merken
PLUS Löbau

Neuer Ärger um Photovoltaik-Unternehmen

Jüngst scheitert eine Firma aus dem Raum Bautzen vor Gericht wegen eines miesen Tricks. Die Löbauer Schützen sammeln gerade auch leidvolle Erfahrungen.

Günter Nentwig, Vorsitzender der Privilegierten Schützengesellschaft Löbau, hat mit der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Schützenhauses bisher bloß Ärger.
Günter Nentwig, Vorsitzender der Privilegierten Schützengesellschaft Löbau, hat mit der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Schützenhauses bisher bloß Ärger. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das hatte sich Günter Nentwig, Vorsitzender der "Privilegierten Schützengesellschaft Löbau", so schön für seinen Verein vorgestellt: Das Dach des Schießstandes in der Georgewitzer Straße voller Photovoltaik-Paneele - und mit den Pachteinnahmen dafür und einem Teil der Einspeisevergütung für den Öko-Strom hätte der Verein ein hübsches Zubrot in der Kasse. Doch bis heute liefert die Dachfläche keine einzige Kilowattstunde. Und Nentwig und sein Verein haben nichts als Ärger mit dem Erbauer dieser Anlage - der erst jüngst mit einem windigen Trick bei einem anderen Kunden vor dem Landgericht Görlitz scheiterte.

"Wir fühlen uns über den Tisch gezogen", sagt der Vereinsvorsitzende. Denn nach der ursprünglichen Idee sollten schon seit dem März rund 500 Solar-Paneelen Strom erzeugen. "Verlegt sind bisher 75 - und die sind nicht angeschlossen", sagt Nentwig. Dabei hatte es so hoffnungsvoll angefangen: "Durch Schützenbrüder eines anderen Vereins wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir unser Dach ja auch für eine Photovoltaik-Anlage verpachten könnten", sagt Nentwig. Solche Dachflächen sind bundesweit gefragte Investitionsobjekte.

UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand
Willkommen im UnbezahlbarLand

Was ist eigentlich das Unbezahlbarland? Warum ist der Landkreis Görlitz Unbezahlbarland? Hier finden Sie alle Infos.

Da traf es sich anscheinend gut, dass der Erbauer der versprochenen Anlage aus dem Raum Bautzen auch gleichzeitig Mitglied bei den Löbauer Schützen ist. So kam es zu einem Kontakt mit dem Berliner Investor Tino Schumacher, dem die Photovoltaik auf dem Löbauer Schießstand ein lohnendes Renditeobjekt schien. Doch der hält das Geschäftsgebaren des Photovoltaik-Unternehmens mittlerweile nicht mehr bloß für unseriös, sondern auch für strafbar. 

Immer neue "Behinderungen" angezeigt

Im August 2019 vereinbarte Investor Schumacher mit dem Unternehmen einen  Werkvertrag - oder zumindest einen Vertragsentwurf, das ist noch streitig - über die schlüsselfertige Errichtung dieser Photovoltaik-Anlage mit einer Spitzenleistung von 150 Kilowattstunden. Vereinbarter Inbetriebnahme-Termin war November 2019, wobei der Vertrag eine Fristverlängerung für Bauunterbrechung oder Behinderung für Umstände vorsah, "die nicht vom Auftragnehmer zu vertreten sind".

Vereinbart war ein Preis von 192.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, insgesamt also 228.480 Euro. Über einen Teil dieser Summe nahm Tino Schumacher auch einen Kredit auf. "Der kostet mich rund 1.000 Euro im Monat", sagt er. Insgesamt leistete Schumacher in mehreren Tranchen bis November 2019 Zahlungen in Höhe von 203.000 Euro an die  Firma.

Die ursprüngliche Baufrist war bereits verstrichen, als der Auftragnehmer im Dezember erstmals eine "Behinderung" anzeigte. "Hiermit teilen wir mit, dass sich die Fertigstellung der Anlage aufgrund von Witterungsverhältnissen auf 3/2020 verschiebt", schreibt das Unternehmen am 17. Dezember, verspricht aber gleichzeitig eine Teil-Inbetriebnahme im Januar 2020. "Das waren alles Ausreden", sagt Tino Schuhmacher, der sich langsam aber sicher getäuscht sah. Dennoch: Mit Schreiben vom 5. März 2020 garantiert das Unternehmen eine Fertigstellung zum 31. März, nur um kurz später eine weitere "Behinderung" anzuzeigen - diesmal wegen Corona.

Laut Gutachten alles Murks

Einen nennenswerten Baufortschritt hatte Tino Schumacher während der ganzen Zeit nicht beobachten können. Tatsächlich waren 75 Paneelen verbaut worden mit einer Spitzenleistung von 22,5 Kilowattstunden - ein Anschluss dieser ans Stromnetz aber nicht möglich. Die Einspeisung ins Stromnetz war an der dem Schießstand benachbarten alten Schwimmhalle vorgesehen. Dort aber reicht die Leistung für so eine Strommenge nicht aus. Die Stadtwerke Löbau hatten dem Photovoltaik-Unternehmen daher bereits im August 2019 mitgeteilt, dass die Einspeisung nur am rund 130 Meter entfernten Klärwerk von Löbau stattfinden könne. "Und dazwischen fließt das Löbauer Wasser, was den Anschluss natürlich viel aufwendiger macht", sagt Schumacher.

Weil ihm der Geduldsfaden riss, ließ er im August 2020 schließlich ein Gutachten über Umfang und Güte der bereits vorgenommenen Installation erstellen. Und das kam zu dem Schluss: Es wurde viel zu wenig errichtet - und das ist auch noch Murks. Demnach seien die verlegten Module "mangelhaft montiert". Wegen zu geringer Abstände könnte es bei Wärmeausdehnung zu Schäden an den Modulen kommen. "Eine Neumontage dieses Modulfeldes wird angeraten", heißt es in dem Gutachten. Auf weiteren vorgesehenen Modulfeldern attestiert das Gutachten eine mangelhafte Unterkonstruktion. Weiterhin bemängelt das Gutachten eine vollständig fehlende Dokumentation der Anlage.

Tino Schumacher hat den Werkvertrag nun gekündigt und Klage beim Landgericht Görlitz eingereicht. Er fordert von der Firma Rückzahlung und Schadenersatz in Höhe von insgesamt rund 161.000 Euro. "Der Staatsanwaltschaft Berlin liegt außerdem eine Betrugsanzeige vor", sagt er. Vor dem Landgericht Görlitz ist jene Firma jedenfalls erst vor wenigen Tagen krachend gescheitert. Sie hatte den Ostritzer Stadtrat Thomas Göttsberger auf Zahlung einer ebenfalls bis heute unfertigen Photovoltaik-Anlage verklagt. Doch für einen unrechtmäßigen Trick gab's dafür vom Gericht die Rote Karte. Ob ihm das alles noch nutzt, da ist Tino Schumacher skeptisch: "Wahrscheinlich werde ich den Prozess gewinnen, aber mein Geld verlieren, weil die Firma dann Insolvenz anmeldet."

SZ hat die betroffene Firma um eine Stellungnahme gebeten. Deren "technischer Leiter" teilt telefonisch mit, dass die Schuld an den Verzögerungen nicht bei der Firma liege, sondern an "der fehlenden Mitwirkungspflicht" von Tino Schumacher. Demnach verlange man von diesem eine "Haftungsfreistellung" für den Fall, dass die Anlage falsch errichtet worden oder nicht anschlussfähig sei. Entgegen der (SZ vorliegenden) Notiz der Stadtwerke Löbau an ihn bezüglich des möglichen Einspeisepunktes vom August 2019, erklärt der "technische Leiter", dieses Schreiben liege ihm nicht vor. Zum erstellten Gutachten sagt er: "Ein einseitiges Gutachten. Das können Sie an die Wand nageln und sonst nichts."

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Löbau