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Wartburg, Wunder, Wandern

Die Oldtimerrallye Elbflorenz, die Lange Nacht und der Mopo-Herbstwandertag sorgten für ein volles Meißen.

Ein Klassiker: der Wartburg 311, Baujahr 1962. Fahrer
Ingo Raue ließ sich trotz Corona dafür abklatschen.
Ein Klassiker: der Wartburg 311, Baujahr 1962. Fahrer Ingo Raue ließ sich trotz Corona dafür abklatschen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Rauchwolken machen sich breit, Benzingeruch steigt in die Nase. Die Teilnehmer der Rallye Elbflorenz starten zum Autokorso in Meißen. Das ist das Schaufahren durch die Altstadt. Viele Meißner stehen am Rand, jubeln und winken oder strecken ihre Hände nach den Fahrern aus. Einige haben sich sogar Klapphocker mitgebracht, um die Oldtimer zu bestaunen. Fast 200 sind am Start – und mit ihnen 440 Teilnehmer.

Die ersten Fahrzeuge stehen schon am Freitagvormittag. Ab 16 Uhr füllt sich die Meißner Festwiese, der Ausgangspunkt für den Korso und die Rallye. Hier stehen Fahrer und Beifahrer um die Autos herum. Es wird geplaudert. Viele gehen durch die Reihen, machen miteinander Fotos. Man kennt sich. Wer einmal Oldtimern verfallen ist, kommt wieder.

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So wie Matthias und Annett Jost. Die beiden fahren zur Rallye einen Chrysler Serie 70, Baujahr 1930. Sie nehmen schon das dritte Mal teil. Das Ehepaar ist vernarrt in seinen Wagen. Das Ziel der beiden ist jedoch nicht der Sieg. Das wäre nicht realistisch, so Matthias Jost. „Wir wollen zunächst erst mal ankommen.“ Denn die 250 Kilometer Rallye-Strecke strapazieren das Auto. Je nachdem wie bergig es wird, verbraucht der Chrysler schon mal 25 Liter pro 100 Kilometer.

Annette und Matthias Jost sind schon zum dritten Mal dabei: mit ihrem Chrysler Serie 70 aus dem Jahr 1930. Ihr Ziel: ankommen, und nicht gewinnen.
Annette und Matthias Jost sind schon zum dritten Mal dabei: mit ihrem Chrysler Serie 70 aus dem Jahr 1930. Ihr Ziel: ankommen, und nicht gewinnen. © Claudia Hübschmann

Der Oldtimer mit der Startnummer 6 schafft maximal 70 Kilometer pro Stunde. „Dann brauche ich die Fahrbahn auch für mich allein“, scherzt Matthias Jost. Denn der Chrysler sei dann nur noch schwer auf der Spur zu halten, da er arg ausschere. Die Strecke führt dabei entlang der Elbe: von Meißen über Freital, Heidenau, Bad Schandau, Sebnitz nach Dresden. „Unterwegs hoffen wir einfach, dass wir keine Panne haben“, so Matthias Jost. Das sei aber bisher noch nie passiert. Er repariere alles am Oldtimer selbst als Hobby.

Markus Hendel freut sich, dass so viele Menschen teilnehmen können. Er ist der Organisator bei DDV Event. Das Unternehmen gehört wie die Sächsische Zeitung zur DDV Mediengruppe. „Die Leute sollen Spaß haben“, sagt er. Etwa 80 Prozent der Teilnehmer kommen aus Sachsen. Die anderen sind angereist, unter anderem aus Köln, aber auch Italien und Tschechien.

Bevor der Autokorso startet, macht Markus Hendel deutlich: „Wir holen uns ein Stückchen Normalität zurück trotz Corona.“ Er weist aber darauf hin, sich nicht in den Armen zu liegen und ein „vernünftiges Bild“ abzugeben. Denn das Gesundheitsamt beobachte das Treiben sehr genau. Trotzdem stehen am Abend die Menschen, die keine Rallye-Teilnehmer sind, dicht an dicht – zuerst auf der Festwiese, später dann beim Autokorso durch die Stadt. Nur selten sieht man einen Mund-und-Nasen-Schutz.

Der Luxuriöse Ami: Cadillac Fleetwood Sixty Special, Baujahr 1959. Fahrer Roland Kliemann punktet mit der "La Cucaracha"-Hupe.
Der Luxuriöse Ami: Cadillac Fleetwood Sixty Special, Baujahr 1959. Fahrer Roland Kliemann punktet mit der "La Cucaracha"-Hupe. © Claudia Hübschmann

Wer am Abend auf der Festwiese ist, könnte meinen, dass es so voll wie vor Corona ist. Tatsächlich sind dieses Jahr auch mehr Teilnehmer als sonst bei der Rallye, erklärt Markus Hendel. Überall schlendern die Menschen durch die Autoreihen. Manche Fahrer verschmelzen mit dem Baujahr ihrer Karosse, tragen alte Kleidung mit Hosenträgern, Hemd und Schiebermütze. Markus Hendel gehe das Herz auf. „Ohne Corona hätte ich nicht diesen Blick auf euch“, ruft er durch das Mikro am Abend.

Oberbürgermeister Olaf Raschke ist begeistert. „Es ist eine wahnsinnige Freude, alle zu sehen.“ Als Chef der Stadtverwaltung war es ihm wichtig, die Rallye zu ermöglichen. Auch Markus Hendel ist froh, dass der Oberbürgermeister ihn und sein Team mit offenen Armen empfangen hat. „Meißen hat diese Veranstaltung verdient“, so der Organisator. Ein besonderes Geschenk machte wiederum die Porzellanmanufaktur: einen Trinkschlüssel aus reinem Meissener Porzellan. Aus diesen Schlüsseln wurde bei hochrangigem Besuch in der Albrechtsburg getrunken, als sie noch Porzellan-Manufaktur war.

Mitgebracht hat sie Tillmann Blaschke, Geschäftsführer der Manufaktur. Er stößt gemeinsam mit Oberbürgermeister Olaf Raschke und Wolfgang „Lippi“ Lippert, dem bekannten DDR-Unterhaltungskünstler, an. Er moderierte unter anderem „Ein Kessel Buntes“ und kurzzeitig „Wetten, dass..?“. Zur Rallye fährt er mit der letzten Staatskarosse Honeckers: einem Volvo 264 GL.

"Die Stadt war proppevoll"

Lob für die Rallye gibt es am Sonntagnachmittag vom Meißner Stadtmarketing-Chef Christian Friedel. Er bedauert, dass er nur wenig Zeit hatte, die 200 Klassiker zu bestaunen. Friedel hat am Wochenende die Lange Nacht der Kunst und Kultur in Meißen betreut. "Die Stadt war proppevoll. Viele Menschen haben das wunderbare Spätsommerwetter genutzt", sagt der Rathaus-Mitarbeiter. Die Gäste kamen sowohl aus dem Umland, als auch aus ganz Deutschland. "Der Trend zum Urlaub in der Heimat hält an", so Friedel.

Wunderbare Lichtspiele waren zur Langen Nacht in Meißen der Hingucker im Hof der Roten Schule.
Wunderbare Lichtspiele waren zur Langen Nacht in Meißen der Hingucker im Hof der Roten Schule. © Claudia Hübschmann

Höhepunkt für ihn waren die Lichtspiele im Hof der Roten Schule. Lichtkünstlerin Claudia Reh ließ dort Schätze der Stadtgeschichte in besonderem Licht erscheinen, im Zusammenspiel mit Konzerten des St. Afra Gospelchores sowie Life-Electronic von und mit Lysander Voigt. "Es war faszinierend zu sehen, wie 15 Overheadprojektoren ein völlig neues Bild schaffen können", so das Resümee des Stadtmarketing-Chefs. Ein kleines Wunder, sei das gewesen.

Hunderte Teilnehmer nutzen beim Mopo-Herbstwandertag das herrliche Wetter, um die linkselbischen Täler zu erkunden.
Hunderte Teilnehmer nutzen beim Mopo-Herbstwandertag das herrliche Wetter, um die linkselbischen Täler zu erkunden. © Claudia Hübschmann

Aller guten Dinge sind drei: Die Morgenpost-Herbstwanderung sorgte für den dritten Höhepunkt am Wochenende in Meißen. Hunderte Teilnehmer waren auf drei Routen durch die linkselbischen Täler unterwegs. Um die 40 Helfer sorgten für ihr Wohlergehen. So wurde der Dreiklang aus Wartburg, Wunder und Wandern perfekt.

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