlich nicht nur um Zuzügler werben, sondern müssen auch für diejenigen etwas anbieten, die hier sind", betont Dirk Rocho. Und dazu gehöre auch ein attraktives, sauberes Stadtbild mit mehr Angeboten für Familien - zum Beispiel Spielplätze.

Eine große Herausforderung sieht er auch darin, die Verwaltung effektiver zu gestalten und zu digitalisieren, wo es möglich ist. Dafür müssten die Abläufe zunächst einmal auf den Prüfstand. Er denkt da zum Beispiel an elektronische Aktenführung. Dadurch könnten Abläufe auch schneller gehen. Das hätte auch Vorteile für die Bürger, sagt Dirk Rocho. Mit dem Thema Bürgerservice kennt er sich aus, denn er arbeitet in diesem Bereich im Landratsamt. Derzeit ist er im Löbauer Bürgerbüro des Landkreises tätig, das im vorigen Jahr eröffnet wurde.

Und Dirk Rocho ist sicher, dass eine effektive Verwaltung auch stark von motivierten Mitarbeitern abhängt. Deshalb ist es ihm wichtig, die Stadt als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. "Denn es steht, wie in vielen Bereichen, auch in der Stadtverwaltung, ein Generationswechsel an." Motivierte Mitarbeiter seien ein ganz wichtiger Bestandteil. "Ohne sie ist die Arbeit nicht zu stemmen."

Ortsteile sind eine große Aufgabe

Ein Thema, das Dirk Rocho bewegt, sind die Ortsteile. 23 hat Löbau immerhin, davon viele sehr kleine Ortschaften. "Wir haben den schönen Stadtkern. Aber ein großer Teil der Löbauer Einwohner lebt außerhalb." Deren Interessen unter einen Hut zu bekommen, hält Dirk Rocho für eine gewaltige Aufgabe. "Wir müssen es hinbekommen, dass die Leute in den Ortsteilen sich auch mitgenommen fühlen und nicht hinten herunterfallen." Fehlende Busverbindungen in die Ortsteile oder zu wenige oder gar keine Einkaufsmöglichkeiten nennt er als Probleme, die es zu lösen gilt.

Trotz des Ziels, sich in der Stadt zu engagieren, hat er sich bewusst dagegen entschieden, einer Partei oder Gruppierung beizutreten oder für eine Partei zu kandidieren. "Ich sehe das eher als Hindernis für einen Oberbürgermeister." Denn, man müsse ja dann die Partei-Interessen durchsetzen und das sei auf kommunaler Ebene schwierig. "Ich bin politisch unverbraucht, bin keiner Partei und keinem Verein verpflichtet."

Das birgt natürlich im Wahlkampf die Schwierigkeit, dass er alles allein organisieren und auch finanzieren muss. Große Wahlveranstaltungen, zu den die Einwohner kommen können, kann er nicht stemmen. Er setzt da auf eine ganz altbewährte Methode, sich den Wählern vorzustellen. "Ich gehe zu den Leuten hin", erzählt er. Und das meint er wörtlich. Dirk Rocho geht durchaus schon mal von Haustür zu Haustür, stellt sich vor und versucht mit den Einwohnern ins Gespräch zu kommen. "Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich", erzählt er. Mancher würde ihn wegschicken, es entstünden aber auch interessante Gespräche und Anregungen.

Fünf Fragen an den Kandidaten:

Was möchten Sie als Erstes tun, wenn Sie Oberbürgermeister werden?

Als Erstes möchte ich natürlich die Mitarbeiter und die Abläufe in der Verwaltung kennenlernen. Ich muss ja wissen, was wie abläuft. Ideal wäre es natürlich, ich würde in jeder Abteilung mal ein paar Tage mitarbeiten.

In der Verwaltung liegt offenbar einiges im Argen, das Arbeitsklima ist schlecht, wie jetzt bekannt wurde. Was ist Ihre Strategie das zu ändern? Wie kann man wieder mehr Teamgeist und Miteinander erreichen?

Meiner Meinung nach kann da eine Veränderung nur von innen kommen. Wer soll von außen helfen können? Vor allem muss man mit allen reden und die Mitarbeiter mitnehmen. Sie dürfen nicht das Gefühl haben: da kommt jetzt einer und stülpt alles um. Und prinzipiell gilt: Es muss ein ordentlicher Umgangston herrschen.

Welche Investitionen sind in Löbau am dringendsten nötig?

Das neue Gewerbegebiet muss entwickelt werden, damit Löbau ein guter Wirtschaftsstandort bleibt. Man darf aber auch Privatpersonen als Investoren nicht außer Acht lassen. Wer hier ein Haus kauft und saniert, braucht Unterstützung. Und Bauflächen für Familien müssen erschlossen werden, damit man Bauwilligen etwas anbieten kann.

Die Kottmarbaude, die der Stadt gehört, ist immer wieder Thema. Was ist Ihre Idee für die Baude?

Da gibt's doch wirklich andere Baustellen für Löbau! Aber: Die Stadt selbst wird das nicht sanieren können. Und einen Verkauf müsste man meiner Meinung nach unbedingt von einem schlüssigen Konzept abhängig machen. Es sind ja immer wieder Spekulanten unterwegs. So etwas nützt dann niemandem.

Wie kann das Armeegelände entwickelt werden?

Auch das ist ein äußerst schwieriges Thema, weil das Gelände völlig zerklüftet ist, was die Eigentümer betrifft. Ich könnte mir hier einen Platz für Wirtschaftserweiterungen vorstellen oder für ein Wohngebiet. Um so etwas entwickeln zu können, müsste man aber eben mit den vielen unterschiedlichen Eigentümern überein kommen.

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Biografisches:

Dirk Rocho ist 50 Jahre alt und lebt in Bischdorf. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist beim Landkreis beschäftigt und arbeitet im Löbauer Bürgerbüro des Landratsamtes.

Folgende OB-Kandidaten sind bisher vorgestellt worden:

Heiko Neumann (Bürgerliste) am 5. August.

Hajo Exner (AfD) am 11. August.

Ringo Hensel (CDU) am 15. August.

Als Nächstes erscheint die Vorstellung von OB-Kandidat Albrecht Gubsch (parteilos) am 23. August.

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