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„Ich bin sehr glücklich in Meißen“

Daniel Bahrmann wurde in diesem Jahr zum Meißner Kunstpreisträger gekürt. Der Festakt zur Verleihung des Preises konnte noch nicht stattfinden.

Daniel Bahrmann in seinem Meißner Atelier.
Daniel Bahrmann in seinem Meißner Atelier. © Claudia Hübschmann

Meißen. Mit zehn Leuten im Bennohaus – so startete der Meißner Grafikmarkt, erinnert sich Daniel Bahrmann. Das war 2007. In den folgenden zwölf Jahren wurde der Grafikmarkt zu einem Event, das stetig wuchs und bekannter wurde. Weil die Räumlichkeiten im Bennohaus nicht mehr ausreichten, zog der Grafikmarkt über den Großen Ratssitzungssaal in die Albrechtsburg. Und gilt seitdem für die sich beteiligten Künstler als kommerzieller Erfolg.

Der Grafikmarkt, der in diesem Jahr wegen Corona ausfallen musste, ist mit dem Namen von Daniel Bahrmann verbunden, ebenso das Literaturfest und viele andere Aktivitäten, mit denen Meißen seit Jahren von sich reden macht. Die Stadt würdigte das Engagement des freischaffenden Künstlers und Fotografen mit dem Kunst- und Kulturpreis 2020.

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Daniel Bahrmann ist der zehnte Meißner, der sich Kunst- und Kulturpreisträger der Stadt nennen darf. Für die Verleihung dieser Ehre, die traditionell kurz nach der Bekanntgabe aller zwei Jahre im Rahmen eines Festaktes stattfindet und bei dem neben einem Preisgeld ein Unikat aus Meissener Porzellan überreicht wird, gibt es bislang – coronabedingt – noch keinen Termin.

Fluch und Segen in der Kleinstadt

Nach Meißen kam der gebürtige Radebeuler im Jahr 2003, nachdem er ein Studium der Freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) in Braunschweig absolviert hatte. Bewusst habe er sich für die Kleinstadt entschieden, sagt Daniel Bahrmann. Auch wenn das Fluch und Segen zugleich ist, wie er in einem Interview bekannte: „Fluch, dass sich manchmal deutlich der Provinzcharakter zeigt und es gelegentlich eng und kleinbürgerlich wirkt. Der Segen ist aber, dass man hier super Netzwerke aufbauen und sich als Künstler gut entfalten und viel machen kann.“

Die Netzwerke kamen auch dem Kunstverein, dem er von 2006 bis 2018 vorstand, zugute. Er etablierte Veranstaltungen wie eingangs erwähnten Grafikmarkt oder den legendären „Jazz im Keller“. Außerdem organisierte er regelmäßige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in den Räumen des Kunstvereins zunächst im Bennohaus und ab 2018 in der Burgstraße. Hier erhalten Künstler – vor allem junge und in der Region tätige – die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und ihre Werke verkaufen zu können.

Als er sich in Meißen niedergelassen hatte, eröffnete Daniel Bahrmann zunächst eine kleine Keramikwerkstatt in der Webergasse. Hier widmete er sich vor allem experimenteller Keramik, gebrannt in einem Holzofen im Freien. Aber davon allein ließ sich nicht leben. So erklärt er auch die Vielseitigkeit seines Schaffens und Engagements. Auch, warum sich Daniel Bahrmann in und außerhalb der Stadt einen Namen als Fotograf und Grafiker gemacht hat.

Wichtig ist ihm die Freundschaft mit Kay Leonhardt. Unter dem gemeinsamen Label „LEO.Bahrmann“ arbeitet er als Grafiker regelmäßig mit dem Designer Kay Leonhardt, der vor acht Jahren den Kunstpreis der Stadt Meißen erhielt, zusammen. „Er zeichnet, und ich mache seine Vorlagen druckfertig“, beschreibt Daniel Bahrmann in der ihm eigenen zurückhaltenden Art seinen Anteil an der Zusammenarbeit, die in einem gemeinsamen Atelier in der Webergasse begann – und nach Leos Fortgang aus der Stadt nicht endete.

Immer widmete er sich auch seiner Leidenschaft, der Fotografie. In den Landschaften des Elbtals und in der Kleinstadt entdeckte er seine Fotomotive. 2012 entstanden die ersten seiner Meißen-Bilder – eine Serie, die er noch heute kommerziell nutzt. Als freischaffender Fotograf lebt Daniel Bahrmann heute vor allem von Aufträgen für Architektur- und Landschaftsfotografie.

Er begeistert sich auch für experimentelle Fotografie. In diesem Fach hatte er sein Studium an der HBK mit einem Diplom abgeschlossen. Seit sein Sohn Fietje vor zwei Jahren geboren wurde, nimmt er sich mehr Zeit, um sich „mit dem Künstlerischen zu beschäftigen“. Manchmal auch nur zum Rumspinnen, wie er sagt. Ideen mit Licht faszinieren ihn ebenso wie die Beschäftigung mit Spielzeugen. Das zeigen farbgewaltige Arbeiten, die auch auf seiner Website zu sehen sind.

Was für einen Künstler am besten ist

In der Auszeichnung sieht Daniel Bahrmann auch eine Bestätigung dafür, „dass das richtig ist, was man macht“. Auch weil er sich selbst als "eher zurückhaltend" beschreibt. „Für einen Künstler ist es am besten, wenn sein Werk zählt“, ist der 45-Jährige überzeugt. Klar, dass er sich über die vielen Glückwünsche freut, die ihn seit der offiziellen Bekanntgabe erreichten: „Ich war erstaunt darüber, wer sich alles bei mir gemeldet hat, um zu gratulieren.“

Nicht nur als Künstler wird Daniel Bahrmann geschätzt. Im Kulturverein Meißen hat er nicht nur den Vorsitz inne. In dessen Auftrag organisiert er auch das Literaturfest, das inzwischen als das größte eintrittsfreie Lesefest in Deutschland gilt. Dass es in Meißen in diesem Jahr eines der wenigen Events war, die der Pandemie nicht zum Opfer fielen, ist dem Engagement von Daniel Bahrmann und seinem Organisatorenteam zu verdanken. Seit dem vorigen Jahr gehört er auch dem Stadtrat an – mit dem Mandat der SPD in der gemeinsamen Fraktion mit den Bürgern für Meißen.

Für die Zukunft hat Daniel Bahrmann „viele Ideen im Kopf“. Ein Projekt mit Jugendlichen etwa. Vielleicht in der Obergasse. Dort gibt es große Flächen, die gemeinsam zu gestalten sich lohnen könnte. Künstlerisch kann er hier das einbringen, was er in Braunschweiger Studienjahren erwarb. Schließlich hatte er dort in einer Mal-Klasse angefangen und sich auch mit Bildhauerei befasst.

„Ich bin sehr glücklich in Meißen“, antwortet er auf die Frage, was ihm durch den Kopf ging, als er im Oktober von der Auszeichnung erfuhr. Er freut sich auf die Preisverleihung, wenn sie denn am Beginn des nächsten Jahres stattfinden kann. Dazu würde er gern „ein paar Leute mehr“ – Freunde und Wegbegleiter – einladen, als unter Corona-Bedingungen möglich wäre. Und gemeinsam mit ihnen „ein bisschen feiern“.

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