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Mehr Hopfen aus Auschkowitz

Gute Ernte, neue Sorten – damit macht die Taucherwald Agrar GmbH nicht nur Biertrinker in Deutschland glücklich.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Auschkowitz. Von wegen Hopfen ist gleich Hopfen. Von den Rebsorten, die auf den Feldern der Taucherwald Agrar GmbH Auschkowitz wachsen, tragen einige so klangvolle Namen wie Hüll Melon, Mandarina Bavaria, Polaris und Amarillo. Jede Sorte hat ihr eigenes Aroma. Ein später mit ihr gebrautes Bier wird zum Beispiel nach Melone, Zitrusfrüchten oder einem Gletscherbonbon schmecken. Dem Reinheitsgebot tut das keinen Abbruch, sagt Geschäftsführer Peter Eisold. Egal, ob Polaris, Amarillo oder jede andere Sorte aus seinem Betrieb – in jedem Fall handelt es sich um reinen Hopfen.

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Peter Eisold spricht von den modernen Hopfensorten. Deutschlands Hopfenbauern folgen damit dem in Amerika gesetzten Trend nach Bieren mit besonderer Geschmacksnote. Immer mehr Biertrinker entdecken „Craft Beer“ – von Hand gebrautes Bier. „Die Nachfrage nach Hopfen weltweit ist riesig. Der Markt ist so gut wie leer gefegt, und die Preise sind zurzeit gut“, sagt der 29-jährige Agraringenieur, der seit einem Jahr die Taucherwald Agrar GmbH leitet. Von dieser globalen Entwicklung profitiert auch sein Betrieb. Über einen Großhändler wird der dort produzierte Hopfen weltweit vertrieben. Zu den Hauptimporteuren des Bitterstoffes gehören die USA, Russland und Japan.

Regen tat den Pflanzen gut

Nicht nur die Marktlage ist gut. Die diesjährige Ernte ist es auch. In den kommenden Tagen werden die Auschkowitzer Landwirte die Hopfenernte abschließen. Rund 90 Tonnen getrockneten Hopfen werden sie nach dieser Saison liefern, mehr als im Vorjahr. Vom kühlen April abgesehen, passte es vom Wetter, sagt Peter Eisold. Der viele Regen tat den Pflanzen gut. Ebenso die warmen Tage.

Die Ernte war schon verkauft, ehe im Frühjahr die ersten Arbeiten auf den Feldern begannen. Langfristige Verträge, die zum Teil weit über das Jahr 2020 gelten, geben dem Agrarbetrieb Sicherheit, garantieren ihm Absatz und Preis. Für die Landwirte eine Voraussetzung, um überhaupt Hopfen anbauen zu können. Nicht nur die Investitionen sind hoch. Auf dem Hopfenfeld ist noch viel Handarbeit – beginnend mit dem Pflanzen, dem Unkraut ziehen – Pestizide und andere chemische Mittel sind verboten – , dem Einhängen der Steigdrähte im Frühjahr bis zum Befestigen des Hopfens an den Steigdrähten im Frühsommer. „Für diese Arbeit brauchen wir jede Hand“, sagt der Geschäftsführer.

Ernte läuft maschinell

Die seit Anfang September laufende Ernte erfolgt dagegen zum großen Teil maschinell. Mit einem Abreißgerät wird der Hopfen abgeschnitten, vom Gerüst herunter gerissen und zur Pflückmaschine gebracht. Dort wird er gepflückt und anschließend gereinigt. Die reinen Zapfen gelangen in den Bandtrockner und werden bei maximal 65 Grad Celsius schonend acht Stunden lang getrocknet. Zum Schluss wird der Hopfen in Ballen gepresst, und er erhält das Qualitätssiegel „Deutscher Siegelhopfen“. Später wird eine Spezialfirma die Bitterstoffe gewinnen, daraus Pellets oder einen Extrakt herstellen und die Kunden, größtenteils Brauereien, aber auch die Kosmetikindustrie beliefern. Neun Mitarbeiter zählt die Taucherwald Agrar GmbH. Sechs Saisonkräfte unterstützen die Stammbelegschaft jetzt in der Erntezeit.

Auf 50 Hektar baut der Landwirtschaftsbetrieb in dem Burkauer Ortsteil Hopfen an. Erstmals seit rund zehn Jahren nutzt er wieder die gesamte Fläche dafür. In den vergangenen Jahren, als die Weltmarktpreise schlecht waren, wurde ein Teil der für den Hopfen bestimmten Fläche mit anderen Kulturen bestellt. Seit vergangenem Herbst wurde auf 14 Hektar Hopfen neu angepflanzt, darunter die besonders würzige Sorte Polaris.

Für den kleinen Betrieb sind das Investitionen in die Zukunft. Denn eine Hopfenrebe kann 20 Jahre und länger genutzt werden. Es ist aber auch ein Risiko, sagt Peter Eisold. Denn keiner weiß, wie sich die Weltmarktpreise in den kommenden Jahren entwickeln. Das derzeit hohe Niveau lässt manchen auf den Zug der Hopfenproduzenten aufspringen.

Zweites Standbein des Betriebes ist die klassische Feldwirtschaft. Auf rund 700 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werden überwiegend Weizen, Gerste, Raps und Zuckerrüben angebaut.