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Mehr Mikro-Apartments für Dresden

Kleine Wohnungen für Studenten und Forscher entstehen nicht nur in der Südvorstadt. Die Nachfrage ist riesig. Noch.

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© Visualisierung: Hildebrandt Architekten

Von Annechristin Bonß

Manchmal reichen 20 Quadratmeter aus. Für alles, was der Mensch braucht. Tisch, Stuhl, Regal, schmales Bett, Küchenzeile ohne Backofen und Spülmaschine, kleines Bad. Dazu Internetanschluss, Stromanschluss, sämtliche Gebühren. Um die 400 Euro zahlen Studenten und Pendler für eine solche Bleibe auf 20 Quadratmetern derzeit in Dresden. Das Konzept ist beliebt. Vor wenigen Jahren begann der Boom, zunächst in der Südvorstadt. Hier lernt die Vielzahl der über 45 000 Studenten an der TU Dresden. Und hier wollen viele von ihnen auch wohnen. Also wurden Brachen und alte Bürobauten zu modernen Studentenwohnheimen, bestückt mit Mini-Apartments. Gebaut wurde direkt am Nürnberger Platz, in der Franklinstraße, am Weberplatz, am Hauptbahnhof und derzeit an der Ackermannstraße.

Fast scheint es, als ob die möglichen Objekte für ein solches Projekt aufgebraucht sind. Denn nun sehen sich die Investoren in den anderen Stadtteilen um. In der flippigen Neustadt ist das Konzept schon lange angekommen. Direkt an der Bautzener Straße in unmittelbarer Nähe zum Szeneviertel gibt es gleich zwei solcher Wohnkomplexe. Mittlerweile hat sich ein neues Schlagwort für die Mini-Buden durchgesetzt. „Mikro-Apartment“ nennen die Investoren die Wohnungen. Meist kombiniert mit einem Imbiss oder Bäcker im Erdgeschoss. Am Nürnberger Platz hat gerade ein Grillrestaurant im Studentenwohnhaus eröffnet. An der Bautzener Straße gibt es Brötchen und Pasta. Zum Komplex gegenüber von Rewe gehörte einst ein veganer Supermarkt.

Nun soll auch Löbtau einen Neubau mit Mikro-Apartments bekommen. Der Architekt Gunter Hildebrandt und sein Kompagnon Georg Hartmann wollen das Grundstück an der Ecke Tharandter/Altfrankener Straße verändern. Den Bauantrag hoffen die Cousins schon bald in den Händen zu halten. Demnach soll auf dem Grundstück ein Komplex samt 62 Apartments mit Größen zwischen 20 und 30 Quadratmetern entstehen. Im Erdgeschoss gibt es einen Laden. Zwei Drittel der Wohnungen haben einen Balkon.

Gunter Hildebrandt ist sich sicher, dass er mit dem Projekt Erfolg haben wird. Für eine Million Euro bietet er Grundstück und fertige Planung an. Theoretisch könne er sich auch vorstellen, selbst zu bauen und dann die Apartments einzeln zu verkaufen. „Der Bedarf an Mikro-Apartments ist da“, sagt er. Sicher sei der Markt irgendwann erschöpft, auch in Dresden. Im Moment seien solche Wohnformen bei Investoren noch sehr gefragt. Wohl auch, weil die Wohnungsnot in Dresden wie in anderen Städten steigt. Wer kurzfristig eine Bleibe sucht, für den ist das Mikro-Apartment eine Lösung. So für Studenten. Die haben in einer Befragung der Homepage Verbraucherwelt die Friedrichstadt, die Altstadt und das Hechtviertel zu den beliebtesten Vierteln erkoren. Auch hier gibt es Potenzial für die neue Wohnform. An der Wiener Straße soll 2017 ein Komplex mit sieben Häusern und 262 Apartments fertig sein.

Das Interesse der Investoren sei nachvollziehbar, teilt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) mit. Mikro-Appartments seien kein Teil der kommunalen Wohnbedarfsplanungen, da typische Mieter in diesem Segment eher kurzfristige Mietverhältnisse suchen. Und wohl auch, weil die Preise in diesen Apartments verhältnismäßig hoch sind. Wohnbedarf sieht die Verwaltung vor allem bei preiswerten Wohnungen für Singles, Familien und Studenten sowie bei barrierearmen und barrierefreien Wohnungen und beim Wohnen im Alter. Doch wie die Investoren überzeugen, eher solche Wohnungen zu schaffen? „Das wird schwierig“, sagt SPD-Stadtrat Peter Bartels vom Mieterverein. Das sei nur möglich, wenn es eine Förderung für den sozialen Wohnungsbau gibt. Doch auch dann würden Investoren immer danach gehen, wo es das meiste Geld zu verdienen gibt. Solange es genug Interessenten für Mikro-Apartments gibt, werden diese eben gebaut, sagt er.