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Malen mit Licht

© Gunnar Heilmann, Sven Gerard

Zwei Fotografen aus Berlin setzen das leere Kaufhaus in Görlitz ganz besonders in Szene. Ohne Taschenlampen wäre das nicht gegangen.

Von Jenny Thümmler

Görlitz. Das Kaufhaus erstrahlt in blauen und roten Farben. Es wirkt fast mystisch. Eine Spirale aus rotem und weißem Licht scheint in rasanter Geschwindigkeit die Treppe ins Erdgeschoss hinab zu fliegen. Oder hinauf? Geheimnisse, die wohl nur ein Lightpainter entschlüsselt. Ein „Lichtmaler“, der mithilfe von Lampen und Licht ganz besondere Fotografien entstehen lässt. Zwei solcher Lightpainter waren jetzt im Görlitzer Kaufhaus, Gunnar Heilmann und Sven Gerard aus Berlin. „Wir haben uns bei einer Stadtbesichtigung mit Freunden das Kaufhaus angesehen und gleich gedacht, dort müssten wir mal im Dunkeln rein“, erzählt Gunnar Heilmann.

Der Berliner Fotograf Sven Gerard. © Sven Gerard
Der Berliner Fotograf Gunnar Heilmann. © Gunnar Heilmann

Lichtspiele im Kaufhaus

Lightpainter erzählen mit ihren Bildern gern auch Geschichten. Im Kaufhaus lässt Gunnar Heilmann einen Meisterdieb auftauchen.
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Da das Management des Hauses einverstanden war, fand der Termin in einer Julinacht statt. Lichtmalerei geht am besten im Dunkeln, klar. Die Fotos entstehen mit einer extrem langen Belichtungszeit an der Kamera, drei, vier, fünf, manchmal sogar 20 Minuten. In dieser Zeit malt der Lightpainter mit Licht aus Taschenlampen, Feuerzeugen, Wunderkerzen und anderem Lichtspuren in die Luft. Auf dem Bild erscheinen diese dann als langgezogene Striche – ganz ohne Bildbearbeitung. „Es ist der Anspruch von Lightpaintern, kein Photoshop zu benutzen“, erklärt der Berliner Fotograf. Wenn nicht getrickst werden soll, muss natürlich jede Bewegung auf den Punkt stimmen. Bei Bildern wie mit der jungen Frau im blauen Kreis zum Beispiel. „Es kann schon sein, dass ein Bild anderthalb Stunden dauert, bis alles passt“, so Heilmann. Er sieht diese fotografische Technik eher als Puzzle, bei dem alle Schritte aufeinander aufbauen. „Nur hinhalten und draufdrücken oder nachbearbeiten will ich nicht.“ Dabei haben sich in Görlitz übrigens auch die Objektive von Meyer Optik bewährt, die er für den Termin zur Verfügung gestellt bekam. Wegen ihrer vielen manuellen Einstellmöglichkeiten seien sie perfekt für Lightpainting, so Heilmann. „Dort kann man während einer Belichtungszeit die Blende wechseln. Das geht bei vielen Objektiven gar nicht.“

Der 42-Jährige macht die Lichtmalerei nur als Hobby. Sein Geld verdient er hauptsächlich als geschäftsführender Gesellschafter einer Firma, die akustische Kameras herstellt, die zum Beispiel Schallquellen analysieren und Geräusche messen. Sechs- bis siebenstellige Summen geben Firmen für solche Geräte aus. Wenn Gunnar Heilmann frei hat, reist er zum Fotografieren um die ganze Welt. Sein Internetauftritt ist voll mit Aufnahmen von überall. Mit Sven Gerard, der die Fotoagentur „Lichtkunstfoto“ betreibt, verbindet ihn seit Langem eine Freundschaft.

Und diese wird die beiden wohl erneut nach Görlitz führen. So ganz zufrieden ist Gunnar Heilmann nicht mit allen Bildern aus der Kaufhausnacht. Die Fotografen kannten den Ort vorher nicht, konnten nur spontan reagieren. Zumal von draußen auch nachts viel störendes Licht ins Gebäude fällt. Weil das Kaufhaus aber ein so reizvoller Ort ist, kommen die beiden Berliner im Herbst wieder für viel mehr Fotos. Gunnar Heilmann hat zu Hause ein paar Schaufensterpuppen, die er mitbringen will, dazu ein paar leibhaftige Models aus dem Freundeskreis. Dann soll Licht den Damen und Puppen regelrecht Kleidung an die Körper malen – und Leben ins Kaufhaus in seiner ursprünglichen Bedeutung bringen.