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Im Kinderzimmer lauert der Schimmel

In Neugersdorf bewohnt eine Alleinerziehende mit drei Kindern eine Asylwohnung. Dort gibt's ein Problem. Die Mutter hofft vergebens auf Hilfe.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Redoor Kadri im Kinderzimmer. Die Schimmelflecken nehmen mittlerweile ein großes Ausmaß an.
Redoor Kadri im Kinderzimmer. Die Schimmelflecken nehmen mittlerweile ein großes Ausmaß an. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Eigentlich haben der kleine Redoor und seine beiden älteren Brüder ein schönes, geräumiges Kinderzimmer. Doch darin aufhalten wollen sie sich zurzeit gar nicht gern. Beim Blick ins Zimmer wird schnell klar, warum. An den Wänden und rund um die Fenster offenbart sich ein unappetitliches Problem: Schimmel. An den Fenstern ist es am schlimmsten. Aber auch an den Wänden, in den Ecken: überall Schimmel.

Redoors Mutter Rebea Nader ist deshalb sehr besorgt. Mit ihren drei Kindern lebt die 38-Jährige in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Sie gehört zu den sogenannten dezentralen Unterkünften für Asylsuchende. Solche Unterkünfte in Wohnungen wurden 2015, in der großen Flüchtlingswelle, eingerichtet. Sie waren vor allem für Familien gedacht, damit sie nicht in großen Sammelunterkünften leben müssen. Die waren damals aufgrund der Flüchtlingsströme auch voll und man erhoffte sich von der Wohnsituation in den Gemeinden auch, dass die Familien besser integriert werden.

Kinder mit Atemproblemen

Rebea Nader wohnt seit 2015 in der Neugersdorfer Wohnung. Sie kam damals mit ihren drei Kindern allein aus der Region Kurdistan im Irak. Der Landkreis hat die Wohnung angemietet und der Familie zugeteilt. Ihre beiden älteren Jungs schlafen im Kinderzimmer, das vom Schimmelbefall am schlimmsten betroffen ist.

Ihr Ältester ist inzwischen 19, macht in der Gaststätte "Pavillon" in Neugersdorf eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Der mittlere ist 17, Redoor, der Jüngste, neun Jahre alt. Der Mittlere zeigt bereits gesundheitliche Probleme, die Rebea Nader auf den Schimmel zurückführt. Vor allem morgens, nach dem Aufwachen, hat der Junge oft Probleme mit den Atemwegen. Er niest, manchmal minutenlang, erzählt der 17-Jährige. Einmal hat die Lehrerin ihn aus der Schule wieder nach Hause geschickt, weil er so nieste und hustete. Und sich bei der Mutter beschwert, dass sie ihn mit Erkältung in die Schule schickte, erzählt Rebea Nader. Sie vermutet aber vielmehr, dass er allergisch auf den Schimmel in seinem Zimmer reagiert.

Rebea Nader schläft mit dem Jüngsten im Wohnzimmer. Auch dort lauert überall an den Außenwänden Schimmel. In den Fensterlichten ist alles feucht, teilweise löst sich durch die Nässe schon die Tapete. "Das ist nicht gesund", sagt die Mutter. Sie hat große Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder.

Am falschen oder mangelhaften Lüften könne es nicht liegen, sagt Rebea Nader. "Jeden Tag, wenn die Kinder morgens los sind in die Schule, mache ich in allen Zimmern die Fenster auf."

Immer wieder hat sie im Drogeriemarkt Schimmelspray gekauft, die schwarzen Stellen an den Wänden eingesprüht. Das hilft aber immer nur kurzfristig. Nach spätestens einer Woche sind die Flecken wieder da, erzählt die alleinerziehende Mutter. Inzwischen hat sie es aufgegeben, mit Schimmelspray in der Wohnung zu hantieren. "Es bringt ja nichts."

Landkreis mietet Asylwohnungen an

Am Fenster im Wohnzimmer löst sich durch die Feuchtigkeit schon die Tapete ab.
Am Fenster im Wohnzimmer löst sich durch die Feuchtigkeit schon die Tapete ab. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Zuständig für das Problem ist in erster Linie das Görlitzer Landratsamt. Es mietet die Asylwohnungen an und teilt sie Flüchtlingsfamilien zu. 2015 startete der Landkreis eine große Offensive und suchte Wohnungen in den Gemeinden. Wohnungseigentümer waren aufgerufen, freien Wohnraum anzubieten. Insgesamt 106 Wohneinheiten hat der Landkreis derzeit angemietet, teilt die Behörde auf Nachfrage mit. Sie sind weitestgehend ausgelastet. Sechs weitere werden deshalb im Januar noch hinzukommen. Aktuell befinden sich die Wohnungen in Zittau, Löbau, Ebersbach-Neugersdorf, Niesky, Rothenburg, Görlitz und Weißwasser. Gezahlt werden die ortsüblichen Mieten an die jeweiligen Vermieter.

Lösung bahnt sich an

Solche Probleme mit den baulichen Zuständen, wie sie Rebea Nader schildert, sind dabei eher selten. "Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Wohnungen auch in einem bewohnbaren Zustand sind", teilt Kreissprecherin Franziska Glaubitz auf Nachfrage mit. Geprüft werde das in regelmäßigen Abständen bei Vor-Ort-Begehungen. "Sollten zwischenzeitlich Mängel auftreten, werden umgehend Alternativen gesucht und angeboten", so Franziska Glaubitz.

Wie Rebea Nader sagt, sei das aber in ihrem Fall bisher nicht passiert. Sie habe sich bei der Kreis-Behörde um einen Wohnungswechsel bemüht. Doch das sei nicht möglich, habe man ihr am Telefon gesagt. Mehrmals habe sie angerufen, aber keine zufriedenstellende Auskunft bekommen. Man habe sie auf nächstes Jahr vertröstet. "Das geht doch nicht! Ich weiß nicht, was ich machen soll." Die Gesundheit ihrer Kinder steht für die Mutter an erster Stelle.

Aus Datenschutzgründen kann das Landratsamt zu dem konkreten Fall aus Neugersdorf keine Auskunft geben. Doch eine Lösung scheint auch hier in Sicht: Das Landratsamt hat zumindest jetzt einen Vor-Ort-Termin anberaumt. Der soll am 5. Januar stattfinden.