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Das waren mal die Löbauer Alltagssorgen

Was in den 1960er Jahren den Einwohnern missfiel – und wie auf Kritiken reagiert wurde.

Von Bernd Dreßler
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Mit dieser Karikatur versuchte die „Oberlausitzer Rundschau“ das Schweigen des Löbauer Gaswerkleiters zu einem Versorgungsproblem zu brechen.
Mit dieser Karikatur versuchte die „Oberlausitzer Rundschau“ das Schweigen des Löbauer Gaswerkleiters zu einem Versorgungsproblem zu brechen. © Erhard Wenzel

Über welche städtischen Probleme redeten die Löbauer um 1960 am Stammtisch, worüber erregten sie sich beim Bäcker oder machten gar mit einer Eingabe ans Rathaus oder einem Leserbrief an die Zeitung ihrem Herzen Luft?

Ein Aufreger waren die vielen auf den Bürgersteigen herumliegenden Haufen. Nein, nicht die von Hunden, sondern die, die der Kohlenhändler hinterlassen hatte. Das schwarze Gold war damals das wichtigste Heizmaterial. Doch offenbar fehlte es an geeigneten Lagermöglichkeiten. Da ein Haufen an der Zollstraße hinter dem „Oberlausitzer Hof“, dort einer am Stadtbad an der Blumenstraße. Und, gewissermaßen als i-Punkt, ein Haufen in bester Zentrumslage an der Kreisverwaltung der staatlichen Handelsorganisation (HO) am Theaterplatz, der zudem bei Wind viel Staub aufwirbelte.

Der HO-Direktor stellte sich der Kritik, er sagte aber auch unverblümt, wie Arbeitskräftemangel und unzureichende Technik-Ausstattung in der DDR solche Haufen begünstigten: „Da unsere Kollegen Heizer in den Sommermonaten überwiegend bei Volksfesten eingesetzt sind, war es für uns schwierig, nebenbei noch die Kohleinlagerung ordnungsgemäß durchzuführen. Inzwischen erhielten wir bereits einen neuen Posten Kohle, wovon noch ein Rest übrig geblieben ist, weil uns das Förderband abgezogen wurde.“

Die Gemüter in Wallung brachten auch schlechte Straßen – nicht nur die in Löbau selbst, sondern auch die, die von der Kreisstadt bzw. von Rosenhain nach Bellwitz und Georgewitz führten. Ein Kraftfahrer brachte das so auf den Punkt: „Man fällt förmlich von einem Schlagloch ins andere. Ganz schlimm ist es, wenn man in den Abend- oder Nachtstunden diese Tour unternimmt. Wann wird hier etwas verändert?“ Der Georgewitzer Bürgermeister antwortete mit einer guten und mit einer schlechten Nachricht: Für die Landstraße zweiter Ordnung Löbau-Georgewitz sei eine Generalreparatur des Staatlichen Straßenunterhaltungsbetriebes mit Aufziehen einer Asphaltdecke bereits im Gange. Für die Kommunalstraße nach Rosenhain dagegen fehlten auf lange Sicht die Mittel, hier könne man nur immer wieder provisorisch flicken.

Wenn auch diese Reaktion gemischte Gefühle hervorgerufen haben dürfte – es war zumindest eine. Das Löbauer Gaswerk dagegen hüllte sich bei einem anderen sehr gravierenden Problem in tiefes Schweigen. 1963, mitten im Sommer, wo auf die seinerzeit dominierenden Kohleherde angesichts der Temperaturen verzichtet wurde, lieferte es mal Gas, mal nicht und brachte Hausfrauen, die auf einem Gasherd das Mittagessen kochen wollten, zur Verzweiflung. Über Monate mahnte die Löbauer Kreiszeitung „Oberlausitzer Rundschau“ den Betriebsleiter, doch endlich zu antworten – ohne Erfolg. Schon vor gut 55 Jahren galt demnach, dass sich unbequeme Dinge bequem aussitzen lassen.

Aber die Löbauer Alltagssorgen der Sechziger Jahre sind zum Glück nicht die von heute. Oder doch? Vandalismus auf dem Alten Friedhof beschäftigte damals nicht nur einmal die Ordnungshüter. Sie hätten jedoch mit dem Kopf geschüttelt, wäre ihnen prophezeit worden, dass diese schöne Anlage auch nach dem Jahr 2000 noch wegen Zerstörungswut für Negativschlagzeilen sorgen wird.