merken
PLUS Meißen

"Wir müssen uns an Corona-Grippe gewöhnen"

Der Meißner Landrat Ralf Hänsel rät zum langfristigen und gelassenen Umgang mit der Pandemie. Belüftungsanlagen in Schulen hält er nicht für nötig.

Fast schon wieder ein Dreivierteljahr Meißner Landrat: Ralf Hänsel. In dem Amt hat er den Höhepunkt der Pandemie Anfang des Jahres erlebt und jetzt einen neuen Tiefpunkt. Er war im März selbst mit milden Symptomen am Virus erkrankt.
Fast schon wieder ein Dreivierteljahr Meißner Landrat: Ralf Hänsel. In dem Amt hat er den Höhepunkt der Pandemie Anfang des Jahres erlebt und jetzt einen neuen Tiefpunkt. Er war im März selbst mit milden Symptomen am Virus erkrankt. © Claudia Hübschmann

Herr Hänsel, der Landkreis Meißen erreichte in der vergangenen Woche eine Sieben-Tage-Inzidenz von null. Hätten Sie im Winter oder Frühjahr geglaubt, dass dieser Fall im Juli eintritt?

Anzeige
Ab ins Kultursommer-Wochenende!
Ab ins Kultursommer-Wochenende!

Der Kultursommer in Meißen geht weiter und hat vom 13. bis 15. August wieder viel Spiel, Spaß und Unterhaltung für Groß und Klein zu bieten.

Wann dieser Fall eintritt, hätte ich nicht vorhersagen wollen und können. Dass wir den Inzidenzwert von null im Sommer aber erreichen würden, davon war ich überzeugt.

Wie erklären Sie sich den drastischen Wandel bei den Inzidenzen: Vom schlechtesten Landkreis in Sachsen plötzlich zum besten Landkreis?

Ich habe bereits im November vergangenen Jahres gesagt, dass der Inzidenzwert nicht als alleiniges Kriterium für die Festlegung der Schutzmaßnahmen herangezogen werden sollte. Die Auslastung der Krankenhauskapazitäten ist aus meiner Sicht ein ebenso wichtiger – wenn nicht gar entscheidenderer – Indikator. Nicht erst in der aktuellen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung spielt auch dieser Wert eine Rolle. Mittlerweile hat der Inzidenzwert aufgrund der steigenden Impfquoten sowie der Impf- und Testmöglichkeiten weiter an Aussagekraft verloren. Daher ist mir der Titel bester oder schlechtester Landkreis in Bezug auf Inzidenzwerte nahezu gleichgültig.

Alle sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte weisen derzeit sehr niedrige Inzidenzwerte auf. Bereits mit wenigen neuen positiven Fällen steigt der Inzidenzwert aber auch wieder an, sodass wir in den kommenden Wochen sicher ein Auf und Ab – in hoffentlich geringen Ausschlägen – in allen Landkreisen beobachten werden. Allgemein haben die Maßnahmen des Bundes und des Freistaates in allen sächsischen Landkreisen gewirkt, und natürlich haben sich die Menschen an die Vorgaben gehalten. Damit haben sie das Absinken aller Werte – auch der Krankenhausbettenbelegung – ermöglicht.

Sie haben früh aufs flächendeckende Testen gesetzt. Wir haben jetzt knapp 50 Schnelltest-Zentren im Landkreis Meißen. Werden sie bleiben oder langsam abgebaut?

Wir sehen bereits seit einigen Wochen, dass Testzentren nach und nach schließen, da aufgrund der derzeit geltenden Bestimmungen nur noch an wenigen Stellen bzw. für ausgesuchte Dienstleistungen ein negatives Schnelltestergebnis benötigt wird. Sollten die Fallzahlen wieder steigen und damit aufgrund der Bestimmungen wieder Schnelltests stärker nachgefragt werden, werden sicher wieder mehr Testcenter öffnen.

Das Thema Impfen beschäftigt uns alle. Wie ist der Stand im Landkreis Meißen?

Die Zahl der bislang geimpften Personen im Landkreis Meißen liegt uns nicht vor. Über Zahlen für das Impfzentrum in Riesa kann das DRK Auskunft erteilen. Zusätzlich impfen viele Haus- und Fachärzte im Landkreis Meißen, die auch das DRK nicht erfasst. Einen aktuellen Gesamtüberblick über die Werte in den einzelnen Landkreisen hat daher nur das Sozialministerium.

Was ist Ihre Prognose, welche Impfquote werden wir im September erreichen?

Eine Antwort gleicht hier dem Blick in die Glaskugel. Selbst aus der bisherigen Entwicklung lässt sich keine Hochrechnung erstellen, da durch die Urlaubszeit oder eine mögliche sinkende Impfbereitschaft kein linearer Fortgang vorhergesagt werden kann. Wichtig ist, dass alle, die geimpft werden wollen, schnell und unkompliziert die Termine und Impfungen erhalten.

Es gibt eine recht hohe Anzahl an Impfverweigerern. Wie gehen Sie mit ihnen um?

Die Entscheidung für oder gegen die Impfung ist eine persönliche Entscheidung. An der Stelle kann nur mit umfassenden und sachlichen Informationen die Impfbereitschaft erhöht werden. Je einfacher der Zugang zur Impfung ist, desto mehr Menschen nehmen die Möglichkeit der Schutzimpfung wahr. Wer sich aus welchen Gründen auch immer nicht impfen lassen möchte, muss dann gegebenenfalls Einschränkungen bei der Nutzung von Dienstleistungen hinnehmen.

Saisonal ist ab Ende September/Anfang Oktober vermutlich mit einem stärkeren Anstieg bei den Inzidenzen zu rechnen. Wie sind Sie vorbereitet?

Auch an der Stelle möchte ich noch einmal deutlich machen, dass wir zukünftig nicht nur auf die Inzidenzwerte blicken sollten. Diese zeigen zwar die Zahl der Infizierten, jedoch nicht zwangsläufig die Zahl der Erkrankten. Die Einteilung der Schwellenwerte ist zudem viel zu kleinteilig, als dass die Bürger die darauf beruhenden Regelungen noch nachvollziehen können. Aus meiner Sicht ist es wichtig, diese Sommerpause zu nutzen, um über den Umgang mit der Pandemie ab Herbst nachzudenken. Langfristig müssen wir uns sicher daran gewöhnen, dass es neben der bereits bekannten Virusgrippe auch die Coronavirus-Grippe geben wird. Damit müssen wir lernen umzugehen.

Dazu bräuchte es dann auch keinen Krisenstab Infektionsschutz des Landratsamtes, den wir aber gleichwohl jederzeit wieder ins Leben rufen können. Auch die Elblandkliniken als unser kommunales Krankenhaus, mit dem wir immer in engem Kontakt und Austausch stehen, sind auf sich verändernde Lagen vorbereitet.

Wie schützen Sie die Kinder?

Wir müssen alle Bevölkerungsgruppen schützen, natürlich auch die Kinder. Sie haben sich im bisherigen Verlauf der Pandemie nicht als besonders gefährdet erwiesen, aber gemeinsam mit den Eltern einen riesigen Beitrag geleistet, um gefährdete Gruppen zu schützen. Daher ist es mein zentrales Anliegen, dass die Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie die Einrichtungen und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe künftig unter allen Umständen offengehalten werden.

Bei Einhaltung aller bekannten Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie unter Beachtung der mittlerweile vorhandenen Impf- und Testmöglichkeiten sind auch die Kinder und Jugendlichen geschützt und können die schulischen Präsenzangebote wie auch die Freizeitangebote, von Sportvereinen bis hin zur Musikschule, wahrnehmen.

Sind Raumluftfilter für Schulen jetzt ein Thema für Sie?

Weiterführende Artikel

Meißen: Inzidenz bleibt trotz Statistikfehler tief unten

Meißen: Inzidenz bleibt trotz Statistikfehler tief unten

Im Landkreis Meißen gibt es aktuell zwei mit Covid infizierte Personen. Die neue Version einer Corona-App ist jetzt veröffentlicht worden.

Ralf Hänsel ist neuer Meißner Landrat

Ralf Hänsel ist neuer Meißner Landrat

Der parteilose CDU-Kandidat gewinnt die Wahl überraschend im ersten Anlauf. AfD und Grüne/Linke/SPD landen weit abgeschlagen hinter ihm.

Nach wie vor gilt das ordnungsgemäße und regelmäßige Lüften als das beste Mittel, die Virenlast in Innenräumen zu senken. Bislang haben wir in den Schulen in Trägerschaft den Einbau von Raumluftfiltern nicht vorgesehen.

Herr Landrat, verraten Sie uns, wohin es in den Urlaub geht?

Wir fahren wie jedes Jahr nach Kärnten.

Interview: Ulf Mallek

Mehr zum Thema Meißen