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Homeoffice im Hotel

Stress zu Hause? Kein Problem: Einige Hotels im Landkreis Meißen bieten im Lockdown ihre leeren Zimmer als Büros an.

Einige Hotels im Landkreis vermieten während des Lockdowns ihre Zimmer als Büros. So wie hier das Dorint Hotel in Meißen.
Einige Hotels im Landkreis vermieten während des Lockdowns ihre Zimmer als Büros. So wie hier das Dorint Hotel in Meißen. © Mercure

Von Beate Erler

Die Corona-Krise stellt vieles auf den Kopf: Einige Hotels bieten im Lockdown ihre leeren Zimmer als Büros an. Auch im Landkreis? Seit November ist wieder alles zu und die Mitarbeiter der Gastronomie sind in Kurzarbeit, sagt der Geschäftsführer des Hotels Börse in Coswig, Thomas Kretschmer. Einige Baufirmen würden für ihre Arbeiter noch Zimmer buchen, aber das sind nur etwa fünf Gäste pro Woche. So geht es jetzt vielen Hotels und Pensionen im Landkreis. Mit dem erneuten Lockdown im November mussten auch die Übernachtungsangebote ihren Betrieb einstellen. Erlaubt sind nur noch „Übernachtungen aus notwendigen beruflichen, sozialen oder medizinischen Anlässen“, steht in der aktuellen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung.

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So wie die Gastronomie sucht auch die Hotelbranche nach neuen Wegen, um wenigstens einen Bruchteil der fehlenden Einnahmen zu ersetzen. Bereits während des ersten Lockdowns im März entstand die Internetseite „Homeoffice im Hotel“, auf der Hotels ihre Zimmer mit Schreibtisch als temporäre Arbeitsplätze anbieten können. In den großen Städten Dresden und Leipzig werben einige Häuser auf der Seite um Hotel-Office-Gäste, denn die Zimmer stehen ohnehin leer. Im Landkreis findet sich lediglich ein Eintrag: Das Dorint Parkhotel Meißen.

Auch der Geschäftsführer des Hotels Börse hat bisher keine Anfragen von Leuten erhalten, die in seinem Hotel arbeiten wollen: „Wir bieten diese Möglichkeit aber an“, sagt er, „auf den Zimmern gibt es WLAN und einen kleinen Schreibtisch.“ Ein Einzelzimmer in dem Coswiger Hotel kostet sonst 50 Euro pro Nacht. Als Hotel-Office kann man es für 30 Euro pro Arbeitstag buchen. Vor Mitte Dezember rechnet Thomas Kretschmer nicht damit, dass er sein Hotel wieder normal führen kann: „Und was dann im Januar oder Februar wird, ist auch unklar“, sagt er.

Deshalb bietet das Dorint Parkhotel Meißen diese Möglichkeit gleich bis Ende des Jahres an: Hier können gestresste Elternteile, die zu Hause nicht in Ruhe arbeiten können, einen ruhigen Arbeitsplatz mit den Annehmlichkeiten eines Hotels buchen, heißt es auf der Internetseite des Hauses. Für einen langen Arbeitstag von 7 Uhr früh bis abends 19 Uhr zahlt man hier ab 59 Euro. Dazu gehören WLAN, Druckservice sowie eine Flasche Wasser und Obst.

Die Zimmerauslastung liegt gerade einmal bei fünf Prozent und 80 Prozent der Zimmer könnte das Dorint theoretisch als Arbeitsplätze vermieten: „Wir haben aber nur ein bis zwei Buchungen pro Tag, denn die meisten bevorzugen dann doch das heimische Wohnzimmer“, sagt Hoteldirektor Mark Anton.

Auch das Mercure Hotel in Riesa versucht es mit dem alternativen Geschäftsmodell: „Wir bieten 20 unserer 24 Quadratmeter großen Hotelzimmer als Büroplatz an“, sagt Hoteldirektor Martin Wegener. Hier kann man sogar von Montag bis Sonntag von 7 bis 19 Uhr ungestört arbeiten. „Inklusivleistungen sind ein Parkplatz, Kaffee und Tee, ein süßer Konzentrationssnack, WLAN, Telefon und Büroservice“, so der Hoteldirektor. Bisher hat das Hotel für diesen neuen Service noch keine Werbung gemacht, aber beherbergt derzeit noch einige Geschäftsreisende. Hier kostet der Büroplatz ab 49 Euro pro Tag.

Ohne die Corona-Pandemie wäre es für die Hotelbranche das zehnte Rekordjahr in Folge geworden, heißt es im Branchenreport des Hotelverbandes Deutschland. Im April dieses Jahres lag die durchschnittliche Bettenauslastung dann bei gerade einmal noch sechs Prozent. Waren es im Januar in Sachsen noch 472.000 Gästeankünfte und über eine Million Übernachtungen, sanken die Ankünfte im April auf 44.000 und nur noch 246.000 Übernachtungen.

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Für viele kleinere Hotels und Pensionen im Landkreis ist das Hotel-Office jedoch keine Alternative. Sie mussten seit November komplett schließen. So zum Beispiel das Landhotel Gut Wildberg in Klipphausen: „Die Nachfrage von Geschäftsreisenden ist so gering, dass sich der Betrieb ohne Urlaubsreisende nicht lohnt“, sagt Fabian Taubinger. Außerdem gäbe es sicher Probleme mit dem Internet, das zum Arbeiten zu schlecht ist. So auch im Hotel Spanischer Hof in Gröditz: „Homeoffice-Arbeitsplätze werden von unseren Gästen nicht angefragt und sind deshalb kein Thema für uns“, sagt die Assistentin der Geschäftsleitung, Susan Hoffmann.

Vor der Pandemie erlaubte die Mehrzahl der Unternehmen kein Homeoffice. Laut Digitalverband Bitkom e.V. arbeitete während des ersten Corona-Lockdowns im März dann schon jeder zweite Berufstätige zu Hause.

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