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"Du bist also eine Putzfrau"

Sprüche wie diesen muss Steffen Just wegstecken können. Als bester Gebäudereiniger-Lehrling im Landkreis Meißen fällt ihm das leicht.

Dieser Fleck ist weg. Steffen Just hat den Ausbildungspreis als bester Gebäudereiniger im Landkreis bekommen.
Dieser Fleck ist weg. Steffen Just hat den Ausbildungspreis als bester Gebäudereiniger im Landkreis bekommen. © Norbert Millauer

Von Beate Erler

Moritzburg. In den Sommerferien vor drei Jahren, als die Schüler alle ausgeflogen waren und den Sommer genossen, kniete Steffen Just im Schulgebäude auf dem Boden und schrubbte. Zu dieser Zeit machte er gerade ein dreiwöchiges Praktikum bei der TOP Gebäudereinigung Sachsen GmbH, die ihren Sitz in Boxdorf hat. Drei Wochen waren er und seine Kollegen damit beschäftigt, die Schulfußböden zu reinigen: Am Gymnasium Coswig oder an der Oberschule in Boxdorf zum Beispiel. In diesen drei Wochen wollte Steffen entscheiden, ob er danach die Ausbildung zum Gebäudereiniger machen will.

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Er erinnert sich: „Das war schon anstrengend, die Wärme, und wir mussten zum Teil auf dem Boden kriechen, um alles sauber zu bekommen.“ Andere hätten da wahrscheinlich das Putztuch geworfen, aber Steffen hatte sich entschieden: „Ich wusste, dass es hart wird, aber ich wollte die Herausforderung.“ Außerdem hat das Putzen mit den Kollegen sogar Spaß gemacht.

Das war vor drei Jahren. Erst vor wenigen Wochen hat der heute 20-Jährige seine Ausbildung beendet und noch dazu als Bester seines Jahrgangs im gesamten Landkreis. Bereits Mitte Oktober wurden die acht besten Lehrlinge von der Kreishandwerkerschaft Meißen ausgezeichnet, darunter Steffen. Bei der Festrede, umgeben von den prächtigen Innungsfahnen, der Innungslade und den anderen Preisträgern, hat der Junghandwerker seinen Pokal bekommen.

Dabei erinnert sich der Schreck der Flecken mit leichtem Schrecken an die Praxisprüfung. In einem Studentenwohnheim in Dresden musste er eines der Zimmer komplett reinigen. Rotweinflecken, umgekippte Bierflaschen und Zigarettenkippen Fehlanzeige: „Das Zimmer war nicht präpariert, aber ich musste zum ersten Mal einen Teppich reinigen und damit hatte ich fast noch keine Erfahrung“, sagt er. Die Prüfer achten dabei besonders auf den Umgang mit und die Dosierung der Chemie, den Arbeitsschutz und natürlich auf das Reinigungsergebnis. Trotzdem hat Steffen das gut gemeistert und die Prüfung sogar mit 1,0 bestanden.

Seitdem ist der beste Gebäudereiniger im Landkreis für die TOP Gebäudereinigung Sachsen GmbH im Einsatz. Das Dienstleistungsunternehmen ist ein familiengeführter Meisterbetrieb und hat neben dem Standort in Boxdorf Niederlassungen in Bautzen, Leipzig und Erfurt. Dementsprechend groß ist auch Steffens Einsatzgebiet. Die Mitarbeiter sind im Großraum Sachsen und Thüringen sowie Sachsen-Anhalt und Brandenburg unterwegs. Am Standort in Boxdorf steht in einer Glasvitrine im Foyer das Zertifikat von Steffen: „Hier wollen wir gern noch ein Foto von dir und deinem Pokal machen“, sagt der Qualitätsbeauftragte des Unternehmens, Marcus Bühler.

Steffen weiß, dass sein Beruf für viele alles andere als ein Traumjob ist: „Der Job hat ein schlechtes Ansehen und die meisten denken dabei an eine alte Frau, die irgendwo wischen muss“, sagt Steffen, der noch bei seinen Eltern in Dresden wohnt. Wenn er anderen erzählt, was er beruflich macht, muss er sich meist Sprüche anhören wie: „Du bist also eine Putzfrau.“ Viele denken, dass Gebäudereiniger nur ein 450-Euro-Job ist. Wenn Steffen dann erzählt, dass er eine dreijährige Ausbildung gemacht hat und was zu seiner Arbeit alles dazugehört, ändert sich das, sagt er.

Trotzdem ist es keine einfache Branche: Die Arbeitszeiten sind meist früh am Morgen oder am Abend. Die Branche hat Probleme, Mitarbeiter zu finden, die zu diesen Zeiten arbeiten wollen. Im Kreis Meißen gibt es laut der Gebäudereinigerinnung Chemnitz/Dresden 50 Gebäudereinigungsbetriebe. Auch für Steffen und seinen Kollegen geht es jeden Morgen früh los: Bereits 5.45 Uhr müssen sie in Burgstädt bei Chemnitz sein. Dort steht die erste Unterhaltsreinigung in einem Supermarkt an. Sie wischen den Boden, reinigen die Vitrinen, den Pfandautomaten und den Backraum. Etwa zwei Stunden sind sie hier beschäftigt, dann geht es weiter zum nächsten Supermarkt. „Wir putzen etwa fünf Objekte am Tag“, sagt Steffen. Er und sein Kollege fahren mit ihren Putzutensilien ins Erzgebirge und sogar bis ins Vogtland und nach Thüringen.

Kein leichter Job, den Steffen aber trotzdem mit Spaß machen und offen für den Beruf sein will. Und er freut sich über Kleinigkeiten: Zum Beispiel, wenn Kunden ihn ansprechen und wissen wollen, wie er die Vitrinen so streifenfrei sauber bekommt.

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