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Die Neuen

Bei „Teppich Schmidt“ haben sechs junge Leute eine Lehre begonnen. In drei Jahren sollen aus den Azubis Kollegen werden, so die Hoffnung des Chefs.

Jonas, Agathe, Max, Pascal und Alica haben eine Ausbildung bei „Teppich Schmidt“ begonnen.
Jonas, Agathe, Max, Pascal und Alica haben eine Ausbildung bei „Teppich Schmidt“ begonnen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der erste Eindruck? Der liegt schon einige Zeit zurück. „Im Februar war ich hier zum Probearbeiten“, berichtet Jonas Mannich. Der 17-Jährige ist einer von sechs Lehrlingen, die jetzt eine Ausbildung im Einrichtungshaus „Teppich Schmidt“ begonnen haben.

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Beim Probearbeiten konnte Jonas überall mal hineinschnuppern, sich Handwerkstechniken wie das Ketteln anschauen, aber auch Warenannahme und Auftragsbestätigungen verfolgen. Letztlich haben ihn die wenigen Tage der Probearbeit darin bestärkt, hier anzufangen und den Beruf eines Kaufmanns im Einzelhandel zu erlernen. Die Einblicke in die verschiedenen Bereiche sind auch wichtig für die Arbeit als Verkäufer. Dass er diesen Beruf erlernen will, steht für ihn schon seit Längerem fest: „Ich wollte schon immer etwas machen, wo ich Kontakt zu Kunden habe“, sagt Jonas, dem außerdem die Abwechslung zwischen Computerarbeit und Kundenkontakt wichtig ist.

Auch Agathe Neubert hat drei Tage zur Probe gearbeitet, ehe sie sich für die Ausbildung in diesem Unternehmen entschied. Das Probearbeiten ist auch für den Chef wichtig: Natürlich will er sehen, „ob es passt“, wie Holger Schmidt sagt. „Schließlich bilden wir aus, um einzustellen.“ Er verhehlt nicht, dass er die Azubis in drei Jahren gern als Kollegen in seiner Firma sähe. Das Probearbeiten bezeichnet er ebenso wie ein Telefoninterview als „Abtasten im Vorfeld“. Dabei soll natürlich auch erkundet werden, welche Leidenschaft der Einzelne mitbringt.

Die 16-jährige Agathe hat während des Probearbeitens überzeugt: „Die wollen wir haben“, erinnert sich Holger Schmidt an das gemeinsam gezogene Fazit. Agathes Interesse, ihr Geschick und Selbstbewusstsein hätten dabei den Ausschlag gegeben. In den nächsten drei Jahren erlernt sie in Meißen den Beruf einer Kauffrau für Büromanagement. Dass der Ausbilder ihr klare Aufgaben überträgt und sie erst einmal machen lässt, zählt Agathe zu den positiven Erfahrungen ihrer ersten Wochen im Ausbildungsbetrieb.

Familiäre Atmosphäre

Wie Jonas und Agathe schätzt auch Max Jahn die familiäre Atmosphäre in der Firma. So waren die Neuen am Vorabend des 1. August, als die praktische Ausbildung begann, zu einem Grillfest eingeladen. Ungezwungen konnten sich die neuen Azubis kennenlernen, mit einigen der Kollegen und dem Chef ins Gespräch kommen, berichtet der 20 Jahre alte Max, der sich während seiner Kaufmannslehre in Meißen auf E-Commerce spezialisieren wird. Die Neuen erwähnen auch, dass jeder zum Ausbildungsbeginn sechs Arbeitshemden mit dem aufgestickten Logo des Einrichtungshauses erhielt.

Vor 20 Jahren kamen die Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz stapelweise auf den Tisch. Heute muss sich ein Unternehmen schon etwas einfallen lassen, um junge Leute für sich zu begeistern, schildert Holger Schmidt seine Erfahrungen. Mit Anzeigen bei der Agentur für Arbeit und der Gestaltung des firmeneigenen Internet-Auftritts – bei dem sich zum Beispiel alle Mitarbeiter mit einem Bild vorstellen – gelang es offenkundig, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Jedenfalls sagen die neuen Azubis, dass sie dadurch „Teppich Schmidt“ entdeckten, und zwar als Einstieg in ihr Berufsleben.

Alica Timm startet in Meißen einen neuen Versuch. Die 29-Jährige hatte ein Innenarchitektur-Studium begonnen. „Das war mir alles viel zu theoretisch“, begründet sie, warum sie das Studium Studium sein ließ und jetzt in Meißen in die Lehre geht, um das Raumausstatter-Handwerk zu erlernen. Hier kann sie viele Fertigkeiten erlernen – vom Gardinennähen über das Fußbodenlegen bis zum Polstern. Diese Bandbreite bieten in dieser Branche heute nicht mehr sehr viele Ausbilder, weiß Alica. Sie hatte intensiv im Internet recherchiert, als sie nach einem geeigneten Ausbildungsbetrieb für sich suchte.

Handwerk wieder gefragt

Gemeinsam mit Alica haben jetzt auch die 18-jährige Soraya Weißbach und Pascal Epperlein eine Raumausstatter-Lehre bei „Teppich Schmidt“ begonnen. Der 20 Jahre alte Pascal hatte eigentlich den Beruf eines Einzelhandelskaufmanns erlernen wollen. Im Einrichtungshaus stellte sich schnell heraus, dass Pascal über beste Voraussetzungen für das Handwerk eines Raumausstatters verfügt – vor dem Beginn der theoretischen Ausbildung an der Berufsschule ließ sich das noch ändern, wie Holger Schmidt berichtet.

Aus der täglichen Erfahrung im Geschäft und aus der Marktbeobachtung weiß er, dass die Nachfrage nach Leistungen seiner Handwerker wie Raumausstatter oder Polsterer steigt. „Viele erkennen und schätzen den Wert maßgeschneiderter und beständiger Lösungen“, sagt Holger Schmidt. Damit gewinnt auch der Ausspruch wieder an Bedeutung, wonach das Handwerk goldenen Boden hat. Auch deshalb ist Holger Schmidt sehr froh darüber, Handwerker und Handwerkerinnen in seinem Unternehmen ausbilden zu können.

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