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So lief das mit der Telefon-Vermittlung

Wer in der DDR ein Ferngespräch führen wollte, brauchte bis in die 1960er Jahre die Telefonistinnen der Deutschen Post. Auch in Löbau.

Viel Platz wurde gebraucht: Hier präsentiert ein Mitglied der Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik, die in Dresden das Fernmeldemuseum am Postplatz betreibt, das Fernsprechvermittlungssystem S 50.
Viel Platz wurde gebraucht: Hier präsentiert ein Mitglied der Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik, die in Dresden das Fernmeldemuseum am Postplatz betreibt, das Fernsprechvermittlungssystem S 50. © SZ-Archiv/Jürgen Lösel

Egal, ob man einen Gesprächspartner im In- oder Ausland anrufen möchte, heutzutage ist das kein Problem. Bei Bedarf ist höchstens noch ein Blick ins Vorwahlverzeichnis nötig, und dann wird selbst gewählt. Vor Jahrzehnten sah das noch ganz anders aus, die flächendeckende Einführung des Selbstwähldienstes war noch nicht abgeschlossen. Wer über sein Ortsnetz hinaus telefonieren wollte, brauchte die Fernmeldeämter der Deutschen Post, deren Mitarbeiterinnen den gewünschten Gesprächspartner vermittelten.

Auch Löbau besaß so ein Amt, das viel Raum für die umfangreiche Technik brauchte. Die Atmosphäre dort beschrieb die „Sächsische Zeitung“ Mitte der 1950er Jahre so: „Ununterbrochen blinken Lämpchen auf, werden Gespräche vermittelt, Auskünfte gegeben. Nur wenige Werktätige müssen sich in ihrem Beruf so konzentrieren, wie die Telefonistinnen. Aber eine jede von ihnen verrichtet ihre nervenanspannende Arbeit ruhig und gewissenhaft.“ Nach einer Schicht dürften den Telefonistinnen die Ohren von der Vielzahl gewünschter Anschlussnummern gesummt haben. Dabei mussten sie die Zahlen oft selektieren, da viele Fernsprechkunden die Ziffern nicht einzeln, sondern zusammengezogen aussprachen. So verlangten sie beispielsweise statt 3-6-5-7 den Anschluss sechsunddreißigsiebenundfünzig. Da konnte es zu Missverständnissen kommen. Mit Wirkung vom 1. März 1956 wurde deshalb im DDR-Fernsprechwesen die Einzelzifferaussprache eingeführt.

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Trotz dieser Erleichterung, die sich nicht von heute auf morgen durchsetzte, wurde den Telefonistinnen das Leben von einigen Fernsprechkunden schwergemacht. Da es mitunter etwas dauern konnte, bis wieder ein Vermittlungsplatz frei wurde, war etwas Wartezeit unvermeidbar. Das passte einigen Ungeduldigen nicht. Sie kommentierten das auf ihre Weise: „Guten Morgen! Ich wünsche gut geruht zu haben. Haben Sie jetzt ausgeschlafen?“ Oder: „Ist Ihr Kaffeekränzchen schon zu Ende?“

Wecken lassen zur Wunschzeit

Auch für den Fernsprechkundendienst waren die „Fräuleins vom Amt“ zuständig. So konnte man sich Sonntag nach 18 Uhr die Zahlen des „VEB Toto und Zahlenlotto“ ansagen lassen. Die Wettervorhersage des Rundfunks ließ sich abrufen, gegen Gebühr konnte man sich morgens zur Wunschzeit wecken lassen. Das Fernmeldeamt an der Poststraße in Löbau übernahm sogar die Rolle der damals noch nicht existenten Anrufbeantworter. „Sollten Sie den Wunsch haben, zu wissen, wer während Ihres Urlaubes bei Ihnen angerufen hat und weswegen angerufen wurde, so können Sie auch das erfahren“, hieß es in einem Werbetext. Viele dürfte diesen Service jedoch nicht in Anspruch genommen haben, da ein Telefonanschluss für einen normalen Haushalt in der DDR einem Fünfer im Lotto glich. Insofern waren auch Wartezeiten an den öffentlichen Telefonzellen bzw. bei der Fernsprechvermittlung in den Postämtern nichts Ungewöhnliches.

Übrigens gab es nicht nur die Ungeduldigen, die das „Fräulein vom Amt“ herausforderten (siehe oben). Es gab auch flirtende männliche Anrufer mit mehr oder weniger ernsten Absichten. Ob daraus am Ende ein Bund fürs Leben wurde, ist nicht überliefert. Am längsten könnte das im Amtsbereich Großschönau möglich gewesen sein, denn dort wurde erst 1964 auf den automatischen Selbstwähldienst umgestellt.

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