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Anwohner verärgert über Fürstenberg-Pläne

Erste Entwürfe enthalten überraschende Details. Die Stadt bereitet eine Bürgerversammlung vor.

Von Harald Daßler
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Architektonisch interessant, aber für die Anwohner enttäuschend sind die ersten Entwürfe für das geplante Wohnquartier am Fürstenberg.
Architektonisch interessant, aber für die Anwohner enttäuschend sind die ersten Entwürfe für das geplante Wohnquartier am Fürstenberg. © Stadt Meißen

Meißen. Eine CO2-neutrale Gartenstadt. So sehen es die Pläne für ein 38.500 Quadratmeter umfassendes Areal am Fürstenberg im Stadtteil Zaschendorf vor. Weil diese Fläche eines der letzten größeren Grundstücke in städtischer Hand ist, sollte hier etwas Besonderes entwickelt werden. Auch deshalb war ein Wettbewerb ausgerufen worden, an dem sich mehrere Architektenbüros beteiligten. Der Siegerentwurf hatte „eine Siedlung in der Bestandstruktur eines stark durchgrünten Geländes mit bewegter Topografie“ vorgeschlagen.

Das dürfte dem entsprechen, was den Anwohnern an den umliegenden Straßen zugesichert wurde. Als im Frühjahr 2020 öffentlich wurde, dass die Stadt am Fürstenberg ein Wohngebiet entwickeln will, sorgte das zunächst für Verunsicherung, vor allem bei den Eigentümern und Bewohnern der Grundstücke an der Kreyerner, Max-Dietel- und Max-Kamprath-Straße, sowie bei Pächtern in einer Kleingartenanlage. Die FDP-Stadträte Uwe Köhler und Martin Bahrmann hatten damals das Gespräch mit den Bürgern gesucht – sich ihre Bedenken angehört. „Wir haben alles protokolliert und an die Bauverwaltung weitergeleitet“, berichtet Uwe Köhler.

Zu den danach gegebenen Zusicherungen gehörte auch, dass das Areal maßvoll bebaut wird und Flächen, die an Kleingärtner verpachtet sind, nicht angetastet werden. Bei einer Gesamtfläche von 38.500 Quadratmetern schienen 25 bis 35 neue Eigenheime am Fürstenberg realistisch.

Die Entwürfe, die das Bauamt Ende vorigen Jahres im Internet-Auftritt der Stadt veröffentlichte, lassen davon wenig erkennen. Der Vorschlag, die Häuser in unterschiedlichen Bauweisen zu errichten und „Stapelwohnungen“ in Mehrgeschossern zu bauen, mag architektonisch interessant sein. Aber das entspricht nicht dem, was die Bauverwaltung mit den Anwohnern abgesprochen und vereinbart hatte.

Von einem Wortbruch sprach Dirk Otto, der sich in der Einwohnfragestunde bei der Stadtratssitzung im Dezember zu Wort gemeldet hatte. Der Planungsentwurf ignoriere die Belange der Anwohner. So sind an der Max-Kamprath-Straße einige Mehrfamilienhäuser mit mehreren Geschossen vorgesehen. Dabei sollten Bäume und Grünstreifen nach allen Seiten Abstand zu den benachbarten Grundstücken schaffen.

Das mindere nicht nur den Erholungswert in den anliegenden Grundstücken, bemängelte Dirk Otto, der als Anwohner der Max-Kamprath-Straße auch im Namen der Bürgerinitiative Fürstenberg sprach und betonte, dass deren Mitglieder die städtebauliche Entwicklung grundsätzlich begrüßen. Aber die veröffentlichten Pläne seien kam geeignet, auch in Zukunft gut in dieser Gegend zu wohnen. Zur Enge hinzu komme das Problem der Verkehrsbelastung. Wie sollen die Fahrzeuge der künftigen Bewohner in das neue Quartier kommen? Die anliegenden Straßen würden mindestens Parkmöglichkeiten einbüßen, damit der Verkehr zum und aus dem neuen Wohngebiet fließen kann, sagt der Anwohner im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung.

„Wir Stadträte haben immer wieder betont, dass wir verlangen, dass der Bürgerwille respektiert wird, auch um die Akzeptanz des Wohngebietes bei den Anliegern zu fördern. Dies ist in mehreren Protokollen festgehalten“, schrieb Martin Bahrmann Ende im November an Baudezernent Albrecht Herrmann. „Hinzu kommt der Wunsch der Anwohner, dass die neuen Gebäude so ausgerichtet sein sollten, dass man ihnen nicht in den Garten oder ins Wohnzimmer schauen kann. Gerade in Bezug
auf die Mehrgeschosser ist das ein Problem, welches die Bürger massiv aufregt. Diese sollten eigentlich eher im hinteren Bereich Richtung Friedhof angeordnet sein.“

Jeder Einwand werde im weiteren Verlauf des Bebauungsplanverfahrens behandelt, erklärte Baudezernent Albrecht Herrmann in der Stadtratssitzung, nachdem Jürgen Otto die Sorgen der Fürstenberg-Anwohner vorgetragen hatte. Das Verfahren sehe die Abwägung und einen Beschluss zu jedem einzelnen Punkt, der von Anwohnern und allen in irgendeiner Weise von dem Bauvorhaben Betroffenen vor.

Er verwies auch darauf, dass die Entwürfe weiter öffentlich einsehbar bleiben, so dass die Bürger die Möglichkeit haben, Einwände, Hinweise und Anregungen geltend zu machen. Während der bis zum 31. Dezember 2021 verlängerten Frist, in der die Pläne öffentlich auch in den Räumen der Bauverwaltung eingesehen werden konnten, wurden 23 Meldungen von Meißnerinnen und Meißnern registriert, wie Rathaus-Sprecherin Katharina Reso informiert. Wie sie hinzufügt, sei derzeit noch keine Bürgerversammlung vorgesehen. Dazu werde die Bauverwaltung einladen, wenn innerhalb des Bebauungsplanverfahrens die „förmliche Beteiligung" der Nachbarn vorgesehen ist.

Ob dies das verloren gegangene Vertrauen wiederherstellen kann? Stadtrat Uwe Köhler ist skeptisch. Ein Bauvorhaben wie dieses, in das mehrere Millionen Euro investiert werden sollen, braucht Kompromisse. Die lassen sich nur im gemeinsamen Gespräch finden – keinesfalls durch „Überraschungen“, ist er überzeugt.