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Leer, kaputt - keine Werbung fürs Umgebinde

An der Hauptstraße stehen in Ebersbach etliche unbewohnte Umgebindehäuser - ausgerechnet dort, wo die Umgebindehausstraße entlang führt.

Auch für das große Umgebindehaus mit der Hausnummer 153 an der Hauptstraße in Ebersbach wird ein Interessent gesucht, der es wieder saniert. Schließlich führt hier die Umgebindehausstraße entlang.
Auch für das große Umgebindehaus mit der Hausnummer 153 an der Hauptstraße in Ebersbach wird ein Interessent gesucht, der es wieder saniert. Schließlich führt hier die Umgebindehausstraße entlang. © Matthias Weber/photoweber.de

Dreckige und kaputte Fenster, in denen der Wind mit den Resten von Gardinen spielt, darüber ein einstmals schönes Schieferdach, das mittlerweile undicht zu sein scheint - das große Umgebindehaus mit der Hausnummer 153 an der Hauptstraße in Ebersbach - auch bekannt als der ehemalige Betrieb "Hosen-Richter" - hat schon wesentlich bessere Zeiten erlebt. René Radinski würde das Haus auch am liebsten sofort verkaufen. Aber das ist nicht so einfach.

Der Immobilien-Makler ist vom Eigentümer beauftragt, das Umgebindehaus zu veräußern. Seit 2016 versucht er das nun schon. Und auch davor stand das Gebäude bereits einige Zeit lang leer. Vier bis fünf Interessenten haben sich seitdem für das Umgebindehaus interessiert. Der Letzte erst im vergangenen Jahr. Aber auch er ist dann abgesprungen.

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1850 erbaut, steht auf dem historischen Türstock. "Zu verkaufen!" steht darunter auf einem großen Schild an der Haustür. Nicht mehr lange, dann sind Jahreszahl, Schild und Hausnummer nicht mehr zu sehen und vom Wildwuchs zugewachsen. Besser wird es dadurch nicht.

1850 steht auf dem Türstock des Umgebindehauses an der Hauptstraße in Ebersbach. Die Eingangstür des leerstehenden Umgebindehauses ist schon fast mit Wildwuchs zugewachsen.
1850 steht auf dem Türstock des Umgebindehauses an der Hauptstraße in Ebersbach. Die Eingangstür des leerstehenden Umgebindehauses ist schon fast mit Wildwuchs zugewachsen. © Matthias Weber/photoweber.de

René Radinski kennt sich aus mit dem Verkauf von Umgebindehäusern. Nicht nur in Ebersbach hat er sich schon darum gekümmert. Einen Käufer für eines an einer vielbefahrenen Hauptstraße zu finden, ist aber so schon schwierig genug. Erst recht, wenn, wie bei dem Gebäude mit der Hausnummer 153 an der Hauptstraße, viel daran zu machen ist und es eine Wohnfläche von 350 bis 400 Quadratmetern hat.

So sind es eher Schandflecke

Was müssen wohl Touristen denken, wenn sie durch Ebersbach-Neugersdorf fahren? Diese Frage hat sich jetzt eine Kottmarsdorferin gestellt, als sie mit ihrem Fahrrad durch Ebersbach fuhr. Viel zu viele Umgebindehäuser stehen hier an der Hauptstraße leer oder sind stark sanierungsbedürftig. Dabei führt doch gerade hier entlang die Umgebindehausstraße. "Mir ist das jetzt erst mit dem Fahrrad so richtig aufgefallen, weil man sich da mehr Zeit für die Umgebung nimmt", erzählt die Kottmarsdorferin. Dabei gebe es doch auch in Ebersbach und anderswo Beispiele von schön sanierten Umgebindehäusern.

Es ist ja auch nicht so, dass Umgebindehäuser keiner will, berichtet der Makler. Viele Interessenten für so ein Haus haben aber klare Vorstellungen. Oftmals soll es nicht zu sanierungsbedürftig sein. Und an keiner viel befahrenen Straße liegen, nicht zu dicht am Nachbarhaus stehen und einen großen Garten haben, schildert er.

Etwa 700 Umgebindehäuser gibt es allein noch in der gesamten Stadt Ebersbach-Neugersdorf. Viele davon sind liebevoll gepflegt. Eine Häufung von Umgebindehäusern tritt vor allem in Ebersbach entlang der B96 sowie rechts- und linksseitig der Bundesstraße in den Nebenstraßen auf. In Neugersdorf stehen die meisten Umgebindehäuser im Bereich August-Bebel-Straße sowie zwischen Hutung und Pestalozzistraße, berichtet Stefan Halang. Er ist der Wirtschaftsförderer der Stadt und auch für den Tourismus zuständig.

Zu Fuß sollen die Gäste die Umgebindehäuser entdecken

"Die Route der Umgebindehausstraße führt allerdings bewusst über die Hauptverkehrsstraßen, da es vermieden werden soll, dass Besucher irgendwo in den engen Gassen rumfahren", schildert er. Dennoch weiß die Stadt natürlich, dass gerade in den Nebenstraßen viele top-gepflegte Umgebindehäuser stehen.

Deswegen gibt es in Ebersbach-Neugersdorf entlang der Route Informationsplätze. "Die dienen quasi dazu, sich einen ersten Überblick zu verschaffen und dann von dort aus über Fußwegrouten das Gebiet zu erkunden", schildert Stefan Halang. Die Infoplätze sind ausgeschildert und auch digital einsehbar.

In Ebersbach-Neugersdorf sind insgesamt vier Fußwegruten vorgesehen - jeweils zwei pro Ortsteil. Diese können dann entweder jeweils als kleine oder als große Runde gelaufen werden. "So kann jeder Gast individuell entscheiden, welchen Umfang seine Tagestour haben soll", fügt der Wirtschaftsförderer hinzu. Und vielleicht weckt es bei dem einen oder anderen Wanderer Interesse und er bekommt Lust darauf, so ein Haus zu sanieren, hofft die Stadt.

Auf den Zustand der Häuser kann die Stadt allerdings kaum Einfluss nehmen, da sie bis auf wenige Ausnahmen in Privatbesitz sind. Die Oberlausitzer Umgebindehausstraße verläuft als Ringweg durch sieben Orte. Zu ihnen gehören neben Ebersbach-Neugersdorf die Gemeinden Großschönau, Mittelherwigsdorf, Oderwitz, Kottmar sowie die Städte Herrnhut und Seifhennersdorf. Sie wurde 2015 als siebente Regionalstrecke der Arbeitsgemeinschaft "Deutsche Fachwerkstädte" angeschlossen.

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