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Mehr Waffen angeschafft

Hat dieser Trend etwas mit dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis zu tun? Schützenvereine im Altkreis sagen nein.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Jörg Richter und Sarah Protze

Landkreis. Der Sächsische Schützenbund frohlockt. Im vergangenen Jahr hat er mehr als 1100 neue Mitglieder gewonnen. Insgesamt stieg damit die Zahl der vereinsorganisierten Schützen im Freistaat auf knapp 14500. Dieser Zuwachs fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der die Gewalt auf der Straße zunimmt. Viele Leute empfinden, dass die allgemeine Sicherheit im Zuge der Flüchtlingskrise abgenommen hat. Hat der Aufschwung in den Schützenvereinen damit zu tun?

Kreisschützenmeister Alois Langwieser wehrt sich gegen diese Behauptung. „Da hat überhaupt nichts mit dem Thema Asyl zu tun“, sagt der gebürtige Bayer. In seinem Schützenverein Sacka 1888 habe es 2015 tatsächlich zwei, drei neue Mitglieder gegeben. Aber ebenso viele haben den Verein auch verlassen oder sind gestorben.

Der Wahl-Sachse relativiert die Erfolgszahl des Schützenbundes. Bei über 300 Schützenvereinen in Sachsen seien 1100 neue Mitglieder „nichts außergewöhnliches“ und erst recht kein Indiz dafür, dass die Sachsen sich jetzt verstärkt bewaffnen.

Dass sich die Anzahl der registrierten Schusswaffen im Landkreis Meißen um 5,3 Prozent im Vergleich zu 2014 zugenommen hat, erklärt Langwieser so: „Immer mehr Schützen gehen weg von der Brauchtumspflege und wechseln in den sportlichen Bereich.“ Dafür seien eigene Waffen notwendig, um nicht dauernd die Zieleinstellung zu verändern.

Nicht zu verwechseln mit dem Waffenschein

Außerdem gebe es im Schießsport zahlreiche Gewehr- und Pistolenklassen, von den historischen Vorderladern bis hin zu modernen Kleinkalibern. „Deshalb ist die Zahl der Waffen auch höher“, so der Kreisschützenmeister.

Auch in der Freischützengesellschaft 1860 Großenhain halten sich die Mitgliederzahlen die Waage. Dessen 1. Vorsitzender Hans Jörg Krutzki glaubt nicht daran, dass das erhöhte Sicherheitsbedürfnis für einen Ansturm auf die Schützenvereine sorgt. „Selbst wenn einer aus diesem Grund bei uns eintritt, unterliegt er trotzdem vielen Kontrollen“, so Krutzki. Sportschützen, die eine Waffenbesitzkarte, beantragen wollen, müssen vorher einen 30-Stunden-Lehrgang absolvieren und mindestens ein Jahr lang regelmäßig zum Training kommen.

Selbst dann kann der Verein, dem Schützen die Waffenbesitzkarte vorenthalten, wenn Zweifel an seinen sportlichen Absichten bestehen. Krutzki: „Wir sind da schon sehr vorsichtig.“ Und schließlich muss auch noch die Untere Jagdbehörde des Landkreises Meißen die Waffenbesitzkarte genehmigen.

Sie berechtigt lediglich zum Transport von Zuhause zum Schießstand. Nicht zu verwechseln mit dem Waffenschein (Tragen von geladenen Waffen), den nur Jäger, Polizisten und Spezialsicherheitskräfte besitzen. Auch den Kleinen Waffenschein (für Pfefferspray und Schreckschusswaffen) kann man nicht in Schießvereinen erhalten.

Den größten Zulauf im Altkreis Großenhain kann der Schützenverein Schönfeld verbuchen. 2015 gab es dort 18 neue Mitglieder. Bürgermeister Hans-Joachim Weigel, der auch Vereinssprecher ist, führt das auf den modernen Schießstand zurück. Er sagt: „Aber wenn einer denkt, dass er in einem Schützenverein leichter an eine Waffe kommt, das ist ein Trugschluss.“