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Oppacher wagt einmaliges Experiment

Frank Stefani forscht in Rossendorf. Sein neuestes Projekt hat es weltweit so noch nicht gegeben. Und es ist nicht ganz ungefährlich.

Dr. Frank Stefani vor der riesigen Anlage im Rossendorfer Helmholtzzentrum.
Dr. Frank Stefani vor der riesigen Anlage im Rossendorfer Helmholtzzentrum. © Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossen

Die riesige Anlage aus Stahl überragt Frank Stefani schon um einiges - und sie wird noch weiter wachsen. Was da hinter dem Mann in die Höhe ragt, ist Teil eines einzigartigen Forschungs-Versuchs, den es so auf der ganzen Welt noch nicht gegeben hat. Bald werden Frank Stefani und seine Kollegen an dem riesigen Koloss spektakuläre Experimente starten.

Seit bald 25 Jahren arbeitet Dr. Frank Stefani mittlerweile im Rossendorfer Forschungszentrum. Für den gebürtigen Oppacher, der heute in der Landeshauptstadt lebt, hat sich damit ein Kindheitstraum erfüllt. Er erinnert sich daran, wie er als kleiner Junge mit seiner Mutter mit dem Bus von Oppach in die Landeshauptstadt fuhr. "Damals fuhr noch ein Bus von Zittau nach Dresden", erinnert sich der 58-Jährige. Da ging die Fahrt vorbei am Rossendorfer Forschungszentrum. "Von dem Atomzentrum war ich immer fasziniert", erinnert sich der Forscher heute lachend. "Da wollte ich unbedingt mal arbeiten." Der Wunsch hat sich tatsächlich erfüllt. Inzwischen gehört Stefani zu einem Forscherteam, das dort jetzt ein weltweit bisher einmaliges Experiment wagt.

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Stefani und seine Kollegen beschäftigen sich mit dem sogenannten Dynamo-Effekt. Die Magnetohydrodynamik ist Dr. Stefanis Fachgebiet. Dabei geht es um elektrisch leitfähige Flüssigkeiten und ihren Einfluss auf magnetische Felder. Dieses Wissen kann etwa zum Einsatz kommen, um Flüssigmetallbatterien zu entwickeln, die Wind- und Sonnenenergie speichern können, nennt der Forscher ein praktisches Beispiel.

Riesen-Dynamo stellt Erdrotation nach

Wie in dieser dreidimensionalen Darstellung wird der große Geodynamo, der jetzt in Rossendorf aufgebaut wird, einmal aussehen. Mit dem weltweit einzigartigen Experiment wollen Physiker des Helmholtzzentrums die Entstehung des Erdmagnetfeldes simulieren. D
Wie in dieser dreidimensionalen Darstellung wird der große Geodynamo, der jetzt in Rossendorf aufgebaut wird, einmal aussehen. Mit dem weltweit einzigartigen Experiment wollen Physiker des Helmholtzzentrums die Entstehung des Erdmagnetfeldes simulieren. D © HZDR / Juniks Marketing

Bei der Dynamo-Theorie, die Stefani nun mit erforscht, geht es um die Erzeugung von Magnetfeldern in elektrisch leitfähiger Materie. Wie genau die Magnetfelder der Erde und auch der Sonne entstehen, damit wollen sich die Forscher nun befassen. Das ist bislang noch wenig erforscht. Erst vor gut 20 Jahren gab es erste praktische Experimente dazu. Schon damals war Frank Stefani daran beteiligt. Jetzt startet an seiner Arbeitsstelle in Rossendorf das Projekt "Dresdyn". Es setzt sich zusammen aus den Begriffen "Dresden" und "Dynamo".

Dafür wurde extra ein neues Gebäude auf dem Rossendorfer Campus errichtet. "Es steht etwas abseits am Rand, falls doch mal etwas passiert", erzählt Stefani. Denn die Experimente mit den Magnetfeldern sind nicht ganz ungefährlich. Immerhin wird mit flüssigem Natrium hantiert - und das in riesigen Mengen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes "brandgefährlich". Mit den Experimenten mit flüssigem Natrium sollen verschiedene geo- und astrophysikalische Fragen untersucht werden.

Derzeit wird dafür ein Riesen-Dynamo im neuen Gebäude in Rossendorf aufgebaut. Der soll die Rotationsbewegungen der Erde nachstellen. In etwa einem Jahr wollen die Forscher um Dr. Stefani hier das erste Experiment starten - vorsichtshalber wird der erste Probelauf mit Wasser stattfinden. 25 Millionen Euro investieren Bund und Land in das Rossendorfer Forschungsprojekt, an dem der Oppacher Frank Stefani beteiligt ist.

Enge Verbindung zur Oberlausitz

Dass er beruflich mal in diese Richtung gehen würde, stand für ihn früh fest. Bis Anfang der 1980er Jahre lebte Stefani in der Oberlandgemeinde, arbeitete als junger Mann sogar mal in der Löbauer Zuckerfabrik. 1983 ging er dann zum Physikstudium nach Dresden, promovierte anschließend an der Uni in Leipzig und bekam schließlich seine heutige Stelle im Helmholtzzentrum in Dresden-Rossendorf - genau dort, wo er schon als Kind hin wollte.

Mit der Oberlausitz ist er bis heute dennoch eng verbunden, pflegt regelmäßige und gute Kontakte zu Freunden, mit denen er hier einst gemeinsam die Schulbank drückte. Dazu gehört unter anderem der ehemalige Oppacher Bürgermeister Stefan Hornig.

Seine berufliche Zukunft wird aber weiterhin im Forschungszentrum vor den Toren Dresdens sein. Seit 2013 wird an dem Riesen-Projekt zur Dynamo-Theorie inzwischen gearbeitet. Frank Stefani will es natürlich weiter begleiten. Auch, wenn es hier um Grundlagenexperimente geht, ist es ihm immer wichtig, bei seiner Forschung auch praktische Aspekte unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, wie man die Erkenntnisse sinnvoll nutzen kann. Er und seine Kollegen erhoffen sich vom Dresdyn-Projekt so zum Beispiel unter anderem auch Erkenntnisse, welche Einflüsse die Magnetfelder von Sonne und Erde und ihre Veränderungen auf das Klima haben könnten. Man könnte dann beispielsweise bessere Klima-Prognosen erstellen.

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