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Das ist der Neue im Löbauer Rathaus

Albrecht Gubsch ist zum OB gewählt worden. Damit muss nun ein weiterer Amtsleiterposten neu besetzt werden. Wie es jetzt weitergeht.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Albrecht Gubsch, bisher Leiter des Bauamtes in Löbau, wird neuer Oberbürgermeister.
Albrecht Gubsch, bisher Leiter des Bauamtes in Löbau, wird neuer Oberbürgermeister. © Matthias Weber/photoweber.de

Na ja, so ganz neu ist er eigentlich nicht. Genau genommen hat Albrecht Gubsch schon seit sieben Jahren seinen Arbeitsplatz im Löbauer Rathaus. Gubsch leitet seit 2014 das Bauamt in der Stadtverwaltung.

Jetzt ist der 55-jährige Dürrhennersdorfer zum Oberbürgermeister gewählt worden - von 40,28 Prozent der Wähler. Das entspricht 2.283 Löbauern, die ihn auf dem Chefposten haben wollen. Mitbewerber Heiko Neumann, der den ersten Wahlgang gewonnen hatte, erhielt 2.055 Stimmen - ein denkbar knappes Ergebnis. Als die Löbauer drei Wochen zuvor zum ersten Mal an die Wahlurne gingen, um einen neuen OB zu wählen, war das Verhältnis genau anders herum. Der Zweitplatzierte Heiko Neumann ist spürbar enttäuscht vom Ergebnis. "Gewinnen fühlt sich natürlich immer besser an", sagt er. Und weiter: "Es ist schade, dass unsere Mühe nicht belohnt wurde." Neumann hatte die Löbauer Bürgerliste und viele Unterstützer hinter sich. "Scheinbar hat das Auftreten und Programm von Herrn Gubsch den Menschen besser gefallen. Ich wünsche ihm viel Glück und Kraft für die anstehenden Aufgaben."

Nur die knappe Hälfte der Löbauer ging wählen

© SZ Grafik

Der Tag nach der Wahl beginnt für Wahlsieger Albrecht Gubsch mit Versammlungen. Als OB ist er zwar noch nicht im Amt. Das Tagesgeschäft als Amtsleiter aber geht weiter. Nun muss das Kommunalamt beim Landkreis die Wahl prüfen und das Ergebnis bestätigen. Dafür hat die Behörde einen Monat Zeit. Erst danach kann der neue OB vor dem Stadtrat vereidigt und damit ins Amt eingeführt werden. Das wird wohl noch vor Jahresende geschehen, vermutlich im Dezember-Stadtrat, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Gubsch zeigt sich überrascht vom Ergebnis. Damit gerechnet hat er offenbar nicht. Im Gegenteil: "Ich hätte vermutet, dass mir eine geringere Wahlbeteiligung eher nicht zugutekommt." Denn erwartungsgemäß gingen deutlich weniger Löbauer wählen als noch beim ersten Wahlgang, der mit der Bundestagswahl zusammenfiel. Nicht einmal die Hälfte der 11.910 wahlberechtigten Löbauer gingen am Sonntag wählen. 47,72 Prozent waren es genau.

Zudem habe er nicht einen solch großen Unterstützerkreis gehabt, wie Neumann von der Bürgerliste, so Gubsch. Tatsächlich hat der parteilose Albrecht Gubsch so gut wie keinen Wahlkampf betrieben, während Heiko Neumann sehr aktiv war, wie auch Mitbewerber Ringo Hensel von der CDU, die zu vielen Veranstaltungen und öffentlichen Gesprächen mit Bürgern eingeladen und auch in den sozialen Medien Wahlkampf betrieben hatten.

Große Aufgabe: Stellen müssen besetzt werden

Gubsch bedankt sich ausdrücklich auch bei den Mitbewerbern. Es ist ein gutes Zeichen für Löbau, dass mehrere ernsthafte und engagierte Kandidaten um das Amt gerungen haben, sagt er. Bei aller Freude über den Wahlsieg blicke er aber auch mit Demut auf die kommenden Aufgaben. Denn die sind nicht ohne. Vor allem geht es darum, im Rathaus wieder für bessere Stimmung zu sorgen. Da war zuletzt von "zerrütteten Personalstrukturen" die Rede gewesen. Gubsch sagte im SZ-Interview, dem sei nicht so. Natürlich gebe es mitunter Unstimmigkeiten, denen er auch nachgehen und herausfinden wolle, wo die Probleme konkret liegen.

Gubsch sieht in Löbau auch viele Ideen und Leidenschaft der Bürger. Daran müsse man anknüpfen.

Und es steht die Aufgabe an, das Personalkonzept zu überarbeiten. Das hatte Gubsch ohnehin auf dem Zettel. Viele Kollegen gehen in den Ruhestand, im Rathaus steht ein Generationswechsel an. In den letzten Wochen hat sich die Lage in Löbau besonders prekärer entwickelt: Hauptamtsleiter Guido Storch kündigte und arbeitet mittlerweile schon nicht mehr im Rathaus. Auch die Archiv- und Museumsleiterin Corinna Wandt hat das Rathaus verlassen. Und nun muss ein dritter Amtsleiterposten neu besetzt werden: der des Bauamtsleiters.

Bürgerliste will an Zielen festhalten

Die Bürgerliste konstatiert am Tag nach der Wahl: Das Ergebnis sehe man nicht als Niederlage für Heiko Neumann und die Bürgerliste. "Über 2.000 Löbauer haben verstanden, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann." Der Wink geht in die Richtung, dass Albrecht Gubsch bereits unter dem ehemaligen Oberbürgermeister Dietmar Buchholz in der Chef-Riege im Löbauer Rathaus mitgearbeitet hat und der Ex-OB auch bekanntermaßen zu seinen Unterstützern gehört. So hatte Buchholz bereits Wochen vor der Wahl in einem Interview mit SZ gesagt, er wünsche sich Albrecht Gubsch als seinen Nachfolger. Da hatte Gubsch noch nicht einmal seine Kandidatur offiziell bekannt gegeben.

Als Fraktion im Stadtrat, so heißt es von der Bürgerliste als Reaktion auf das Wahlergebnis, werde man weiterhin versuchen Löbau voranzubringen und die Ziele, die Heiko Neumann in seinem Wahlprogramm formuliert hatte, umzusetzen.

Seit 1990 Bürgermeister

Aber wer ist der Mann, der jetzt neuer OB werden wird? Bei öffentlichen Terminen hat sich Gubsch bisher eher im Hintergrund gehalten. Albrecht Gubsch lebt in Dürrhennersdorf, schon seit seiner Kindheit. Gubsch ist verheiratet, hat einen inzwischen erwachsenen Sohn. Seit 1990 ist er Bürgermeister in seinem Heimatort, seit 1994 im Ehrenamt. Dabei gehörte er nie einer Partei an. Er ist der Meinung: Parteipolitik gehört nicht auf die kommunale Ebene. Da gehe es um die Sacharbeit, darum, für die Menschen vor Ort das Beste herauszuholen.

Vor seinem Wechsel als Bauamtsleiter nach Löbau leitete er das Bauamt in Neusalza-Spremberg. Gubsch arbeitet in verschiedenen Gremien mit, ist beispielsweise auch Vorsitzender des Zweckverbandes "Oberlausitz Wasserversorgung".

In seiner Freizeit ist der Dürrhennersdorfer vor allem sportlich unterwegs, zum Beispiel mit dem Rennrad. "Und rund ums Haus gibt es ja auch immer etwas zu tun."