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Mann stirbt bei Brand im Wohnhaus

50 Feuerwehrleute waren am Mittwoch in Wilthen im Einsatz. Unter extremen Bedingungen.

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© Christian Essler

Von Katja Schäfer

Schwarz ragen die Holzbalken in den frühlingshaft blauen Himmel. Sie sind angekohlt, einige sogar komplett verbrannt. Eine Menge Dachziegel sind weg. – Viel ist nicht übrig geblieben vom Dach des 140 Jahre alten Umgebindehauses an der Straße der Befreiung in Wilthen. Der Anblick, den es am Mittwochmorgen bietet, lässt erahnen, was für ein Drama sich in der vorangegangenen Nacht an dieser Stelle abgespielt hat.

Bilder vom Brand in Wilthen

Bilder vom Tag nach dem Brand

Kurz nach 1 Uhr bemerken Nachbarn, dass es in dem großen Umgebindehaus nahe dem Ortsausgang in Richtung Kirschau brennt, und alarmieren die Feuerwehr. Nach Aussagen von Thomas Herrmann von der Polizeidirektion Görlitz schlagen zu diesem Zeitpunkt schon Flammen aus einem Fenster. Als die Wilthener Feuerwehr, deren Gerätehaus nur etwa 800 Meter entfernt ist, wenige Minuten später vor Ort eintrifft, lodert bereits ein sehr großes Feuer und der Dachstuhl ist weitgehend eingestürzt. „Nachdem wir die Eingangstür aufgebrochen hatten, kam uns eine alte Frau aus dem Haus entgegen und sagte, dass noch Leute drin sind“, berichtet Einsatzleiter Erik Trötscher, der Ortswehrleiter der Wilthener Feuerwehr ist. Die 93-Jährige wird mit einer Rauchgasvergiftung per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Im Haus brennt es lichterloh

Einige Kameraden beginnen sofort mit Löscharbeiten von außen. Gleichzeitig dringen andere – ausgerüstet mit Pressluft-Atemgeräten – in das Umgebindehaus ein, um die vermissten Personen zu suchen. Die Entscheidung für den Innenangriff sei ihm nicht leichtgefallen, sagt Erik Trötscher. Denn das Haus brennt im Bereich der Treppe lichterloh; „in voller Ausdehnung“ sagt der Fachmann dazu. „Es herrschte eine unvorstellbare Hitze, und Teile der Decke und des Daches stürzten herunter“, beschreibt der Einsatzleiter. Doch man will nichts unversucht lassen, um die Bewohner lebend zu retten. Anfangs gehen die Einsatzkräfte davon aus, dass sich noch zwei Personen im Gebäude aufhalten. Das bestätigt sich jedoch nicht. Im Haus finden die Feuerwehrleute nur die Leiche eines Mannes. Sie liegt im Bereich der Treppe. Aussagen zu seiner Identität lagen bis Mittwochabend nicht vor. „Mit den Ergebnissen einer gerichtsmedizinischen Untersuchung des Leichnams wird in den nächsten Tagen gerechnet“, stellt Thomas Ziegert von der Polizeidirektion Görlitz in Aussicht.

„Vermutlich hat der Mann versucht, selbst den Brand zu löschen oder irgendwas zu holen, anstatt das Haus so schnell wie möglich zu verlassen“, sagt Einsatzleiter Erik Trötscher. Seiner Einschätzung nach brach das Feuer im ersten Obergeschoss des Gebäudes, über dessen Eingangstür die Jahreszahl 1876 geschrieben steht, aus. Der Grund dafür ist bisher nicht bekannt. „Brandursachenermittler setzen gemeinsam mit Experten des Landeskriminalamtes in den nächsten Tagen ihre Arbeit fort“, heißt es am Mittwochabend aus der Polizeidirektion.

Zu späte Alarmierung

„Wir hatten von Anfang an genügend Einsatzkräfte vor Ort und konnten schnell eine stabile Wasserversorgung aus dem nicht weit entfernten Bach namens Butterwasser aufbauen. Aber die Alarmierung erfolgte einfach zu spät, der Brand war schon zu weit fortgeschritten“, schätzt Erik Trötscher ein. 50 Feuerwehrleute sind insgesamt bis in die Vormittagsstunden im Einsatz. Neben Kameraden aus Wilthen und Tautewalde auch welche aus Kirschau und Schirgiswalde; zudem Rettungsdienst und Polizei. Ein Feuerwehrmann wird verletzt, während er gemeinsam mit anderen im Haus löscht und nach den Vermissten sucht. Der 21-jährige Wilthener erleidet Verbrennungen an einem Knie und wird vor Ort von einem Arzt behandelt.

Notfallseelsorger kümmern sich um die Angehörigen der Hausbewohner und um Nachbarn. „Sie bieten auch unseren Kameraden Gespräche an. Nicht nur denen, die die Leiche gefunden haben. Denn es ist nicht leicht zu verarbeiten, wenn man trotz aller Bemühungen jemanden nicht retten kann“, sagt Erik Trötscher. Das letzte Feuer, bei dem ein Mensch ums Leben kam, liegt in Wilthen 16 Jahre zurück, weiß Bürgermeister Michael Herfort (CDU), der sich am Mittwochmorgen erschüttert am Brandort umsieht und den Einsatzkräften seinen Dank ausspricht.