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So sieht der FC Oberlausitz seine Zukunft

Der mit Abstand stärkste Fußballverein des Landkreises fühlt sich in der Oberliga richtig. Aber geht noch mehr?

Von Frank Thümmler
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Neugersdorfs Trainer Stefan Fröhlich steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss den Kader mehr umbauen als gedacht.
Neugersdorfs Trainer Stefan Fröhlich steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss den Kader mehr umbauen als gedacht. © Florian Richter

Neugersdorf. In nur zwei Wochen startet der FC Oberlausitz Neugersdorf mit einem Auswärtsspiel beim Aufsteiger SC Freital in die nächste Oberliga-Saison. Die Vorbereitung ist in vollem Gang. Am Sonnabend spielte der FCO bei der U 23 des tschechischen Erstligisten FK Jablonec und unterlag mit 0:2. Die Ergebnisse sind derzeit zweitrangig, eher geht es für Trainer Stefan Fröhlich darum, die Mannschaft neu zusammenzufügen und einspielen zu lassen.

Wobei sich auch das alles andere als einfach gestaltet: Nach Jablonec waren die Neugersdorfer gerade mal zwölf Spielern angereist, alle anderen Spieler waren in Urlaub oder verletzt. Die Spieler hatten nach einer intensiven Trainingswoche schwere Beine und hielten das Spiel völlig offen. Die Tore fielen durch eine Bogenlampe nach Torwartpatzer nach gut einer Stunde und einen Konter. Der Anschlusstreffer des FCO wurde streitbar wegen Abseits aberkannt.

Weiter geht die Vorbereitung am Mittwochabend (18.30 Uhr) mit einem Spiel in Königswartha.

Ausgangsposition scheint gut zu sein

Nach der Corona-Pause im Winter hatten sich die Neugersdorfer mit einer Siegesserie relativ schnell aus der Abstiegszone befreit und sind auch danach nie wieder ernsthaft in Gefahr geraten. „Wir hatten auch das Glück, dass wir relativ wenig Ausfälle hatten. Gerade unsere Leistungsträger konnten fast immer spielen, und damit sind dann auch die positiven Ergebnisse gekommen“, sagt Stefan Fröhlich.

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Besonders dürfte den Fans der 6:2-Heimsieg im Derby gegen Budissa Bautzen bleiben. Am Ende der wegen der Corona-Pandemie relativ chaotischen Saison stand immerhin der sechste Tabellenplatz mit 40 Punkten aus 29 Spielen. Der Liga geht der absolute Dominator (und Publikumsmagnet) Rot-Weiß Erfurt verloren. Stellt sich da für den FC Oberlausitz die Frage, ob vielleicht sogar die Regionalliga zumindest mittelfristig wieder ein Ziel wäre?

Oberliga ist die richtige Liga

Rein sportlich scheint derzeit die Regionalliga zu strak, die Sachsenliga nicht attraktiv genug. „Das Potenzial an Spielern ist hier nicht gegeben. Man müsste also nahezu alle Spieler einkaufen und entsprechend bezahlen. Das aber ist wirtschaftlich in unserer Region derzeit nicht möglich“, sagt FVO-Pressesprecher Markus Becker. Dazu kämen Auflagen wie ein entsprechendes Flutlicht, die in Neugersdorf derzeit nicht zu erfüllen sind.

„Deshalb ist das Szenario Regionalliga derzeit unrealistisch““, erklärt Becker, der prophezeit, dass es auch für andere „kleine“ Vereine in der Regionalliga immer schwieriger werden wird. In der abgelaufenen Saison hat es Auerbach getroffen, die Vereine aus Halberstadt und Meuselwitz um Beispiel könnte es in dieser oder einer der nächsten Spielzeiten ebenfalls treffen. „Die Übermacht der Mannschaften aus dem Berliner Raum ist in der Regionalliga einfach zu groß“, sagt Becker. Allein an den Finanzen liege das aber nicht.

Finanzen auf breiten Schultern

Die Zeiten des alles dominierenden Hauptsponsors in Neugersdorf sind vorbei. „Wir sind froh, dass wir diesen Sprung vom Großsponsor Ernst Lieb, der viele Jahre hier im Verein ganz viel gemacht hat und dem wir dafür sehr dankbar sind, hin zu einer vernünftigen Form heute geschafft haben. Heute ist das alles auf viele breite Schultern gestellt. Daran arbeiten wir und sind auch ziemlich weit, was die südliche Oberlausitz betrifft. Ich kann sagen, dass wir heute auf sehr guten finanziellen Möglichkeiten stehen“, sagt Markus Becker.

Zwiespalt beim Aufsteiger Freital

Die Oberliga würde natürlich durch noch mehr Mannschaften aus der Region (neben Neugersdorf derzeit Bischofswerda und Bautzen) attraktiver, auch weil die Namen einiger Konkurrenten auch Fußballkennern nur wenig sagen (zum Beispiel Fahner Höhe, Westerhausen, Ludwigsfelde oder Sandershausen) und Zuschauer nicht zusätzlich anlocken. Der Sachsenliga-Aufsteiger SC Freital ist damit fast ein Derby.

Stefan Fröhlichs Meinung ist da zwiegespalten: „Einerseits ist es eine kurze Fahrt und schon so etwas wie ein Derby, andererseits konkurrieren wir um dieselben Spieler. Und für diejenigen aus dem Dresdner Raum ist Freital eben auch näher als Neugersdorf. Und obwohl wir einen Kleinbus für jedes Training und Spiel bereitstellen, entscheiden sich doch nicht wenige Spieler für unsere Konkurrenten“. Auch Bischofswerda und Bautzen liegen ja deutlich näher als Neugersdorf an der Landeshauptstadt. Ein wenig fällt da den Neugersdorfern die geografische Lage an der Landesgrenze auf die Füße.

So groß ist der Umbruch im Kader

Der Aderlass war diesmal groß. „Da schwingt schon Enttäuschung mit, weil einige Spieler uns bis zuletzt Hoffnung gemacht oder schon fast zugesagt haben, dann aber kurz vor der Angst doch gegangen sind. Ein Wort gilt eben heute nicht mehr viel“, sagt Stefan Fröhlich. Gegangen sind von Brezinski (nach Freital), Schober und Rietschel (nach Bischofswerda), Asllani (nach Oderwitz) und Magdeburg (nach Zorbau) – alles Spieler zwischen 19 und 22 Jahren. Dazu sind vier A-Junioren, die eigentlich in den Oberligakader wechseln sollten, nach Bischofswerda gegangen. Das ist bitter für einen Verein, der auf die Ausbildung von Nachwuchsspielern setzt, dann aber oft die Früchte nicht einfahren kann, weil die Spieler nicht zu halten sind.

"Trotzdem wollen wir diesen Weg fortsetzen, setzen weiter auf junge Spieler aus unserem eigenen Nachwuchs und der Region. Als Region verstehen wir dabei auch Tschechien und Polen“, sagt Markus Becker. Geholt wurden Torwart Zlatan Kostal (21, aus Neustrelitz), Stürmer David SolajaDavid Solaja (23, FK Horomerice), Innenverteidiger Pitt Krahl (22, Motor Wilsdruff), Mittelfeldspieler Lukas Travnicek (22, FK Loko Vltavin) und Abwehrspieler Paul Körne (19, Budissa Bautzen U 19). Dazu wechseln drei Spieler aus der eigenen A-Jugend in den Männerkader. Trainer Stefan Fröhlich hat also viel Arbeit, Automatismen wieder herzustellen.

Saisonziel nur vorsichtig

Unter diesen Umständen ist es schwierig, wirklich offensiv ein Saisonziel zu nennen. „Für uns kann es nur darum gehen, den Klassenerhalt zu schaffen“, sagt deshalb Fröhlich. Und die engen Kader in der Vorbereitung – schon bei den Spielen in Jänkendorf und gegen Dynamo Dresden hatte der Trainer nur einen Bruchteil des eh nicht allzu breiten Kaders zur Verfügung. Und so wird auch in dieser Saison viel davon abhängen, dass Spieler von Sperren, Verletzungen und Corona verschont bleiben, Und dann gibt es noch mehr Unsicherheiten: Zum Beispiel, ob ganzjährig unter Flutlicht trainiert werden kann, wenn wegen des andauernden Ukraine-Krieges überall Energie gespart werden muss …