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Lohnt sich der Einkauf in Tschechien wieder?

Es sind weniger geworden, aber kühle Rechner kaufen immer noch gezielt im Nachbarland ein. Wir machen den Test.

Von Steffen Neumann

Zum Einkaufen nach Tschechien? Da war doch mal was. Noch vor zehn Jahren war die Einkaufstour ins Nachbarland für viele Sachsen völlig normal. Bei einer Fahrt in die Supermärkte im Grenzgebiet ließ sich viel Geld sparen. Und heute?

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Das Lebensniveau in Tschechien ist gestiegen, die Preise und der Wert der Krone ebenso. Auch die Mehrwertsteuer gibt es längst nicht mehr zurück. Während Tschechen die Märkte in Sachsen bevölkern, sind umgekehrt nur noch wenige Einkaufs-
pendler anzutreffen. Am Freitag vergangener Woche waren es innerhalb von zwei Stunden vor dem Albert-Supermarkt bei Teplice (Teplitz) keine zehn Autos aus Sachsen. Außerdem scheinen die wenigen, die noch da waren, das Gefühl zu haben, etwas Verbotenes zu tun. Keine Namen, keine Fotos. Aber einen Einblick in ihre Einkaufsliste gaben sie doch. Und die zeigte: Die Fahrt lohnt sich durchaus, man muss nur genau wissen, was in Tschechien günstiger ist.

„Wir kommen regelmäßig her, etwa alle zwei Monate“, sagt ein älteres Paar aus Radebeul. Der lange Weg lohne sich schon deshalb, weil sie gern in Tschechien essen gehen. Aus dem Supermarkt bringen sie immer Brot und Brötchen mit. Backwaren sind bis heute klar billiger als in Sachsen. Aber auch alkoholfreies Bier – bei deutlich größerer Auswahl. Auch beim normalen Bier kann man Schnäppchen machen. „Sie dürfen nur nicht Urquell oder Budweiser kaufen, das kriegen sie günstiger bei uns“, warnt der Mann. Nicht unwichtig bei der Fahrt nach Teplice: Der Parkplatz vor dem Einkaufszentrum Olympia, in dem sich der Supermarkt befindet, ist gut bewacht.

Alles Tschechische ist billiger

„Alles, was in Tschechien hergestellt wird, ist billiger“, haben zwei Rentner aus Holzhau eine klare Einkaufsrichtschnur. Ihr Wagen ist diesmal nicht so voll, aber der Kochschinken von der Theke muss immer mit. Dazu Hörnchen, Zöpfe, Kekse, aber auch Käse, Joghurt und Wasser sind dabei. Außerdem gab es die Flasche halbtrockenen Bohemia-Sekt im Angebot für umgerechnet 3,28 Euro, die musste natürlich mit. Für das Paar lohnt sich die Fahrt so oder so. „Für uns ist das im Prinzip der nächste große Supermarkt. Außerdem lieben wir die Natur hier“, so der Mann. Und wenn sie schon einmal hier sind, wird das Auto auch gleich gewaschen und vollgetankt. Liegt der Einkauf beim Albert über 500 Kronen (ca. 18 Euro), gibt es das Benzin in der Albert-Tankstelle sogar noch um einen Cent billiger.

Der Einkaufswagen eines Paares aus Dippoldiswalde ist wesentlich voller. Neben Wasser und Brot liegen dort zum Beispiel auch Nudeln, Birnen, Tomaten, Margarine und Mandarinen. Erstaunlich: Für keinen der Befragten spielte eine Rolle, dass Einkaufen in Tschechien durch die Abwertung der Krone seit Anfang November billiger geworden ist. Die Krone hat gegenüber damals über sechs Prozent an Wert verloren. Trotz der Befürchtungen, Importwaren könnten teurer werden, sind die Preise seitdem fast stabil geblieben.

Im Selbstversuch entpuppen sich tatsächlich erstaunlich viele Waren als günstiger. Im direkten Vergleich mit dem Real in Bannewitz verliert der tschechische Supermarkt unterm Strich beim Wocheneinkauf zwar. Aber in bestimmten Warengruppen ist es im Albert eindeutig billiger. Von Backwaren war schon die Rede. Fast nichts falsch macht man auch bei Obst und Gemüse. Sogar Südfrüchte oder Gemüsesorten, die im Winter nicht in unserer Region wachsen, wie Tomaten und Gurken, sind deutlich günstiger. Nur bei Kartoffeln muss man aufpassen.

Besser kommt man in Tschechien auch beim Kauf von Geflügel und Schweinefleisch weg. Auch langlebige Waren wie Salz, Zucker, Mehl, aber auch Honig lohnen die Fahrt nach Tschechien. Vereinzelt lohnt sich auch der Griff zu Ketchup, Nudeln, Reis, Sonnenblumenöl und Fleischsalat. Besser kommen in Tschechien auch Allergiker. So sind glutenfreie Reis- oder Maiswaffeln günstiger, es gibt sogar glutenfreies Bier. Von Kaffee, Kakao, Süßwaren und süßem Brotaufstrich, Wurst, Rindfleisch und Fisch sollte man dagegen rein preislich die Finger lassen. Aber auch der Gang ans Kühlregal sollte überwiegend in Sachsen erfolgen. Dass Drogerie und Haushaltswaren in Deutschland deutlich günstiger sind, hat sich herumgesprochen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wie wir bei Spülmittel feststellen konnten – wenn man auf rein tschechische Ware setzt.

Doch nicht immer geht es beim Einkaufen nur um den Preis. Tomatensoße mit Knoblauch wurde gekauft, weil es die bei uns nicht gibt. In den Wagen mussten auch die unvermeidlichen Knödel oder der gewickelte Spaghetti-Käse aus der Slowakei.

Am Ende war der Einkaufswagen voll, Tankstelle (kein Diesel!) und Autowäsche wurden auch noch angesteuert. Unterm Strich ergab sich für die Fahrt nach Teplice vor allem aufgrund des günstigeren Benzinpreises eine Ersparnis von 35 Euro bei Gesamtausgaben von 124 Euro.