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PLUS Meißen

Das Leben im Elbland wird teurer

In Sachsen lag die Inflationsrate im Mai bei 2,4 Prozent. Fast alle Waren und Dienstleistungen werden teurer.

Ein voller Einkaufswagen ist heute teurer als vor der Pandemie.
Ein voller Einkaufswagen ist heute teurer als vor der Pandemie. © dpa

Beim Lieblingsbäcker kostet der Milchzopf plötzlich 10 Cent mehr. In der Mittagspause am Brathähnchenstand fragt man sich, ob das halbe Hähnchen beim letzten Besuch vor einer Woche nicht noch 20 Cent günstiger war. Und die Preisschilder im Supermarkt zeigen auch höhere Preise an. Für viele Verbraucher ist es vielleicht nur ein Gefühl, dass alles schon wieder teurer zu werden scheint, doch demgegenüber steht ein Fakt: Die Inflationsrate in Sachsen ist im vergangenen Monat Mai um 2,4 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen. Das Statistische Bundesamt teilt mit: Die Inflation in Deutschland ist im Mai mit 2,5 Prozent auf dem höchsten Stand seit fast zehn Jahren, nach 2,0 Prozent im April und 1,7 Prozent im März.

Das Preisniveau steigt bei Waren und Dienstleistungen ständig an. Am deutlichsten zeigt das der Blick auf den sinnbildlichen Warenkorb, der den typischen Verbrauch eines privaten Haushalts darstellt und zur Ermittlung des Preisindex und der Inflation herangezogen wird. Er zeigt für den Monat April bei fast allen Waren und Dienstleistungen eine Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Vor allem die Energiepreise gehen durch die Decke: Spitzenreiter im Warenkorb sind Heizöl und Kraftstoffe, die um ganze 22,8 Prozent teurer geworden sind.

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Sie sind, laut Experten, der aktuelle Treiber der Inflation. Noch im Mai letzten Jahres waren mehr Menschen zu Hause, Fabriken standen still, der Energiebedarf sank und somit auch die Preise. Seit letztem Monat läuft die Wirtschaft wieder an, der Energiebedarf steigt und somit auch die Energiepreise um ganze 13 Prozent im Vergleich zum Mai 2020. Ein weiterer Effekt, ausgelöst durch die Corona-Krise, ist die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent im vergangenen Jahr, die seit Beginn dieses Jahres wieder aufgehoben wurde. Auch wenn das Einmaleffekte sind, rechnet die Bundesbank bis Ende des Jahres mit einer Inflationsrate von bis zu vier Prozent.

Und die spürt der Verbraucher am schneller schrumpfenden Geldbeutel: Ob der Besuch im Restaurant oder beim Friseur, das Brot beim Bäcker oder die Autodurchsicht, die Endkundenpreise steigen. Karsten Liebscher, Obermeister der Bäckerinnung Meißen, bestätigt die Teuerungen: „Die Innungsbäckereien im Landkreis Meißen haben sicherlich ihre Preise erhöht“, sagt er, „genaue Beträge kann ich nicht nennen, die Erhöhung wird sich aber in dem Bereich von drei bis fünf Prozent bewegen.“ Der Inhaber der Bäckerei und Konditorei Liebscher in Weinböhla hat, wie seine Bäckerkollegen auch, mit Kostensteigerungen in allen Bereichen zu kämpfen: „Egal ob Energie, Rohstoffe oder Löhne, alles ist teurer geworden und durch die Preissteigerung sind wir in der Lage, die steigenden Kosten im Griff zu halten.“

Die Restaurants, Gaststätten und Biergärten, die von der Corona-Pandemie besonders getroffen waren, haben ihre Preise ebenfalls angepasst, sagt Axel Klein, Geschäftsführer der Dehoga Sachsen. Allerdings habe die Corona-Krise gar nicht so viel mit den Preissteigerungen zu tun: „Das sind jährliche Anpassungen, die verschiedene Gründe haben“, sagt er. Dazu gehören Personalkosten, die in den letzten Jahren um 30 Prozent gestiegen sind und Lebensmittel, die teurer werden. Wie viel mehr man ab jetzt im Schnitt für einen Restaurantbesuch zahlen muss, kann Axel Klein nicht beziffern: „Jeder Unternehmer kalkuliert seine Preise selbst und die sind abhängig von der Lage, dem Angebot und ob es sich um einen Imbiss oder ein Gourmetrestaurant handelt.“ Sicher sei nur, dass es Preissteigerungen geben wird.

Die Verbraucherzentralen erleben seit der Corona-Krise einen großen Ansturm an Ratsuchenden: „Die Verbraucher kommen mit allen möglichen Problemen zu uns“, sagt Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen, „besonders Alleinerziehenden, die vorher schon wenig Geld zur Verfügung hatten, fehle es an alltäglichen Dingen“, sagt sie. Gerade die Branchen, die in der Corona-Krise besonders gebeutelt wurden, erhöhen nun ihre Preise wie zum Beispiel Friseure oder Fitnessstudios.

Auch der Besuch in der Autowerkstatt könnte teurer werden: „Bei den Ersatzteilpreisen ist im Jahresverlauf eine Preissteigerung von 0,7 bis 3,5 Prozent zu verzeichnen. Diese Preisänderungen werden von den Fahrzeug- und Teileherstellern vorgegeben und durch die Werkstätten im Regelfall eins zu eins an den Verbraucher weitergegeben“, sagt Sibylle Geier vom Landesverband des Kfz-Gewerbes Sachsen. Eine allgemeine Preissteigerung zulasten der Verbraucher ist ihr nicht bekannt, aber: „Die Autofahrer sind vielmehr durch die enorm angestiegenen Kraftstoffkosten betroffen.“

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