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„Meckern alleine bringt uns nicht voran“

Auf dem Dreikönigstreffen der FDP stellte sich Constanze Cyrnik als Direktkandidatin für die Landtagswahl vor. Die SZ sprach mit ihr.

Constanze Cyrnik. © Foto: privat

Frau Cyrnik, Sie treten jetzt ins politische Rampenlicht. Würden Sie sich bitte kurz vorstellen.

Ich bin verheiratet, Mutter eines Sohnes und Lehrerin am Rochlitzer Gymnasium. Seit 2017 bin ich in der sächsischen FDP im Ortsverband Döbeln und im Kreisvorstand Mittelsachsen aktiv sowie Mitglied der Landesfachausschüsse „Beste Bildung“ und „Wissenschaft, Forschung, Innovation.“

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Was hat Sie dazu bewogen, sich politisch zu engagieren?

Das war ein langer und schwieriger Prozess, vielleicht eher eine Art „Jetzt reicht´s“? Ich liebe die Freiheit, das sich Selbstverwirklichen. Eine Handlungsfreiheit innerhalb der eigenen Vernunft und des eigenen Verstandes zu haben, das sehe ich heute gefährdet. Freiheit braucht Verantwortung, und diese bin ich bereit zu übernehmen. Der Gedanke, dass meckern allein auch niemanden und erst recht nicht unseren schönen Freistaat voranbringt, löste dann den Gedanken ab, dass ich, in meiner Person unserer Gesellschaft etwas zurückgeben will. Auch mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir, wie einst Shakespeare im Stück „Hamlet“: „Es ist was faul, im Staate…“ Die Menschen die viel und ausdauernd arbeiten, müssen, um das Gleiche zu verdienen, immer mehr schaffen. Schauen wir uns stellvertretend für viele Berufe die Pfleger in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen an. Der Verdienst im Vergleich zur geleisteten Arbeit – mäßig. Die Entlohnung ist gar nicht so sehr das Ungerechte, sondern die Leistungen, die immer mehr dazukommen. Die Pflege allein würde schon reichen, aber der Umfang an Dokumentationen, Rechenschaften und Protokollen ist enorm. Da fehlt bei den politisch, zuständigen Personen Weitsicht, Rücksicht und Nachsicht für den gesamten Pflegebereich. Genauso ungerecht ist der Bildungsbereich. Beispiel: Grundschule Döbeln Ost. Eine Etage geschlossen, Sanitäreinrichtungen vernachlässigt und die Lehrersituation lässt zu wünschen übrig. Ein Vergleich mit anderen Grund- und weiterführenden Schulen zeigt Gräben. Der Philosoph Karl Popper schrieb: „Wenn Toleranz Intoleranz duldet, wird sie durch die Intoleranz vernichtet.“ Für mich gilt, genau diese Form der Intoleranz zu verhindern. Allein kann ich das nicht, aber mit einer Partei, wie der FDP, ist das möglich.

Weshalb haben Sie sich für die FDP als Heimat für Ihr Engagement entschieden?

Ich möchte keinen Parteienvergleich, dazu sind mir die Menschen in unserem Freistaat zu wichtig. CDU, SPD, AfD und Grüne hatten in der zurückliegenden Wahlperiode Zeit, vieles richtig und vieles falsch zu machen – zum Wohle unserer Bevölkerung. Ich glaube, die falschen Entscheidungen und Signale sind überdurchschnittlich groß. Für uns als FDP sollte die Anerkennung und Unterstützung des Mittelstandes an vorderster Stelle stehen, denn 2016 nahm der Freistaat 130.714 Millionen Euro aus der Umsatzsteuer und 216 Millionen Euro (2013) aus der Gewerbesteuer ein. Das ist die Leistung der Gewerbetreibenden, die gewürdigt werden und die unsere Zusage erhalten müssen, alle so zu unterstützen, dass es ihren Unternehmen und damit unserem Freistaat gut geht. Wir als FDP und ich als ihre Direktkandidatin sind für alle Menschen da.

Wofür wollen Sie sich einsetzen, wenn Sie in den Landtag gewählt werden?

Die beste Bildung unserer Kinder und die Entwicklung des ländlichen Bereiches lägen mir da genauso am Herzen, wie die Belebung der Innenstädte. Jeder, der sich über zu hohe Mieten in Ballungszentren beschwert, möge den Wert des ländlichen Raumes schätzen lernen. Allerdings bedarf es dafür einer hervorragenden Infrastruktur und einer neuen Schulstandortplanung. Denn nur wenn Arbeitnehmer eine gute 5G-Anbindung haben, der Pendlerstress als gering empfunden wird, und der Wohnungsplatz mit Kita und Schule begehrenswert ist, dann ist der Lebensqualität Rechnung getragen und dem ländlichen Raum Existenzsicherheit versprochen. Das ist eines meiner Ziele. Politik muss doch für und nicht gegen die Menschen im Land gemacht werden. Ich würde gern unseren Landkreis Mittelsachsen mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln im sächsischen Landtag vertreten, dabei eine, an den Menschen und ihren Bedürfnissen orientierte politische Arbeit verrichten, immer mit dem Grundsatz: „Was Ihnen gefällt, sagen Sie weiter, was Ihnen nicht gefällt, sagen Sie mir.“ Das erfordert eine neue Kultur des Zuhörens. Zuhören heißt, sich Zeit zu nehmen, sein Gegenüber ausreden zu lassen, um die Ängste und Nöte der Menschen zu verstehen. Und dieses oberste Prinzip erfordert eine neue, politische Diskursethik.

Es fragte Cathrin Reichelt.