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Mehr als Taj Mahal

Radebergs indischer Wirt Makhan Singh erzählt nicht nur über seine Heimat, er zeigt sie seinen Gästen auch.

© Steffen Unger

Von Jens Fritzsche

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Radeberg. Wie Indien schmeckt, das wissen seine Gäste. Aber wie Indien riecht oder wie es abseits der ausgetretenen Touristenpfade aussieht, das wissen bisher nur wenige von ihnen. Doch es werden demnächst wieder ein paar mehr sein.

14 Radeberger auf spannender Indien-Entdeckungstour. Und das nicht nur auf Touristenpfaden.
14 Radeberger auf spannender Indien-Entdeckungstour. Und das nicht nur auf Touristenpfaden. © privat
Natürlich gehört ein Ausflug zum Taj Mahal zu einer Indien-Reise unbedingt dazu. Und das Foto natürlich.
Natürlich gehört ein Ausflug zum Taj Mahal zu einer Indien-Reise unbedingt dazu. Und das Foto natürlich. © privat

Denn der aus dem nordindischen Bundesstaat Panjabi stammende Gastwirt Makhan Singh – in Radeberg eigentlich nur unter seinem Spitznamen „Ladi“ bekannt – hatte vor gut anderthalb Jahren ein Idee. Und die kam bei den Gästen seines Restaurants „Panjabi“ an der Radeberger Schillerstraße so gut an, dass aus dem Gastwirt Makhan Singh nun sozusagen nebenher auch der Reiseorganisator Makhan Singh wird. Denn im Oktober startet der Radeberger zur nächsten Reise in seine Heimat. Aber nicht einfach nur „Heimaturlaub“, sondern auf diese Reise nimmt er wieder Gäste aus Radeberg mit. Und wird ihnen zwölf Tage lang zeigen, wo er zur Schule ging, wo er aufgewachsen ist und wo auf dem Feld seiner Familie Zuckerrohr wächst. Denn neben den bekannten Sehenswürdigkeiten Indiens, nimmt er die Radeberger auch mit in seinen Heimatort Nawa Shahr. „Meine Familie kocht dann für die Gäste, die Dorfbewohner laden sie zum Tee ein – sie werden Indien wirklich kennenlernen“, freut sich Makhan Singh.

Tour war schnell ausgebucht

Dabei war das Ganze ursprünglich gar nicht geplant, sondern eher Zufall. „Immer wieder haben Gäste gesagt, sie würden mit mir gern mal in meine Heimat fahren“, sagt der Radeberger. Denn in seinem Restaurant an der Schillerstraße erzählt „Ladi“ regelmäßig von Indien, von diesem für Deutsche oft so exotisch-fernen Land. Irgendwann hatte er sich dann einfach mal getraut, wie er sagt, zu überlegen, „was man denn bei einer solchen Reise zeigen könnte“. Auch seine Familie fand die Idee dabei faszinierend, „also habe ich dann einfach mal einen Prospekt drucken lassen und habe gefragt, wer mitfahren würde“. Überraschend schnell sei die Tour im vergangenen Herbst ausgebucht gewesen, klingt Makhan Singh noch immer beeindruckt. Und wagte das Experiment.

In einem großen, gut klimatisierten Reisebus fuhr er mit den Radebergern durch seine Heimat. Engagierte einen perfekt Deutsch sprechenden Reiseleiter, der mehr zu berichten wusste, als nur die wichtigsten Jahreszahlen der indischen Historie, sondern vor allem vom Leben in Indien erzählte. Von der Rolle der Frau, von den für Europäer so verwirrenden Hochzeitsanbahnungen, vom Kastensystem. Und die Radeberger waren beeindruckt. Von der Schönheit des Landes, aber auch vom unglaublichen Verkehrsaufkommen; „in dem die Hupe die Hauptrolle spielt“, wie Makhan Singh lachend erzählt. Und so ist er natürlich mit den Radebergern auch „Tuk Tuk“ gefahren – mit diesen legendären Auto-Rikschas auf Indiens Straßen.

Taj Mahal und Goldener Tempel

Natürlich gehörte auch das weltberühmte Taj Mahal zum Reiseprogramm, „aber auch der von kaum einem Reisebüro angefahrene Goldene Tempel in Amritsar“, zählt der Radeberger auf – und seine Augen leuchten. „Täglich kommen dort ungefähr 100 000 Pilger zusammen und über 500 Freiwillige kochen für sie, rund um die Uhr“, sagt er und schaut in Richtung seiner Restaurant-Küche. „Eigentlich unvorstellbar“, schmunzelt er.

Aber natürlich war es vor allem der Besuch bei „Ladis“ Wurzeln, von dem die Reisegruppe besonders zehren dürfte. Denn so nah kommt man als Tourist dem wirklichen Alltag der Menschen dort wohl nie. Sie kauften im kleinen Dorfladen Gewürze, schnitzten Zuckerrohr und tranken den Saft daraus –  und sie feierten gemeinsam mit der Familie und Freunden Diwali, das hinduistische Lichterfest. Wobei auch die Touristen aus Deutschland durchaus eine kleine Attraktion gewesen sind. Denn nicht nur sie fotografierten, sie wurden auch fotografiert. So oft kommen schließlich nicht europäische Touristen in die Gegend um Nawa Shahr.

„Es ist auch für mich eine wunderbare Erfahrung, nicht nur von meiner Heimat zu erzählen, sondern sie wirklich zeigen zu können“, kommt der Radeberger Gastwirt ein wenig ins Schwärmen. „Und ich kann gleichzeitig auch noch meine Familie besuchen, das ist doch klasse“, fügt er mit einem Lachen hinzu. Und weil die Idee, wie erwähnt, so gut angekommen war, hat Makhan Singh nun noch einmal vier dieser ganz besonderen Indien-Reisen organisiert. Die erste Anfang Oktober, „ein paar Plätze sind noch frei“, sagt er. Die anderen drei starten dann im Februar, September und Oktober des nächsten Jahres.

www.cafe-panjabi.de