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Radio-Moderator macht jetzt in Alteisen

Der prominente Tscheche Peter Kumpfe eröffnet im ehemaligen Gelben Möbelhaus in Oderwitz einen Oldtimer-Handel. Ein Plan, geboren aus der Corona-Krise.

Peter Kumpfe handelt im "Gelben Möbelhaus" in Oderwitz jetzt mit Oldtimern.
Peter Kumpfe handelt im "Gelben Möbelhaus" in Oderwitz jetzt mit Oldtimern. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mitten in der Corona-Krise ein neues Geschäft zu eröffnen - das kann man echten Unternehmer-Mut nennen. Oder Wahnsinn. Jedenfalls, wenn der Geschäftsgegenstand nicht Impfstoffe oder Infektionsschutz-Ausrüstungen sind, sondern Autos - dazu noch Gebrauchtwagen. Allerdings sind es ganz besondere Autos, mit denen Peter Kumpfe handelt: Oldtimer, selten gewordenes Alteisen. Und damit fühlt sich Kumpfe in Oderwitz auch jetzt genau richtig aufgehoben.

"Ohne Corona gäb's dieses Geschäft überhaupt nicht", sagt Peter Kumpfe. Denn bis vor Kurzem waren alte Autos für den Tschechen nur ein schönes Hobby. "Bis Februar letzten Jahres war ich eigentlich ein zufriedener Moderator und Dolmetscher", sagt er. Als Moderator hat er es gerade in der Oberlausitzer Grenzregion zu Prominenz gebracht. Schon in den 90ern moderierte er gemeinsam mit dem damaligen Discjockey des Großhennersdorfer "Kulti" eine Musiksendung im Radio. Und im MDR-Hörfunk ist er seit fünf Jahren jeden Sonntag mit "Mensch Nachbar" auf Sendung. "In der Vergangenheit war ich auch schon Streckensprecher beim Lückendorfer Bergrennen oder der Oberlausitz-Rallye", erzählt er. "Ich besitze selbst mehrere Oldtimer und bin auch Mitbegründer des Technikmuseum in Liberec", erklärt er seine Auto-Liebe.

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Oldie-Ware aus Griechenland

Doch etliche Aufträge brachen dem Freiberufler mit Beginn der Corona-Krise weg. Also kam die Idee, das Auto-Hobby zum Beruf zu machen. Und die reifte gemeinsam mit einem Liberecer Freund, der ebenfalls wegen Corona seine Surfschule auf Zypern aufgeben musste. "Wir haben uns überlegt, alte Autos in Griechenland zu kaufen und in Deutschland zu verkaufen", sagt Kumpfe. Warum in Griechenland? "Wegen der dortigen Kraftfahrzeugsteuer gibt es für Luxusautos dort quasi keinen Gebrauchtwagenmarkt, weil sich Zweit- oder gar Dritt-Besitzer vielleicht noch die Anschaffung leisten könnten, aber nicht die Steuer", erklärt er. Das betreffe besonders Fahrzeuge mit großvolumigen Motoren - wie etwa alte Ami-Schlitten oder auch Mercedes. Ebenso importiert er aber auch Oldies aus Italien, Kanada oder Osteuropa.

Und als Markt für eben diese Fahrzeuge hat er nun Deutschland angepeilt und nicht seine tschechische Heimat. "Der deutsche Markt ist acht mal größer als der tschechische und kaufkräftiger", erklärt Kumpfe. Als Standort des Unternehmens komme auch nur Deutschland infrage. "Es gibt zum Beispiel in Dresden viele junge Hipster, die es cool finden, ein altes Auto zu fahren. Die würden sich das aber niemals in Tschechien kaufen", sagt er. Peter Kumpfe und sein Freund fanden noch einen tschechischen Unternehmer als Investor und das "Gelbe Möbelhaus" in Oderwitz als geeigneten Showroom. "Im September letzten Jahres haben wir dann gemeinsam die ,Fundgarage' als Unternehmen gegründet", erzählt er.

Erst ein Auto verkauft

"Wir haben hier von den Oderwitzern schon viel Zuspruch bekommen, dass wir das hier machen", erzählt Kumpfe. Ein paar Oldie-Sportler in seinem Schaufenster sorgen für Aufmerksamkeit. "Am meisten interessieren sich die Leute für den James-Bond-Wagen und den Ferrari", sagt er lachend - denn der Lotus in seinem Fenster ist gar nicht das Modell, in dem 007 in "Der Spion, der mich liebte" abtauchte und der "Ferrari" ist gar keiner, sondern ein britischer TVR - exotisch und selten sind beide Fahrzeuge trotzdem.

Peter Kumpfe hofft auf zweierlei Publikum: "So einen britischen Sportwagen oder einen Ami-Schlitten kaufen nur Leute, die Ahnung davon haben", sagt er. Für die Klientel, die es einfach nur lässig findet, ein altes aber zuverlässiges und alltagstaugliches Auto zu fahren setzt er eher auf BMW oder Mercedes. "Ich habe mich fast gewundert, wie gefragt die sind", sagt er. Wobei, "gefragt" ist hier ein sehr relativer Begriff. Denn tatsächlich verkauft hat die "Fundgarage" erst ein einziges Fahrzeug - eine 1986er Mercedes-S-Klasse aus vormaligen griechischen Staatsdiensten. "Kaum hatten wir eröffnet, mussten wir wegen des Lockdowns auch schon wieder schließen", schildert Peter Kumpfe das nicht unerhebliche Anlauf-Problem seines Unternehmens.

Der "TVR Tasmin 280" ist ein britischer Exot, ebenso wie der weiße "Lotus Éclat", der nur 223 mal gebaut wurde.
Der "TVR Tasmin 280" ist ein britischer Exot, ebenso wie der weiße "Lotus Éclat", der nur 223 mal gebaut wurde. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Im Angebot: Ausladende US-Cars und noble Sternen-Schiffe.
Im Angebot: Ausladende US-Cars und noble Sternen-Schiffe. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Das "Gelbe Möbelhaus" ist jetzt die "Fundgarage".
Das "Gelbe Möbelhaus" ist jetzt die "Fundgarage". © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Treffpunkt für Kunst- und Oldtimer-Freunde

Resignieren will Peter Kumpfe deswegen aber so kurz nach der Unternehmensgründung nicht. "Wir glauben an den Standort hier und auch daran, dass wir Kundschaft aus ganz Deutschland haben werden", sagt er. Angejahrte Mercedes oder BMW mag es bundesweit für kleines Geld bei irgendwelchen Kiesplatz-Händlern geben. Kumpfe aber setzt auf Modelle mit wenig Laufleistung.

Und beim reinen Oldtimer-Handel soll es hier direkt an der B96 in Oderwitz auch nicht bleiben. "Ich plane, hier auch kleine Konzerte oder Kunstausstellungen zum Thema Auto zu veranstalten", sagt er. Auch ein Oldtimer-Café kann er sich vorstellen oder dass die Fundgarage zum Stopp bei Ausfahrten der hier zahlreichen Oldtimerfreunde wird. "Wir wollen, dass das Haus hier wieder mehr lebt."

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