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"Landrat wäre mein Traumberuf"

Ralf Hänsel war erst kürzlich als Zeithainer Bürgermeister wiedergewählt worden. Doch der Parteilose hat ein neues Ziel.

Ralf Hänsel ist parteilos, tritt aber für die CDU als Landratskandidat im Kreis Meißen an. Für das Gespräch mit der SZ hat er sich den Fähranleger in Lorenzkirch ausgesucht: Die Elbe verbinde den Landkreis von Radebeul bis Strehla (im Hintergrund).
Ralf Hänsel ist parteilos, tritt aber für die CDU als Landratskandidat im Kreis Meißen an. Für das Gespräch mit der SZ hat er sich den Fähranleger in Lorenzkirch ausgesucht: Die Elbe verbinde den Landkreis von Radebeul bis Strehla (im Hintergrund). © Klaus-Dieter Brühl

Zeithain/Landkreis Meißen. Ein Fluss, zwei Ufer. Auf der Lorenzkircher Seite trifft sich Ralf Hänsel mit der SZ zum Gespräch. Hier an der Elbe endet das Gemeindegebiet, für das er als Zeithainer Bürgermeister zuständig ist. Hat der 50-Jährige mit seiner Kandidatur als Landrat Erfolg, wird er bald auch für das andere Ufer mit Strehla zuständig sein. Auch Riesa, Meißen, Radebeul liegen am Fluss. „Die Elbe prägt unseren ganzen Landkreis“, sagt Hänsel. „Sie beschert uns Hochwasser, verbindet uns aber auch beim Tourismus mit ganz Sachsen und darüber hinaus.“

Und deshalb hat er für den Treff das Elbufer gewählt. Vielleicht auch, weil er in seiner Mittagspause aus dem Zeithainer Rathaus schnell her kommt. Nachher wartet der nächste Termin, ein Hausbesuch bei einer Einwohnerin zum 96. Geburtstag. Der Terminkalender ist voll: Urlaub hat er sich für den Wahlkampf nicht genommen. Dennoch trat er in den vergangenen Wochen bei einem Mieterfest in Nünchritz auf, beim Feralpi-Fest Bella Gröba in Riesa, beim Fest eines Zeithainer Kiesunternehmens – aber auch bei Gegnern des Kiesabbaus in Würschnitz.

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Ist denn Bürgermeister kein Vollzeitjob? „Das muss man genau trennen. Beim Baustofffest bin ich als Bürgermeister, die anderen Sachen besuche ich in meiner Freizeit.“ Er arbeite derzeit zwölf bis 14 Stunden am Tag. Wahlkampftermine liefen vor allem am Feierabend oder am Wochenende – oder eben in der Mittagspause. Zeit für das gewohnte Joggen oder das Werkeln im Garten seines Niederauer Eigenheims blieben da nicht.

Gebürtiger Dresdner

Und wer hängt dann all die Plakate auf, die hier an der Fähre in Lorenzkirch und mittlerweile flächendeckend im Landkreis das Konterfei Hänsels zeigen? „In Zeithain selbst habe ich Plakate gehangen“, sagt der gebürtige Dresdner. Aber mittlerweile hingen deutlich mehr als 2.000 Stück. Da helfe ihm sein Wahlkampfteam, das komplett ehrenamtlich arbeite. Das Kernteam um die Strehlaerin Madlen Güldner, Vize-Vorsitzende im CDU-Kreisverband, zähle vier, fünf Leute; dazu kommen Teams im ganzen Landkreis, die sich beim Plakatieren und vor Veranstaltungen absprächen.

Trotzdem kostet so ein Landrats-Wahlkampf, angeblich 60.000 Euro. Wer zahlt das? „60.000 Euro sind es noch nicht, aber in die Richtung geht die Summe schon“, sagt Hänsel. Und betont: Der Wahlkampf sei zum größten Teil von Sponsoren und privat finanziert, sagt der frühere Chef des Kreisentwicklungsamts, der seit 2012 Bürgermeister in Zeithain ist. „Ich war damals aus dem Ort angefragt worden und musste als Außenstehender einen schweren Wahlkampf führen.“ Und warum will der 50-Jährige jetzt zurück ins Landratsamt? „Als Landrat für einen Kreis mit fast 250.000 Einwohnern, vielen Unternehmen und Betrieben verantwortlich zu sein – das wäre ein Traumberuf“, sagt Hänsel, zu dessen Wahl nun auch die Freien Wähler aufrufen.

CDU-Eintritt möglich

Er würde mehr Wert darauf legen, nach innen sichtbar zu sein. „Ein Landrat muss auch für einen Sachbearbeiter ansprechbar sein.“ Das sei in den vergangenen Jahren etwas zu kurz gekommen. Um eine erfolgreiche Politik zu machen, brauche man eine Verwaltung, die weiß, wo die Reise hingehen soll. Das ließe sich als Kritik an Ex-Landrat Arndt Steinbach (CDU) deuten. Wahlkampf-Tipps von ihm holt sich Hänsel nicht. „Wir treffen uns eher mal zufällig bei Terminen, zu denen wir beide eingeladen sind.“ Anders als Steinbach ist Hänsel kein CDU-Mitglied – auch wenn er für die Partei als Landratskandidat antritt und Vizechef der CDU-Kreistagsfraktion ist. Wird sich das nach einer möglichen Wahl zum Landrat ändern? „Momentan bin ich parteilos. Aber ich kann nicht ausschließen, dass ich vielleicht später in die CDU eintrete.“

Seine beiden Mitbewerber – Elke Siebert für die Grünen, Thomas Kirste für die AfD – sind beide bereits parteipolitisch aktiv. Was hält Hänsel von ihnen? Als Landrat sei man politisch gewählt – aber eben auch Leiter einer Behörde, der Verantwortung für 1.300 Mitarbeiter trägt. „Da braucht es mehr, als mal in einer nachgeordneten Behörde oder in einer Arbeitsagentur gearbeitet zu haben.“ Er biete als Diplom-Verwaltungswirt die fachliche Eignung und kenne das Landratsamt durch seine Arbeit vom Sachbearbeiter bis zum Amtsleiter „aus dem Effeff“  – das sehe er bei den beiden anderen Kandidaten nicht.

Fünf Jahre Medizinstudium

Hänsels Traumberuf von Kindesbeinen an war die Verwaltung aber auch nicht – der 50-Jährige hatte nach Abitur und Wehrdienst fünf Jahre Medizin studiert. „Ich wollte eigentlich Arzt werden, aber es hat nicht geklappt.“ Deshalb habe er was anderes gesucht, wo er mit Menschen umgehen kann. „Ich bin kein Typ, der sich in ein Büro oder ein Labor einschließt, um dort etwas allein zu erarbeiten.“

Seit 2012 ist er Bürgermeister in Zeithain, 2019 wurde er mit gut 96 Prozent – ohne Gegenkandidaten – für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. In „seine“ Gemeinde zog er aber nie. Warum? „Diese Frage verfolgt mich bis heute“, sagt der Niederauer. Aber seine Wiederwahl zeige, dass man auch ein guter Bürgermeister sein könne, wenn man außerhalb wohnt. „Es erlaubt auch einen klareren Blick von außen auf die Strukturen, wenn man im Ort nicht verwandtschaftlich verbandelt ist.“ – Pragmatisch betrachtet, müsse man es sich auch leisten können, aus einem Eigenheim auszuziehen und sich woanders neu niederzulassen. „Die Entfernung hat meiner Präsenz in der Gemeinde nicht geschadet“, sagt Hänsel. „Ich werde von der Feuerwehr bei jedem Brand informiert und bin immer sofort da, wenn es notwendig ist.“ Jetzt im Wahlkampf sei er aber gar nicht so leicht zu erreichen gewesen, schildert eine Großenhainerin in einer Email an die SZ. Am Ende aber habe sie doch noch einen Rückruf vom Kandidaten erhalten.

"Rückstandsfrei auskuriert"

Vergangenes Jahr war Hänsel längere Zeit gesundheitlich ausgefallen, das sei rückstandsfrei auskuriert, sagt der Landratskandidat, der kürzlich seinen 50. Geburtstag feierte. Unter Corona-Bedingungen musste für dienstliche Freunde und die Familie doppelt gefeiert werden, um die Gäste-Regeln einzuhalten.

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Zur Familie gehören zwei Töchter aus erster Ehe – eine studiert Grundschullehr-Lehramt, die andere hat eine Ausbildung zur Polizistin angefangen. „Das macht mich stolz!“ Die jüngeren Mädchen haben noch etwas Zeit für die Berufswahl. Sie besuchen erst Grundschule und Kindergarten. Bis zum 11. Oktober wird der Vater wohl wenig Zeit für sie haben: Bis zum Wahltermin ist Wahlkampf.

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