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Abriss der Kita Sachsdorf wegen Wasserschadens

1997 wurde das Gebäude in Sachsdorf gebaut. Die Rohre sind wegen schlechten Materials geplatzt. Das könnte auch in der Grundschule drohen.

Die Kindertagesstätte Regenbogen in Sachsdorf muss abgerissen werden. Das könnte im schlimmsten Fall auch der nebenan gelegenen Grundschule drohen.
Die Kindertagesstätte Regenbogen in Sachsdorf muss abgerissen werden. Das könnte im schlimmsten Fall auch der nebenan gelegenen Grundschule drohen. © Claudia Hübschmann

Klipphausen. Es ist eine schlimme Nachricht, die Bürgermeister Mirko Knöfel (parteilos) zur Oktober-Gemeinderatssitzung bekannt geben musste: Der Wasserschaden in der Kindertagesstätte Regenbogen in Sachsdorf, neben der Grundschule gelegen, ist so groß, „dass wir das Gebäude abreißen und neu bauen müssen.“ Der Schaden war schon länger bekannt, seit März läuft die Sanierungsmaßnahme. Die Betreuung für einen Teil der Kinder war dafür bereits in Container ausgelagert. Das lief bisher auch gut. Der Plan laut Knöfel war, Stück für Stück zu sanieren. Vor sechs Wochen waren dann die nächsten Räume geöffnet worden, mit einem verheerenden Ergebnis. „Der Schaden setzt sich weiter fort. Wir müssten die gesamte Kita sanieren. Das können wir aber wirtschaftlich gesehen nicht. Seit vier Wochen beschäftigen wir uns nun mit dem Problem. Versuchen Lösungen zu finden“, erklärt der Bürgermeister den Gemeinderäten und zahlreichen betroffenen Eltern, die erschienen waren. Denn die Frage steht nun, wo können die Kinder während der Baumaßnahmen untergebracht werden?

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Verschiedene Varianten wurden durchgespielt, die die Verwaltung an dem Abend auch vorstellte. Mit mindestens zwei Jahren Bauzeit werde gerechnet. Allerdings wurde auch schnell klar, dass diese Zeit nicht ausreichen wird. Dann stellte Bauamtsleiter Michael Hegenbart die Vorzugsvariante der Verwaltung vor. Er betonte dabei, „es ist nur eine Vorinformation und nicht der Weisheit letzter Schluss.“ Ein wichtiger Punkt bei dem Vorschlag sei, dass die 140 Kindergarten- und Krippenkinder nicht getrennt untergebracht werden sollen. Als Interimsquartier sollen die Baracken in Ullendorf an der S 177 dienen, die schon für zwei Jahre als eine Zwischenlösung für die Schüler der Evangelischen Oberschule Klipphausen diente, bevor sie in ihr neues Schulhaus in diesem Jahr einziehen konnten. Doch die Kleinsten an diesem Standort unterzubringen, stellt für das Jugendamt aus verschiedenen Gründen wie auch der Sicherheit keine Option dar. Deshalb werde nun der Umzug der Grundschüler in die Baracken favorisiert und die Kleinsten ziehen in das Grundschulgebäude um, so der derzeitige Vorschlag.

Ein Teil der Kindergartenkinder wird bereits wegen Sanierungsmaßnahmen des Kita-Gebäudes in Containern betreut. Doch nun müssen alle Kinder raus. Wohin, das ist noch unklar.
Ein Teil der Kindergartenkinder wird bereits wegen Sanierungsmaßnahmen des Kita-Gebäudes in Containern betreut. Doch nun müssen alle Kinder raus. Wohin, das ist noch unklar. © Claudia Hübschmann

Doch das Kita-Gebäude könnte nicht das einzige Problem bleiben, erklärt Knöfel. Denn der Wasserschaden entstand aufgrund geplatzter Rohre. Der Grund: Beim Neubau des Gebäudes im Jahre 1997 wurde Material verwendet, was sich im Nachhinein als nicht lange haltbar erwies. Die Firmen, die damals beteiligt waren, können laut Knöfel allerdings nicht mehr belangt werden. „Zum einen wurde aus damaliger Sicht nach dem aktuellen Stand der Technik gebaut.“ Erst nach Jahren habe sich gezeigt, dass der verwendete Baustoff nicht langlebig ist. So hat er Eigenschaften, dass er porös werden kann. Zum zweiten, erklärt Knöfel, „sind die Firmen nahezu alle schon insolvent oder sind aufgelöst. Da haben wir also keine Chance, ranzukommen.“ Die Gemeinde hoffe nun, dass wenigstens ein Teil der Schadenssumme von der Versicherung getragen wird. „Aktuell gehen wir davon aus, dass es maximal 15 Prozent der Investitionssumme sein wird, die wir hier stemmen müssen“, sagt der Bürgermeister.

Gemeinde ist schon hoch verschuldet

Auch habe die Gemeinde keine Aussicht auf Förderung. „Der Landkreis hat für die nächsten zwei Jahre nur 400.000 Euro für den ganzen Landkreis zur Verfügung gestellt bekommen und die sind schon komplett verplant. Wir haben auch keine Förderungsaussicht bei Leader, weil wir ja gerade in dieser Überbrückungsphase sind.“ Deshalb geht die Verwaltung davon aus, dass der Neubau komplett aus eigener Tasche gestemmt werden muss. In Anbetracht der ohnehin prekären Finanzsituation steht die Gemeinde damit vor weiteren großen Problemen. „Das wird eine extreme Belastung für unseren Haushalt werden. Wir werden auch Einschnitte in den verschiedensten Bereichen hinnehmen müssen.“ Wo genau, das sei jetzt noch nicht klar. „Wir gehen davon aus, dass wir den Neubau zu 100 Prozent über Kredit finanzieren müssen.“ Die spannendere Frage, so Knöfel weiter, sei aber, „ob wir uns die Kreditbelastung dann noch leisten können, weil wir durch die laufenden Großprojekte ziemlich viel Kreditfinanzierung aufgenommen haben und deshalb eine ziemlich hohe Pro-Kopf-Verschuldung haben. Aber momentan sehen wir keine andere Lösung.“ Die Alternative sei eine notdürftige Sanierung, doch bei der Größe und der Anzahl der Kinder, die es betrifft, sei dies aus seiner Sicht nicht tragbar.

Eltern und Lehrer sind verzweifelt

Aber es könnte in den nächsten Monaten noch schlimmer kommen. Denn die nebenan befindliche Grundschule wurde gleichzeitig gebaut, mit den gleichen Materialien. Zwar seien Schäden noch nicht festgestellt worden. „Es ist eine tickende Zeitbombe, weil die alten Rohrmodelle jederzeit platzen können“, sagt Knöfel. Deshalb rechne die Verwaltung auch schon damit, dass es sich nicht nur um zwei Jahre Baumaßnahmen handele, sondern sogar vier oder fünf, weil das Grundschulgebäude ebenfalls betroffen sein kann.

Die Eltern sind verzweifelt, weil sie bezweifeln, dass ein adäquater Unterricht der 184 Grundschüler in Ullendorf möglich ist. Sie forderten den Gemeinderat auf, andere Lösungen zu finden, schlugen selbst auch welche vor. Beispielsweise komplett Container auf dem Sportplatz aufzustellen. Der sei ohnehin schon im sanierungsbedürftigen Zustand. Auch die stellvertretende Schulleiterin Julia Bergmann appellierte an die Verwaltung und Räte. Denn niemand wisse, wie lange die Bauarbeiten dauern. Mit Hinweis auf das Schulkonzept wüssten die Lehrer nicht, wie dieses dann funktionieren solle. Die Schule würde alles verlieren, was in dem Konzept stehe. Alles würde sterben und sei unwiederbringlich. Auch Sportstunden müssten gekürzt würden, erklärte Bergmann. Sie bat Verwaltung und Gemeinderäte, sich alles vor Augen zu führen. Es sei eine riesengroße Verantwortung, die sie hätten.

Unklar ist auch, wie es dann mit dem geplanten Gewerbegebiet weitergehen soll, das genau an diesem Standort entstehen soll, wo die Baracken integriert werden sollen. Einen Gedanken brachte dann noch Gemeinderat Philipp Schmidt (CDU) ein, ob nicht die Grundschule in die neue Oberschule integriert werden könne. Bürgermeiste Knöfel, sagte, dass dieser Vorschlag geprüft werden könne.

Doch nicht nur Kosten wegen Abriss und Neubau kommen auf die Gemeinde zu. Welche Interimslösung auch immer gefunden wird. Hohe finanzielle Mittel allein für die Umsetzung sind zudem erforderlich.

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