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„Allein die Zeit heilt nicht alle Wunden“

Über neue Behandlungsmethoden, etwa nach Schnittverletzungen oder Operationen, wird im Radebeuler Elblandklinikum informiert.

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© Elblandkliniken

Radebeul. Heilung ist ein komplizierter Prozess, bei dem zahlreiche Faktoren eine Rolle spielen. Ärztlichen Rat zu diesem Thema gibt es bei dem SZ-Gesundheitsforum „Ihre Wunde in unseren Händen – Wundproblematik im Fokus der Gefäßmedizin“ am 27. April, 18 Uhr, im Elblandklinikum in Radebeul.

Mit zunehmendem Alter werden Stoffwechsel und Zellaktivitäten langsamer, die geschädigten Zellen benötigen mehr Zeit zum Regenerieren. Nicht nur der Blick in den Spiegel verrät, dass Haut und Gewebe im Alter deutlich anfälliger für Verletzungen oder Infektionen sind. Auch Vorerkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente behindern die Heilung.

Robert Elfers ist Chefarzt der Klinik für Gefäß- und endovaskulären Chirurgie und Leiter des Interdisziplinären Gefäßzentrums Radebeul/Riesa. Bei diesem SZ-Gesundheitsforum – eine Kooperationsveranstaltung mit dem Elblandklinikum Radebeul – erhalten Interessierte von ihm Informationen über neueste Behandlungsmethoden und bekommen Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen.

Warum steht die Wundheilung im besonderen Fokus der Gefäßmedizin?

Gefäßerkrankungen sind die häufigste Ursache für chronische Wunden an den Extremitäten. Die Schmerzen, nässende und übel riechende Verbände und die damit einhergehende Einschränkung der Mobilität und des sozialen Lebens, beeinträchtigen die Lebensqualität dieser Patienten oftmals erheblich.

Chronische Wunden sind aufgrund ihrer zumeist langen Heilungsverläufe, häufigen Komplikationen und Komorbiditäten zudem von hoher sozioökonomischer Bedeutung. Deren Ursachen sind vielfältig und reichen von den Erkrankungen der Gefäße über Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bis hin zu selten vorliegenden Erkrankungen wie Infektionen und Gefäßentzündungen. Den weitaus größten Anteil macht jedoch das Ulkus cruris venosum (ein durch venöse Stauung verursachtes Hautgeschwür) aus.

Welche besonderen Diagnostik- und Therapieansätze werden in den Elblandkliniken bei der Versorgung schwer heilender Wunden verfolgt?

Zunächst ist das Erkennen der Wundursache von Bedeutung, gefolgt von der Organisation und Durchführung einer ausreichenden und gezielten Diagnostik. Daran anschließend und dauerhaft sollte nach Therapie der Ursache eine strukturierte – an die Phasen der Wundheilung angepasste – Wundtherapie mit regelmäßiger Kontrolle durch einen Wundexperten erfolgen. Hierzu haben wir in unserem interdisziplinär arbeitendem Gefäßzentrum eine spezielle Wundsprechstunde eingerichtet. Hier können Patienten mit Problemwunden durch den Hausarzt oder Facharzt vorgestellt werden. Es erfolgt dann die Beurteilung der Wunde durch ein speziell geschultes Wund-Team und eine gezielte Diagnostik und Therapie. Nach erfolgreicher Behandlung wird auch die Nachversorgung mit regelmäßigen Wundkontrollen von uns organisiert.

Wir streben als Gefäßzentrum als erstes Klinikum in Sachsen eine Qualifizierung als etabliertes Wundzentrum an. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren und es sind eine Vielzahl von Qualitätskriterien bei der Wundversorgung dafür zu erbringen.

Wie kann chronischen Wunden vorgebeugt werden?

Wenn eine Wunde innerhalb von acht Wochen nicht abheilt, sprechen Fachleute von einer chronischen Wunde. Normalerweise werden Wunden durch eine Verletzung wie einen Schnitt oder heftigen Stoß verursacht. Menschen mit chronischen Wunden haben oft eine Grunderkrankung, die dazu führt, dass Wunden auch schon durch leichteren Druck entstehen und dann nicht heilen. Daher ist es für Menschen mit solchen bekannten Grunderkrankungen (zum Bsp. Blutzuckerkrankheit) wichtig, auf eine regelmäßige Selbstkontrolle der Haut zu achten. Eine Behandlung mit rückfettenden Salben bei sehr trockener Haut kann hier ebenso nützlich sein, wie die Vermeidung von Druckstellen durch angepasstes Schuhwerk.

Die zweite wichtige Säule ist die Behandlung der Grunderkrankung und der zugrunde liegenden Ursache.

Zum Beispiel steht bei der arteriellen Verschlusskrankheit (im Volksmund „Schaufensterkrankheit“) die Wiedereröffnung der verschlossenen Gefäße und damit die Wiederherstellung der Blutversorgung der betroffenen Extremität im Fokus.

Und was können Patienten selbst zur Wundheilung beitragen?

Bei einer Blutzuckererkrankung ist für eine normale Wundheilung wichtig, dass der Blutzucker gut eingestellt ist. Schuhe müssen groß und weit genug sein, um Druckstellen zu vermeiden. Eine regelmäßige Fußpflege hilft ebenfalls, das Entstehen von Wunden zu vermeiden oder rechtzeitig zu bemerken.

Bei Venenschwäche und Krampfadern können Kompressionsstrümpfe oder elastische Binden (Druckverbände) helfen, Wunden vorzubeugen. Der Druck entlastet die Venen und verbessert die Durchblutung. Dadurch können auch bereits vorhandene Wunden eher wieder abheilen.

Wenn eine Wunde mit Bakterien infiziert ist, werden manchmal Antibiotika angewendet, um die Entzündung zu bekämpfen und einer chronischen Wunde vorzubeugen.

Die Fragen stellte Kristin Koschnick.

Das SZ-Gesundheitsforum „Ihre Wunde in unseren Händen – Wundproblematik im Fokus der Gefäßmedizin“ findet am 27. April 2022 um 18 Uhr im Elblandklinikum Radebeul, Heinrich-Zille-Straße 13, in der Krankenhauskapelle statt. Der Eintritt ist frei.

Aufgrund des begrenzten Platzes wird um telefonische Anmeldung bis 26.04.2022 unter 03521/41045520 oder 0351/833893833 gebeten.