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Neue Chance für Löbaus Schwimmhalle?

Im Mai hatte eine Firma aus Herzberg das eingefallene Gebäude für einen hohen Preis ersteigert. Nun werden die Karten wieder ganz neu gemischt.

Die alte Armee-Schwimmhalle in Löbau verfällt immer mehr. Sie ist seit Jahrzehnten ungenutzt.
Die alte Armee-Schwimmhalle in Löbau verfällt immer mehr. Sie ist seit Jahrzehnten ungenutzt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Löbauer Schwimmhalle ist auch ein Thema im aktuellen Wahlkampf um den Posten des Oberbürgermeisters in Löbau. Denn die Zukunft des ehemaligen Armeegeländes bewegt die Löbauer. Das Problem: Das Gebiet ist völlig zerklüftet, was die Eigentumsverhältnisse anbelangt. Viele Eigentümer wären also an einen Tisch zu bringen, wollte man für das Armeegebiet ein Konzept entwickeln. Eine ganz konkrete Idee für die Zukunft des Viertels hat deshalb bislang auch noch keiner der Oberbürgermeisterkandidaten benennen können.

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Hinzu kommt: Die Gebäude stehen größtenteils unter Denkmalschutz. Ein Abriss ungenutzter Objekte ist also nicht ohne Weiteres möglich.

Zum Armeegebiet gehört auch die frühere Schwimmhalle, die am Rand des Areals in der Georgewitzer Straße liegt. Inzwischen muss man sie regelrecht suchen, zwischen Bäumen und Gestrüpp ist das Gebäude von der Straße aus kaum mehr zu sehen.

Für ein Vielfaches versteigert

Nach einer Versteigerung im Frühjahr dieses Jahres ist ihre Zukunft nun wieder völlig offen. Für 70.000 Euro hatte die Lüvest GmbH aus Herzberg das marode Gebäude an der Georgewitzer Straße im Mai dieses Jahres ersteigert. Das Kuriose: In der Ausschreibung des Gerichts wurde der Wert mit einem Euro angegeben. Was die Firma damit vorhatte, ließ sich nicht herausfinden. Trotz intensiver Recherchen gelang es SZ nicht, den Firmeninhaber zu erreichen. Auch auf Anrufe und Sprachnachrichten reagierte er nicht.

Was sich stattdessen herausstellte, las sich wie ein Wirtschaftskrimi. Der Geschäftsführer war schon mehrfach negativ aufgefallen und sogar verurteilt worden. An der angegebenen Firmenadresse in Herzberg ist eine entsprechende Firma nicht bekannt. Nachbarn haben noch nie etwas davon gehört und schildern, dass es dort keine Geschäftstätigkeit gebe. Und auch in anderen Städten hat der Lüvest-Geschäftsführer marode Objekte gekauft und dann weiter verfallen lassen.

Dasselbe Schicksal drohte nun offenbar der Löbauer Schwimmhalle. Denn, wie ein Sprecher des Görlitzer Amtsgerichts gegenüber SZ bestätigt, hat die Lüvest GmbH den Kaufpreis nicht bezahlt. Die Summe muss innerhalb einer bestimmten Frist beim Gericht eingehen, das Geld wird dann auf die Gläubiger verteilt. Die Frist ist längst verstrichen. Wird nicht gezahlt, beginnt das Prozedere wieder von vorn. Im Fall der Löbauer Schwimmhalle ist nun bereits die Wiederversteigerung angeordnet worden, bestätigt das Gericht. Einen konkreten Termin für eine erneute Versteigerung gibt es noch nicht.

Schwimmhalle sollte abgerissen werden

Solange haftet jetzt die Lüvest GmbH, sollte auf dem Gelände etwas passieren, erklärt der Gerichtssprecher. Warum die Firma so ein Areal überhaupt erst gekauft hat, kann er sich nicht vorstellen. Immerhin ist aber bereits ein Geldbetrag an das Gericht geflossen, zehn Prozent der Ersteigerungssumme muss der Käufer als Sicherheit gleich bezahlen.

Bei der ersten Versteigerung im Mai dieses Jahres hatte auch die Stadt Löbau mitgeboten. Sie wollte das Gelände erwerben als Ausgleichsfläche für das neue Gewerbegebiet, das an der B178 entstehen soll. Die Schwimmhalle sollte dafür abgerissen werden.

Werden Flächen durch so einen Bau versiegelt, muss anderswo Ausgleich geschaffen werden. Die Stadt hatte deshalb bereits Privateigentümer gesucht, die bereit wären, nicht genutzte Brachen abzugeben. Die könnten dann zum Ausgleich abgerissen werden.

Wird die Stadt wieder mitbieten?

Mit der erneuten Versteigerung bietet sich nun für die Stadt die Chance, wieder mitzubieten und so doch noch zu den Ausgleichsflächen zu kommen und mit der Schwimmhalle auch einen großen Schandfleck verschwinden zu lassen.

Zurzeit könne man aber noch nicht sagen, ob die Stadt sich erneut an einer Versteigerung beteiligen will, so Stadtsprecherin Eva Mentele auf Nachfrage. Der ganze Prozess werde jetzt eine Weile dauern, bis es einen erneuten Termin gibt. "Das entscheiden wir dann zu gegebener Zeit", so Mentele.

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